Einst, vor mehr als 25 Jahren, stand ein kleiner Mann mit Kleister und Papier vor einer großen Litfaßsäule und plakatierte die Parole, die Rente der Deutschen sei sicher. Heute erntet Exminister Norbert Blüm dafür regelmäßig Hohn und Spott. Allerdings nicht von mir, denn erstens erblickte ich erst eine Handvoll Jahre später die Welt und zweitens kann ich heute, als 19-Jähriger, nicht mal ansatzweise schmunzeln, wenn ich an die Rente, die Demografie und unser brüchiges System denke. Im Gegenteil, ich mache mir große Sorgen. 

Schon heute scheint klar: Mit mehr als einer staatlichen Mini-Rente brauche ich wohl nicht zu rechnen. Und damit zählte ich noch zu den Glücklichen. Die meisten aus der "Generation Praktikum" haben schon Schwierigkeiten, überhaupt einen Cent einzahlen zu können. Andere müssen oder wollen die Rentenkasse gar nicht mitfinanzieren, obwohl sie es könnten, Beamte, Ärzte und Selbstständige zum Beispiele.

Der sogenannte Generationenvertrag steht daher vor dem Scheitern. Deutschland ist das zweitälteste Land der Welt, und während die Lebenserwartung der Alten erfreulicherweise pro Jahr um zehn Wochen steigt, kommen viel zu wenige Junge nach. Aktuell finanzieren gerade mal drei Arbeitnehmer einen Rentner, in spätestens 20 Jahren werden es wohl nur noch zwei Erwerbstätige sein, und wie es in 40 oder 60 Jahren aussehen wird, kann niemand ermessen.

Die Regierung verteilt Beruhigungspillen

Das Schlimmste aber an der Sache ist: Die Politik weiß Bescheid. Sie kennt all die Probleme, scheint aber null Motivation zu haben, etwas zu ändern. Warum auch? Wir sind doch auf dem besten Weg in eine Rentner-Demokratie, in der schon bald die Rentner die größte Wählergruppe stellen, während immer mehr junge Menschen sich der Politik und somit auch dem Interesse der Politiker entziehen.

Wir werden regiert von Angsthasen, die wie Ursula von der Leyen versuchen, uns mit Beruhigungspillen wie der Mütter- oder Zuschussrente zu besänftigen. Es wäre schön, wenn endlich jemand große Schritte gehen würde, anstatt nur zwischen Opportunismus und Machtkalkül hin- und herzuhoppeln.

Ich wünsche mir von der nächsten Bundesregierung, dass sie nicht nur die Probleme benennt, sondern handelt und endlich auch diejenigen in die Kasse einzahlen lässt, die sich bisher aus dem System schleichen können. Beamte, Ärzte, Rechtsanwälte, Selbstständige, alle sollten in eine einzige Rentenkasse einzahlen. Denn wenn wir es weiter zulassen, dass ein Teil der Arbeitnehmer in einem völlig separaten System alt wird, schicken wir eine ganze Generation in die Altersarmut.