Die Anzahl an Pflegebedürftigen steigt, Milliarden werden deswegen in die Pflegeversicherung eingezahlt. Doch die Altenpflege biete zahlreiche Möglichkeiten zu Betrug und Korruption, heißt es in einer neuen Studie der Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland. Weil es zu wenige Kontrollen, zu lasche Regeln und zu viel Bürokratie gebe, böten sich für die Betreiber von Heimen und ambulanten Pflegediensten zahlreiche Wege, das System auszunutzen, teilte Transparency bei der Vorstellung der Untersuchung mit.

Als Beispiele nannte Transparency unter anderem Fälle, in denen Ärzte von Pflegediensten Honorare für die Überweisung von Patienten erhielten. Auch "verkauften" Pflegedienste lukrative Patienten an andere Pflegedienste.

Studien-Autorin Barbara Stolterfoht sagte, manche Heimbetreiber würden absichtlich weniger Fachkräfte beschäftigen als vorgeschrieben. Fliege das auf, argumentierten sie, sie fänden nicht genug Pflegekräfte. Oft werde auch Geld gemacht, indem eine Heimimmobilie überteuert an einen Betreiber vermietet werde. In anderen Fällen würden ambulante Dienste mehr Pflegeleistungen aufschreiben und abrechnen als sie tatsächlich geleistet hätten.

Gesundheitsministerium ist skeptisch

Weitere Fälle betrafen Sanitätshäuser, die an Heimleiter spendeten – um damit sicherzustellen, dass die Heimbewohner Rollatoren, orthopädische Schuhe oder sonstige Hilfsmittel aus ihrem Sanitätshaus beziehen. Zudem solle es bei der Entscheidung über die Pflegestufen vorgekommen sein, dass die zuständigen Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung ein "Kopfgeld" erhielten – wenn sie bei der Einstufung möglichst restriktiv vorgehen. Damit würden die Ausgaben der Pflegeversicherung gesenkt, wie es in der Studie weiter heißt.

Um die wirtschaftliche Ausbeutung der Abhängigkeit pflegebedürftiger Menschen zu verhindern, ist nach Aussage von Transparency eine Vielzahl von Verbesserungen notwendig – darunter eine bessere Kontrolle von Betreuern und die Einführung durchsetzbarer Mitbestimmungsrechte für Heimbewohner und Angehörige. Die sogenannten Transparenzberichte über die Pflegeheime sollten nach Forderung der Organisation künftig auf einer bundesweit einheitlichen Website veröffentlicht werden. Ferner solle ein deutschlandweites Register zu Verstößen von Heimbetreibern eingerichtet werden.

Beim Gesundheitsministerium stieß die Transparency-Studie auf Skepsis. Sie enthalte Schwächen und beschränke sich teils auf pauschale Aussagen, sagte eine Sprecherin. Die Autorinnen der Studie räumten ein, Transparency habe nicht die Mittel für eine ausführliche Erhebung. Die Untersuchung sei mit weiteren Experten verfasst worden und basiere auf Fachberichten, Fachliteratur sowie Interviews.