Grünen-Wahlkampf : Trittin besteht den Marktplatz-Test

In Fürth haben die Leute etwas Angst vor Jürgen Trittin. Dabei will der Grünen-Spitzenkandidat nur um Stimmen werben: Mindestens 15 Prozent ist das Ziel.

Vielleicht sind es die verschränkten Arme. Jürgen Trittin steht auf dem Platz hinter dem Fürther Rathaus, ist kaum zu übersehen: sehr groß, sehr schlank, im grauen Designeranzug. Die Arme hat er meistens vor der Brust, fast wie ein Panzer. Trittin wartet, dass die Wahlkampfveranstaltung losgeht und steht ziemlich alleine da. 

Unter den wenigen Schaulustigen sind Omas, die vom Einkaufen kommen und bloß mal gucken wollen, eine Post-Angestellte, die noch ihre blaugelbe Uniform trägt und auf einem Blumenkübel sitzt und raucht, eine junge Mutter mit zwei Kleinkindern, den Älteren an der Hand, das Baby vor die Brust geschnallt. Dazu Fürther Grüne, die ein bisschen aufgeregt sind: Denn "Trittin ist hier", wie es auf den Werbeplakaten steht, die in der Innenstadt aufgehängt sind. Mehrere Ehepaare, die nach eigenem Bekunden CSU wählen, haben auch Halt gemacht, halten aber Abstand. An Jürgen Trittin, den Spitzenkandidat der Grünen, der hier für sich werben will, traut sich keiner so recht ran.

Auch der Kandidat geht auf niemanden zu, flirtet weder mit Babys noch mit den Omas. Trittin ist kein Schulterklopfer, die Leute sollen schon zu ihm kommen. Wer es wagt, wird belohnt: Der große Trittin im schwarzen Anzug drückt Hände, lächelt sehr freundlich und lässt "natürlich" geduldig Fotos mit sich machen. Mit einem auffälligen blausilbrigen Stift setzt er außerdem seine schwungvolle Unterschrift auf Autogrammkärtchen. Kaum treten die Passanten ab, verschränkt er wieder seine Arme und blickt starr nach vorn.

Gerechtigkeit und Bildung

Es sind noch vier Wochen bis zur Landtagswahl in Bayern, fünf Wochen bis zur Bundestagswahl, Endspurt also. "Bei den Fragen soziale Gerechtigkeit, Bildung und Mindestlohn werden wir weiter zuspitzen", sagt Trittin im Gespräch mit ZEIT ONLINE, auf die Frage, womit die Grünen punkten wollen. Aber welches Wahlkampfthema am Ende dominierend sein werde, wer wisse das schon, fügt er noch hinzu.

Trittin hat ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: Mindestens 15 Prozent will er mit seiner Partei holen. Gern mehr. Schließlich brauche die schwächelnde SPD für einen Machtwechsel einen starken kleinen Koalitionspartner. Das ist seit Monaten die Story der Grünen. 

Deshalb also die "Sommertour". In dieser Woche besucht Trittin mittelgroße Städte im Süden: Fürth, Rosenheim, Konstanz. Das schöne an solchen Marktplatzauftritten sei ihre "Niedrigschwelligkeit", sagt einer von Trittins Mitarbeitern. Tatsächlich sind inzwischen mehr Menschen stehengeblieben und gucken interessiert. 150 könnten es schon sein und das zu dieser undankbaren Zeit um 14 Uhr am Dienstagnachmittag.

Der örtliche Landtagskandidat Norbert Schikora betritt als erster die kleine Bühne: "Überzeugungen sind wichtiger als Wahlprogramme. Für was wir Grünen stehen, wissen Sie", ruft er. Einige klatschen, Trittin klatscht besonders laut. In Bayern würden am 15. September "schlappe zwei Prozent Stimmen plus oder minus" darüber entscheiden, "ob die Wende gelingt", sagt Schikora. Trittin nickt heftig und ist dann selbst dran.

Sein Auftritt wird fulminant eingeleitet: "Jürgen Trittin ist der deutsche Politiker, der die Bundesrepublik mehr verändert hat, als jeder andere Nachkriegspolitiker", sagt der örtliche Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz ehrfürchtig. "Wir denken nur an die Energiewende und so."

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Kommentare

104 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Sonst noch Nachrichten von der AfD?

Ansosnten habe ich schon lange nichts mehr von diesem Wahlvorschlag gehört. Vielleicht wird er ja von den Medien totgeschwiegen? Aber mit so einer krawalligen Nachricht reicht's ja dann wieder für FAZ und Welt. Fragt sich nur, was Dichtung, was Wahrheit. "Feuer an der Garage konnte im letzten Augenblick verhindert werden." Oder fand nur in der Vorstellung des Garagenbesitzers statt.