Die Gebäudereinigerbranche stört sich an einem Plakatmotiv aus der Bundestagswahl-Kampagne der SPD. Es zeigt einen in blauer Arbeitskluft gekleideten Mann mit einem Besen in der Hand und eine Frau im Kittel neben einem Wagen mit Putzutensilien. "WIR für den gesetzlichen Mindestlohn" steht als Slogan daneben. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte die Motive diese Woche vorgestellt.

Unter den Mitgliedsunternehmen habe das Motiv Unmut ausgelöst, sagte der Geschäftsführer der Gebäudereiniger-Innung, Johannes Bungart,  ZEIT ONLINE. "Es wäre wünschenswert, mit Berufsgruppen zu werben, die wirklich betroffen sind." Die Gebäudereiniger gehörten nicht zu den Branchen, die um Mindestlöhne kämpfen. 

Aus Sicht des Verbandes ist die Partei mit ihrem Motiv veralteten Klischees aufgesessen. "Leider regiert in den Köpfen der Menschen immer noch das Bild der 'armen' Reinigungskraft", sagte Bungart.

Nicht nur vom Image her, sondern auch im Hinblick auf die geltenden Mindestlohngrenzen sieht sich die Branche falsch eingeordnet: Die SPD verspricht, einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde durchzusetzen, sollte sie mit den Grünen gemeinsam den Wahlsieg erringen. Doch für die Gebäudereiniger gilt bereits in den meisten Teilen Deutschlands seit 2013 gesetzlich ein branchenbezogener Mindestlohn von 9 Euro, lediglich in Ostdeutschland dürfen Arbeitgeber den Stundensatz für Reinigungsarbeiten innerhalb von Gebäuden bis auf 7,56 Euro drücken.

Bungart beklagt, es sei schade, dass ausgerechnet mit einem Handwerk, "das seit Jahrzehnten tarifliche Mindestlöhne und weitere allgemeinverbindliche Rahmenbedingungen hat, jetzt die Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohnes begründet wird". Die Wahlkampagne der SPD sei für die Gebäudereinigungsunternehmen und ihre Mitarbeiter "sehr unglücklich". 

Nachtrag: Die SPD-Pressestelle legt Wert auf die Feststellung, dass der auf dem Plakat abgebildete Mann ein Hausmeister ist, kein Gebäudereiniger.