Was bedeutet es für die Politik, dass die Wähler immer älter werden? Bei der Bundestagswahl wird erstmals mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten (52,4 Prozent) über 50 Jahre alt sein, 20,1 Prozent sogar über 70. Dem stehen nur 16,1 Prozent potenzielle Wähler unter 30 Jahren gegenüber. Die Jungen geraten zunehmend in die Minderheit. "Für Menschen unter 40 kann sich das Leben anfühlen wie ein immerwährendes Auswärtsspiel", schrieb die ZEIT-Autorin Anita Blasberg in ihrem viel beachteten Text über die Macht der sogenannten Babyboomer, der Menschen zwischen 45 und 60 Jahren. Wie geht die Politik damit um? Kümmert sie sich noch ausreichend für Zukunft und Jugend, wenn die Mehrheit ihrer Wähler doch so alt ist? Das war das Thema des dritten Deutschland-Duells von ZEIT ONLINE und Handelsblatt am Dienstagabend in der ZEIT ONLINE-Redaktion in Berlin. Auf dem Podium: die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Katharina Nocun und der Bundesvorsitzende der Jusos Sascha Vogt.

Die Piraten-Politikerin Nocun, 27 Jahre alt, hat in einem Gastbeitrag für ZEIT ONLINE beklagt: "Meine Generation hat keine Lobby." Bildung, Berufseinstieg, all das werde von den alten Parteien vernachlässigt. Auch das Rentensystem hat sie in seiner jetzigen Form aufgegeben. "Ich fühle mich manchmal, als ob unsere Eltern eine Party gefeiert hätten und wir müssten nun aufräumen."

Wie aber sollte eine Politik aussehen, die sich wieder mehr um Junge kümmert? So wie die der SPD? Juso-Chef Vogt (33) sagt: "Ich bin gerade sehr zufrieden mit dem, was im Wahlprogramm verankert worden ist." Aber auch er sagt: "In den Kommunen passiert es dann schon manchmal, dass lieber das Jugendzentrum als das Schützenheim dichtgemacht wird."

Hinzukommt, dass vielen jungen Menschen die alten Parteien fremd, starr und langweilig erscheinen. Ihr politisches Engagement verlagert sich ins Internet oder bricht nur bei einzelnen Themen kurz aus – um dann wieder zu verschwinden. Was viele ältere Beobachter als Politikverdrossenheit der Jungen geißeln, ist eher eine Parteienverdrossenheit. Wie aber kann es gelingen, Parteien und Jugend wieder mehr zusammenzubringen?

Die Diskussion dazu auf Twitter können Sie unter dem Hashtag #DDuell nachlesen.