Die Bundesanwaltschaft prüft wegen der Berichte über die Ausspähaktionen der NSA ein Verfahren wegen Spionage. Dazu wurden alle damit befassten deutschen Nachrichtendienste und die zuständigen Bundesministerien um Informationen gebeten, sagte ein Sprecher der Mitteldeutschen Zeitung. Es solle geklärt werden, "ob die Ermittlungszuständigkeit des Bundes berührt sein könnte".

Relevant für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens sei Paragraf 99 Strafgesetzbuch, sagte der Sprecher. Darin gehe es um geheimdienstliche Agententätigkeit zulasten der Bundesrepublik Deutschland. Die Prüfung der Fakten könne eine Weile dauern. Vom Ausgang dieses Verfahrens hänge ab, ob der Enthüller der Abhörpraktiken in Großbritannien und den USA, der Whistleblower Edward Snowden, von der Bundesanwaltschaft vernommen werden soll.

Von den weltweiten Daten-Sammlungen könnten auch Online-Käufer in Deutschland betroffen sein, fürchtet der Bundes-Datenschutzbeauftragte Peter Schaar. Angesichts der Enthüllungen könne es "als sicher gelten, dass die von Unternehmen erhobenen Daten und Profile auch bei staatlichen Stellen landen oder von diesen zumindest abgerufen werden können", sagte er der Welt.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht die Wertegemeinschaft mit den USA in Gefahr. Die Snowden-Enthüllungen seien "weit mehr als eine Schlapphut-Affäre von ein paar Geheimdienstfreaks", sagte er dem Darmstädter Echo. US-Geheimdienste würden 15 Millionen Mails pro Tag mitlesen, sagte Gabriel. "Ohne Anlass, ohne Kontrolle, ohne Begründung." Er erwarte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die deutsche Verfassung in Amerika zu vertreten und nicht die Interessen der US-Geheimdienste in Deutschland.