Strahlende Siegerin: Angela Merkel © Michael Kappeler/dpa

Mehr als 40 Prozent. Das ist nicht nur ein Wahlsieg. Das ist eine Demonstration der Macht. Die Macht hat einen Namen: Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin hat alle in die Schranken verwiesen, die in den vergangenen acht Jahren an ihrer Herrschaftsmethode gezweifelt haben: die Oppositionsparteien, die aufgebrochen waren, ihr das Amt zu entreißen. Die Liberalen, die ihrer zweiten Regierung mit ihren ewigen Quengeleien und  Unprofessionalitäten den Geruch des Unseriösen angehängt hatten. Die CSU, die nach ihrem absoluten Wahlsieg in Bayern am vergangenen Sonntag gegen die vermeintlich geschwächte Schwesterpartei meinte, auftrumpfen zu können.

Auch die öffentlichen Kritiker, die ihr vorgehalten hatten, Wahlen nicht aus eigener Kraft gewinnen zu können, weil die CDU 2005 und 2009 gegen das jeweils vorangegangene Ergebnis verloren hatte.

Ohne Partner geht es nicht

Das Programm, mit dem Merkel diese Wahl gewonnen hat und das sie über ihre dritte Kanzlerschaft stellt, goss sie am Wahlabend in vier Worte: "Erfolgreiche Jahre für Deutschland". Mehr braucht es nicht. Deutschland geht es gut. Nach sechs Jahren der Krise ist der Stand der Beschäftigung so hoch wie nie zuvor, die Sozialkassen sind randvoll, die Steuereinnahmen sprudeln. In einem Land, dessen Klima geprägt ist vom Wunsch nach Stabilität und Besitzstandswahrung, ist ein "Weiter so" offenbar das beste Programm, das eine Regierungschefin den Bürgern vorlegen kann.

Allerdings wird es ein einfaches "Weiter so" nicht geben. So groß die Freude über den Wahlsieg sein mag, am Ende fehlt es an Sitzen im Bundestag. Merkel braucht einen Partner, um regieren zu können: die SPD oder die Grünen. Beide waren während des Wahlkampfs erklärte Gegner, beide haben gewichtige Gründe, sich nicht auf ein solches Bündnis einzulassen. Beide könnten es dennoch tun.

Der stärkere, aber auch gefährlichere Partner wären die Sozialdemokraten. Sie haben ihre eigenen Erfahrungen mit Merkel gemacht. Die Große Koalition von 2005 bis 2009 ist ihnen nicht gut bekommen. Doch sie sind regierungserfahren, im Bundesrat können sie reichlichen Einfluss entfalten und sie könnten sich darauf stützen, dass die Bürger sich nichts so sehr wünschen wie ein neues schwarz-rotes Bündnis.

Auch für die Verhandlung der wichtigsten politischen Frage der kommenden Jahre wäre die SPD der richtige Partner: Wie halten wir's mit Europa? Traditionell sind die Sozialdemokraten internationalistischer gesinnt als die Union. Würden sie an der Regierung beteiligt, wäre der merkelsche Austeritätskurs beendet.