Die Republik ist seit gestern noch schwärzer als sie ohnehin schon war. Die CDU eroberte 236 der 299 Wahlkreise. Nur in NRW, in Hessen, in Niederachsen und in Brandenburg gibt es noch einzelne rote Flecken auf der Landkarte.

Die CDU hat in allen Bundesländern deutlich zugelegt, wie die Wahlanalyse von infratest dimap ergibt, die ZEIT ONLINE vorliegt. Die stärksten Zuwächse im Vergleich zu 2009 verzeichnete sie bei den Zweitstimmen in Baden-Württemberg (plus 11,2 Prozentpunkte), Brandenburg (plus 11,2) und Sachsen-Anhalt (plus 11,1). Am schwächsten war der Zuwachs in Hamburg (plus 4,3).

Aber die CDU wuchs nicht nur in allen Regionen, sondern auch in allen Altersgruppen und sozialen Schichten. Am stärksten steigerte sich die Zustimmung bei den 35- bis 44-Jährigen. Den geringsten Rückhalt hat sie unter Erstwählern (31 Prozent). Allerdings ist auch das ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten. Die Union ist damit nicht nur die Partei der Rentner, sondern auch Erstwählerpartei Nummer eins. Die SPD, lange Jahrzehnte die Jungwählerpartei schlechthin in Deutschland, kommt in dieser Altersgruppe nur auf 24 Prozent, trotz leichter Zuwächse. 

Ähnliches bei den Frauen: Früher waren sie mal eine Bastion für die Sozialdemokraten. Inzwischen ist die Merkel-Partei klar die Frauen-Partei Nummer eins in Deutschland. 44 Prozent der Frauen haben CDU gewählt, nur 39 Prozent der Männer. Die SPD hingegen war bei den Männern leicht populärer (27 zu 25 Prozent). 

Union bleibt Deutschlands größte Arbeiterpartei

Die SPD konnte ihre größten Zuwächse bei jungen Männern und Angestellten erzielen. Bei den Arbeitslosen wurde sie knapp stärkste Partei. Auch die Linke hat ihren stärksten Rückhalt bei den Arbeitslosen, sie kommt hier auf 23 Prozent. Die größte Arbeiterpartei in Deutschland ist und bleibt aber die Union – und das mit deutlichem Abstand.

Die FDP hingegen ist überall eingebrochen, in allen Regionen, Alter- und Berufsgruppen. Die größten Verluste verzeichnete sie in ihrem Stammland Baden-Württemberg (minus 12,6 Prozentpunkte), aber auch in Hessen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Rheinland-Pfalz verlor sie zweistellig. Auch in allen Bevölkerungsgruppen büßte sie Stimmen ein, am stärksten bei den Über-60-Jährigen und bei den Männern. Markant auch der Einbruch bei den Selbstständigen: Nur noch zehn Prozent dieser Kernklientel wählte FDP. 2009 waren es noch 26 Prozent gewesen.  

AfD in sieben Bundesländern über fünf Prozent

Anders als die FDP ist die AfD vor allem eine Partei der Jungen: Hätten nur Menschen unter 60 gestern gewählt, dann hätten es die Eurokritiker in den Bundestag geschafft. Bei den Senioren wählten sie aber nur drei Prozent. Ansonsten schnitt die AfD stärker bei den Männern (sechs Prozent) als bei den Frauen (vier Prozent) ab. Unterdurchschnittlich war ihr Ergebnis bei den Arbeitslosen und formal Niedriggebildeten. Ihre Hochburgen sind die süd- und ostdeutschen Bundesländer. In insgesamt sieben Ländern schaffte sie den Sprung über die Fünfprozenthürde.

Die Linke büßte in allen Bundesländern ein, besonders deutlich in ihren Hochburgen in Ostdeutschland. Dennoch aber erzielte sie dort durchweg zweistellige Ergebnisse über 20 Prozent. In Bayern und Baden-Württemberg hingegen blieb sie unter der 5-Prozent-Hürde. Insgesamt lässt sich beobachten, dass sich das Wahlverhalten von West und Ost weiter angenähert hat.

Markant auch, dass es zwar parlamentarisch eine linke Mehrheit im Bundestag gibt, nicht aber, wenn man das komplette Wahlergebnis betrachtet. Rechnet man die beiden knapp gescheiterten Parteien, FDP und AfD, zur Union hinzu, kommt man tatsächlich auf eine satte Mehrheit des bürgerlich-konservativen Lagers in Deutschland.