Es geht hier nicht um die Wahl zur Miss Germany, sondern darum, die Regierung einer der wichtigsten Volkswirtschaften Europas, wenn nicht sogar der Welt zu wählen. Die derzeitigen Themen sind sehr komplex und können sehr schwer in knappen Headlines oder auf Wahlplakaten angebracht verpackt werden. 

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, sich über den Bundestagswahlkampf zu informieren. Menschen, die sich inhaltlich mit den Parteien auseinandersetzen, merken also schnell, wie spannend die Bundestagswahl eigentlich ist. Weil die Herausforderungen unseres Landes spannend sind. Ich finde es richtig, dass die SPD Themen wie die Altersarmut oder den Mindestlohn pragmatisch angeht.

In den vergangenen Wochen haben Intellektuelle und Journalisten zum Wahlboykott aufgerufen. Ich verstehe nicht, wie man so etwas als gebildeter Mensch tun kann.

Es wird diesmal eben kein Show-Wahlkampf geführt, der ist auch nicht angebracht. Wir müssen uns nicht bespaßen lassen, wir sind hier nicht im Theater. Wählen zu gehen ist die Pflicht jedes einzelnen Bürgers. Die Wahl diesmal ist richtungsweisend.

Wir stehen vor enormen, strukturellen Herausforderungen und können es endlich schaffen, eine echte Wende herbeizuführen. Wir haben demografische Probleme: Es gibt immer mehr ältere Menschen. Es herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Wir haben enorme Rentenprobleme. Die Mieten explodieren.

Die Regierung unter Angela Merkel weicht diesen Themen aus. Stattdessen spricht sie ständig darüber, was sie angeblich in Europa vorangebracht hat. Faktisch hat sie nicht einmal ein gelungenes Rezept gehabt.

Ich habe das Gefühl, dass Frau Merkel langfristige europäische Herausforderungen gerne als Ersatzprobleme darstellt, um die Menschen vom internen Versagen abzulenken. Europa ist wichtig, um so wichtiger ist, dass Deutschland keine weiteren vier Jahre Stillstand erlebt und endlich mutig und entschlossen die Probleme einsieht und in der Konsequenz angeht.

In einem Interview hat Merkel die Option einer Großen Koalition ins Gespräch gebracht. Da sieht man, dass sie sich nicht mit Problemen beschäftigt, sondern jetzt schon mit der Sesselschieberei beginnt. Hauptsache, sie bleibt Kanzlerin. Nein!

Meine Wunschkoalition wäre Rot-Grün. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich die Leute mehr mit Politik befassen und erkennen, dass nur konkrete Konzepte das Land weiterbringen können. Die vergangenen vier Jahre ist ja in keinem Segment etwas vorangekommen.

Aufgezeichnet von Elisabeth Gamperl