17 Minister an 17 Tagen: ZEIT ONLINE bewertet die Arbeit aller Regierungsmitglieder. Was haben sie geleistet? Woran sind sie gescheitert? Täglich erscheint ein weiteres Kurzporträt unserer Ministerbilanz.

Ihr "größter Horror" sei es, "ohne Tätigkeit zu Hause zu sitzen". Das soll Johanna Wanka einmal gesagt haben. Zu Beginn des Jahres war es fast so weit. Die schwarz-gelbe Landesregierung in Niedersachsen, der die CDU-Politikerin angehörte, war gerade abgewählt. Wanka stand vor einer ungewissen Zukunft.

Dann aber trat Bundesbildungsministerin Annette Schavan zurück, weil die Uni Düsseldorf für die Aberkennung ihres Doktortitels stimmte (Schavan klagt dagegen). Und Wanka wurde ihre Nachfolgerin. Der Start der neuen Ministerin verlief nach dem Getöse um den Plagiatsfall Schavan ziemlich geräuschlos. Das liegt nicht nur daran, dass Wanka "niemand ist, der polarisiert", wie sie sich selbst beschreibt. Als langjährige Landeswissenschaftsministerin – vor Niedersachsen hatte sie das Amt seit dem Jahr 2000 in Brandenburg inne – kennt sie ihr Metier ohnehin.


Seit mehr als fünf Monaten amtiert Wanka nun, die 62-Jährige ist die dienstjüngste Ministerin im Kabinett Merkel. Eine kurze Zeit, um wirklich etwas bewegen zu können, zumal als Bundesbildungsministerin. Zwar verfügte sie im laufenden Jahr mit 13,2 Milliarden Euro über ein beachtliches Budget. Dennoch ist sie eine Herrscherin mit wenig Land. Beim Thema Schule, wo die Emotionen oft hochkochen, haben die Landesregierungen das Sagen. In der Wissenschaft kann sie ein wenig mehr gestalten, doch auch hier ringt sie mit 16 Kultus- und Wissenschaftsministern. Große Erfolge gönnten sich die politischen Lager im beginnenden Wahlkampf der vergangenen Monate da kaum.   

Mehr Geld für Studienplätze und Lehrerausbildung

Die Herausforderungen, die Wanka sich gestellt hatte, arbeitete sie gleichwohl ab. Der Hochschulpakt für mehr Studienplätze wurde um mehrere Milliarden Euro aufgestockt. Ein Scheitern hätte bedeutet, dass Tausende Studierende zu diesem Wintersemester vor verschlossenen Unitüren gestanden hätten. Auch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung bringt 500 Millionen Euro mehr für die Ausbildung und beseitigt Mobilitätshindernisse für Lehrer. 

Dass andere große bildungs- und wissenschaftspolitische Projekte vor der Wahl dagegen nicht mehr fertig würden, hatte Wanka schon bei ihrem Amtsantritt realistisch eingeschätzt. Über eine Bafög-Reform beraten Bund und Länder derzeit. Union und Sozialdemokraten konnten sich auch nicht auf eine Änderung des Grundgesetzes einigen, die dem Bund mehr Möglichkeiten bei der Finanzierung der Hochschulen geben würde. Überhaupt wird noch diskutiert, wie es langfristig mit dem deutschen Wissenschaftssystem weitergehen soll. Bald laufen Milliarden-schwere Investitionsprogramnme aus, darunter die Exzellenzinitiative, die die Unis lange in Atem hielt. Bei einem potenziellen Aufregerthema hielt sich Wanka öffentlich in den vergangenen Monaten zurück: Sie befürwortet Studiengebühren. Niedersachsen war unter ihrer Ägide das letzte Land, dass daran festhielt.     

Unter Wissenschaftlern kommt die Mathematik-Professorin und ehemalige Hochschulrektorin Wanka gut an. Der Medizinische Fakultätentag etwa war unlängst geradezu begeistert von ihrem Auftritt. Verbinden tut Wanka auch einiges mit Kanzlerin Merkel. Beide stammen aus Ostdeutschland, beide sind Naturwissenschaftlerinnen, protestantisch, mit einem Professor verheiratet. Daraus schließen politische Beobachter gerne, die beiden könnten miteinander. Gut möglich also, dass sie einem Kabinett Merkel wieder angehört. Konkurrenz aus dem eigenen Lager muss Wanka zumindest nicht fürchten. Profilierte, überregional bekannte Wissenschafts- und Bildungspolitiker gibt es in der Union außer ihr praktisch nicht mehr.