17 Minister an 17 Tagen: ZEIT ONLINE bewertet die Arbeit aller Regierungsmitglieder. Was haben sie geleistet? Woran sind sie gescheitert? Täglich erscheint ein weiteres Kurzporträt unserer Ministerbilanz.

Was war das für eine Erleichterung, als Thomas de Maizière im März 2011 das Amt des Verteidigungsministers übernahm. Endlich wieder ein Seriöser an der Spitze des Wehrressorts, nachdem über Wochen die Debatte um die Doktorarbeit von Vorgänger Karl Theodor zu Guttenberg die deutsche Öffentlichkeit gespalten hatte. Mit de Maizière wurde ein "Anti-Guttenberg" Verteidigungsminister: ein unprätentiöser Sacharbeiter, der auch von Oppositionspolitikern geschätzt wurde.

Diese Anerkennung hatte sich de Maizière als Angela Merkels Kanzleramtschef in der Großen Koalition erarbeitet und seit 2009 als Innenminister ausgebaut. De Maizière schien genau der Richtige zu sein, um die von zu Guttenberg angestoßene Bundeswehrreform zu vollenden und den Abzug aus Afghanistan zu organisieren.

Der Umbau der Bundeswehr ist ein Mammutprojekt: Die Wehrpflicht wurde zum 1. Juli 2011 ausgesetzt, die gesamte Truppe sollte von 220.000 auf höchstens 185.000 Soldaten schrumpfen und stärker auf internationale Einsätze und weniger auf Landesverteidigung ausgerichtet werden. 31 Standorte ließ de Maizière streichen, 90 weitere deutlich verkleinern. 5.000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleistende sollen das Heer der Berufssoldaten ergänzen, lautete die Zielvorgabe des Verteidigungsministers. Und er machte deutlich, wie wenig er diskutieren wollte: Wer den Strukturwandel leben wolle, werde seinen Platz finden. Wer nicht, "der hat keinen Platz".

Mehr Gewalt in Afghanistan

Zwei Jahre später ist der Unmut groß. Zwar hat de Maizière bislang genug Freiwillige für den Wehrdienst bekommen. Doch seine Leitlinie "Breite vor Tiefe", mit der die Bundeswehr trotz des Personalabbaus weiter alle wichtigen Funktionen erfüllen soll, wird in der Truppe ebenso kritisiert wie vom politischen Gegner: Die Bundesregierung habe kein sicherheitspolitisches Konzept und sich nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt, um etwa eine Arbeitsteilung bei den Verteidigungskapazitäten vorzunehmen. Der Personalabbau in der Bundeswehr ist fast am Ziel, die Stimmung unter den Soldaten aber äußerst schlecht. Dafür sind neben schlechter Kommunikation Standortwechsel, fehlende Perspektiven sowie mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Beruf verantwortlich.

Auch der Afghanistan-Einsatz bleibt ein Problem. Die Übergabe der Verantwortung an Polizei und Militär des Landes hat begonnen, bis Ende 2014 sollen alle deutschen Kampftruppen das Land verlassen haben. Doch zuletzt stieg die Gewalt, die Taliban gewinnen an Einfluss. Der Bundeswehrverband will deshalb auch nach 2014 deutsche Kampftruppen in Afghanistan lassen, das lehnt der Minister ab: Die Bundeswehr soll dann nur noch beratend und ausbildend dort im Einsatz sein, mit ausreichend Schutz natürlich.