Serie Wahlbeobachter"Diese Wahl ist richtungsweisend"

Ist der Wahlkampf wirklich so langweilig, wie er ständig beschrieben wird? Nein, sagt unser Wahlbeobachter Amir Tehrani. Denn es stünden große Themen zur Wahl.

Amir Tehrani

Amir Tehrani  |  © Andreas Prost

Es geht hier nicht um die Wahl zur Miss Germany, sondern darum, die Regierung einer der wichtigsten Volkswirtschaften Europas, wenn nicht sogar der Welt zu wählen. Die derzeitigen Themen sind sehr komplex und können sehr schwer in knappen Headlines oder auf Wahlplakaten angebracht verpackt werden. 

Wahlbeobachter

Sie leben in Deutschland, können aber nicht wählen. Weil sie zu jung sind oder keinen deutschen Pass haben. Trotzdem haben sie natürlich Vorstellungen davon, wie sich das Land, in dem sie leben, entwickeln soll. ZEIT ONLINE hat vier dieser Menschen ausgewählt: ein Kioskbesitzer aus Berlin-Neukölln, eine spanische Journalistin, eine Schülerin und ein Unternehmer mit Flüchtlingspass erzählen. Sie sind unsere "Wahlbeobachter". In loser Folge erzählen sie, wie sie den Wahlkampf wahrnehmen.

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, sich über den Bundestagswahlkampf zu informieren. Menschen, die sich inhaltlich mit den Parteien auseinandersetzen, merken also schnell, wie spannend die Bundestagswahl eigentlich ist. Weil die Herausforderungen unseres Landes spannend sind. Ich finde es richtig, dass die SPD Themen wie die Altersarmut oder den Mindestlohn pragmatisch angeht.

Anzeige

In den vergangenen Wochen haben Intellektuelle und Journalisten zum Wahlboykott aufgerufen. Ich verstehe nicht, wie man so etwas als gebildeter Mensch tun kann.

Es wird diesmal eben kein Show-Wahlkampf geführt, der ist auch nicht angebracht. Wir müssen uns nicht bespaßen lassen, wir sind hier nicht im Theater. Wählen zu gehen ist die Pflicht jedes einzelnen Bürgers. Die Wahl diesmal ist richtungsweisend.

Amir Tehrani

lebt seit 26 Jahren mit Flüchtlingspass in Deutschland. Der gebürtige Iraner ist 32 Jahre alt und arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater.

Wir stehen vor enormen, strukturellen Herausforderungen und können es endlich schaffen, eine echte Wende herbeizuführen. Wir haben demografische Probleme: Es gibt immer mehr ältere Menschen. Es herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Wir haben enorme Rentenprobleme. Die Mieten explodieren.

Die Regierung unter Angela Merkel weicht diesen Themen aus. Stattdessen spricht sie ständig darüber, was sie angeblich in Europa vorangebracht hat. Faktisch hat sie nicht einmal ein gelungenes Rezept gehabt.

Ich habe das Gefühl, dass Frau Merkel langfristige europäische Herausforderungen gerne als Ersatzprobleme darstellt, um die Menschen vom internen Versagen abzulenken. Europa ist wichtig, um so wichtiger ist, dass Deutschland keine weiteren vier Jahre Stillstand erlebt und endlich mutig und entschlossen die Probleme einsieht und in der Konsequenz angeht.

In einem Interview hat Merkel die Option einer Großen Koalition ins Gespräch gebracht. Da sieht man, dass sie sich nicht mit Problemen beschäftigt, sondern jetzt schon mit der Sesselschieberei beginnt. Hauptsache, sie bleibt Kanzlerin. Nein!

Meine Wunschkoalition wäre Rot-Grün. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich die Leute mehr mit Politik befassen und erkennen, dass nur konkrete Konzepte das Land weiterbringen können. Die vergangenen vier Jahre ist ja in keinem Segment etwas vorangekommen.

Aufgezeichnet von Elisabeth Gamperl

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Selten ein so inhaltlosen Kommentar gelesen. Außer unbegründeter Kritik an Frau Merkel und der Hoffnung des Autors auf Rot-Grün, wieso auch immer, enthält der Kommentar keine Argumente oder Begründungen.

    Also ich halte von Merkel auch nichts, aber gerade von den nicht zu Ende gedachten Konzepten der Grünen und der nachlaufenden SPD, wie EEG, Legalisierung der Prostitution, allen möglichen Verboten sowie Steuererhöhungen halte ich noch weniger.

    8 Leserempfehlungen
    • Oyamat
    • 19. August 2013 21:54 Uhr

    Zitat: "Wir stehen vor enormen, strukturellen Herausforderungen und können es endlich schaffen, eine echte Wende herbeizuführen."

    Wir stehen in der Tat vor Herausforderungen, bzw. liegen längst vor ihnen auf den Knie, wenn nicht auf dem Bauch. Aber eine Wende zu schaffen, ist mit Politik wie dieser nicht mehr möglich.
    Die SPD hat bessere Konzepte? Na toll, umsetzen wird sie sie so oder so auch nicht. Sobald sie an der Regierung ist, wird sie genauso wirtschaftshörig sein wie eine beliebige andere Regierung - es sei denn, AfD und Piraten kriegen eine Regierungskoalition zusammen, das *könnte* tatsächlich Bewegung in die Sache bringen.

    Und:
    "In den vergangenen Wochen haben Intellektuelle und Journalisten zum Wahlboykott aufgerufen. Ich verstehe nicht, wie man so etwas als gebildeter Mensch tun kann. "
    Das kann an den erwähnten Menschen liegen - oder an einem selbst.
    Man muß Wahlverweigerung nicht gut finden. Aber wer derzeit nicht versteht, warum das eine attraktive Option ist, der hat ganz wesentliche Teile der Politik aus dem Blick verloren.

    MGv Oyamat

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • workman
    • 20. August 2013 10:29 Uhr

    Nichtwähler verkennen, daß sie nichts verändern. Cleverer wäre es ungültig zu wählen, das verändert die Prozentzahlen für die gewählten Parteien. Über Nichtwähler kann man wirklich nur lachen.

  2. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

  3. Wir entscheiden wieder mal zwischen Pest oder Cholera.

    Es wird eh so laufen, daß die Reichen immer reicher werden und die Armen werden weiter abgezockt und ausgepresst. Milliarden für die Euro Rettung und im eigenen Land wird dann gespart.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn man der Meinung ist, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, dann sollte man sich überlegen, ob die Linke nicht vielleicht eine politische Alternative für einen selbst ist. Ich halte es für falsch generell alle Politiker und Parteien schlecht zu reden. Auch die "kleineren" Parteien können an enormer politischer Bedeutung gewinnen, wenn sich genug Wähler hinter ihr versammeln. Deswegen haben wir und somit auch jeder Einzelne die Möglichkeit, aber auch die Pflicht dieses Land politisch zu gestalten. Es gibt politische Alternative für unser Land, für die Europolitik (z.B. die AfD) und für unsere Freiheit im Internet (z.B. die Piraten). Also halte ich die Aussage für falsch, dass man nur zwischen Pest und Cholera wählen kann.

  4. Wenn man der Meinung ist, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, dann sollte man sich überlegen, ob die Linke nicht vielleicht eine politische Alternative für einen selbst ist. Ich halte es für falsch generell alle Politiker und Parteien schlecht zu reden. Auch die "kleineren" Parteien können an enormer politischer Bedeutung gewinnen, wenn sich genug Wähler hinter ihr versammeln. Deswegen haben wir und somit auch jeder Einzelne die Möglichkeit, aber auch die Pflicht dieses Land politisch zu gestalten. Es gibt politische Alternative für unser Land, für die Europolitik (z.B. die AfD) und für unsere Freiheit im Internet (z.B. die Piraten). Also halte ich die Aussage für falsch, dass man nur zwischen Pest und Cholera wählen kann.

    10 Leserempfehlungen
    • Xdenker
    • 19. August 2013 23:06 Uhr

    Nicht wegen gesetzlicher Mindestlöhne - ja oder nein. Oder wegen der Rente oder "der Demografie".

    Nein, es geht um nicht weniger als die staatliche Souveränität dises Landes und seine wirtschaftliche Zukunft. Wer nicht will, dass Deutschland auf Dauer für Andere in Europa und der Welt zahlt, in seiner Entwicklung ausgebremst, politisch kalt gestellt und wirtschaftlich ausgesaugt wird, darf keine der etablierten Parteien wählen. Der Verrat an den Interessen der Bürger dieses Landes wird mit Rotgrün sogar noch größer als mit Schwarzgelb. Aber im Grunde stecken sie diesbezüglich alle unter einer Decke. Es gibt - noch - eine Alternative. Es ist zu hoffen, dass dieses Volk sie noch rechtzeitig erkennt und ergreift.

    4 Leserempfehlungen
    • tb
    • 19. August 2013 23:32 Uhr

    Lange Zeit verunglimpften deutsche Sozialdemokraten Private Equity Manager als Heuschrecken und grenzten sie bewusst aus der deutschen Unternehmenskultur aus.

    Herr Tehrani, als Anbieter von Venture Capital, Private Equity und Firmenoutsourcing, sicher selbst Opfer dieser Diskriminierung , überwindet diesen kulturellen Graben und geht offen auf ROT-Grün zu.

    Für diese Integrationsleistung gebührt ihm unser Dank.

    http://www.xing.com/profile/Amir_Tehrani4

  5. Er geht zwar nicht ins Details,muss er auch nicht,
    und das in der Tat, dies ein richtungsweisender WK ist stimmt definitiv.

    Dies haben aber scheinbar,aufgrund der Artikel in den Medien noch nicht einmal die Protagonisten verstanden.
    Sollte Ihre Wunschkoalition zustande kommen, könnte man zwar befürchten,das dieser das üble "Vergnügen" bevorsteht,die Rechnungen der derzeitigen Legislaturperiode zu offenbaren,
    Das ist idR. das übliche Verhalten dieser Regierungsparteien, nämlich immer jemanden zu finden der für ihren Schmarrn den Kopf hinhält.
    Bin aber im Grunde optimistisch,das wenn der Souverän so entschieden haben sollte,
    er idL. ist, dies bei der nächsten Wahl zu honorieren.

    Ich bin nur dann enttäuscht, wenn die Wahlbeteiligung höher ist als leider normal und SchwatzGeld gewinnt;
    auch enttäuscht wäre ich, wenn es möglich wäre,eine Koalition zu bilden, bei der keine der derzeitigen Regierungsparteien dabei ist,

    und dies nicht von SPD und Bündnis90/Grüne wenigstens ernsthaft sondiert wird.

    Geht eine dieser in eine Koalition mit der CDU,weil die FDP nicht drin ist, sehe ich schwarz für Links von der Mitte, und das obwohl die Grünen dann noch am ehesten geeignet wären.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service