Wahlplakate sind für die meisten Menschen ein Ärgernis. Wer will schon ständig die Gesichter von Spitzenpolitikern im Großformat ansehen? Oder gestellte Bilder glücklicher Familien, eifriger Werktätiger, vom Elend geplagter Rentner?

Manchmal verwirren die Plakate auch nur. Da wirbt die SPD mit einem Bild der Kanzlerin, die in ihrer Handtasche kramt. Hat die SPD etwa eingesehen, dass Angela Merkel sowieso weiterregieren wird, und versteckt sie daher ihren eigenen, tendenziell eher unbeliebten Spitzenkandidaten?

Für solche Rätsel und Aufdringlichkeiten des Wahlkampfs hat eine Solinger Werbeagentur nun eine verblüffend einfache Lösung gefunden: Öko-Pappplakate, die sich selbst vernichten. Im feuchten Küstenland Niedersachsen wurden sie bereits erprobt. Als dort im Juli die große Flut ausbrach, perforierte Hagel zuverlässig die Bilder von Steinbrück. Den Rest erledigte der Regen.

Die von einer Genossin und Nichte des früheren Bundesfinanzministers Manfred Lahnstein erdachten Eco-Wave-Poster haben einen weiteren Vorteil: Mit den biologisch abbaubaren Werbeschildern demonstrieren die Genossen, dass sie an der Seite der Grünen stehen und nicht etwa heimlich an eine Große Koalition mit der unverrottbaren Kanzlerin und deren wetterwendischen CDU denken.

Das Problem nur: Die SPD will jetzt plötzlich von der Öko-Wunderwaffe nichts mehr wissen und daher die 400.000 Euro für die verflossenen Plakate nicht bezahlen. Dagegen beharrt Agenturchefin Silke Lahnstein darauf: Die Wahlhelfer haben die Pappen schlicht unfachgemäß aufgehängt.

Aber war von der SPD, deren gesamte Kampagne sich bislang verflüchtigt hat, etwas anderes zu erwarten? War das nicht viel eher ihr geheimer Plan: ein Pseudo-Wahlkampf, der spätestens mit den im September zu erwartenden Regengüssen im Gully landet? Und der sich alle Optionen offen hält? Immerhin: Noch mal Plakate mit Steinbrück wird die SPD nicht benötigen.