Die SPD macht im Wahlkampfendspurt Boden gut, die Grünen verlieren weiter an Zustimmung: Laut einer Forsa-Umfrage gewannen die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte und liegen nun bei 25 Prozent. Die Grünen gaben zwei Punkte ab und erreichen neun Prozent. Zum ersten Mal seit Mai 2009 rutscht die Partei in der Umfrage unter zehn Prozent. 

Union und FDP haben nach der Umfrage anderthalb Wochen vor der Bundestagswahl einen hauchdünnen Vorsprung vor den Oppositionsparteien. Die Union kommt auf auf 39 Prozent (minus einen Punkt) und die FDP auf sechs Prozent (plus einen Punkt). Schwarz-Gelb erreicht damit 45 Prozent. Die Linke verbessert sich um einen Punkt auf 10 Prozent. Rot-Rot-Grün kommt damit auf 44 Prozent.

Die großen Meinungsforschungsinstitute hatten die Grünen noch im Juli bei bis zu 15 Prozent gesehen. 2011 wurde die Partei angesichts der Fukushima-Katastrophe und der Debatte um die Atomkraft in der Wählergunst noch höher eingeschätzt.

Der Abwärtstrend der Grünen in den Umfragen zur Bundestagswahl ist seit Wochen erkennbar. Forsa-Chef Manfred Güllner nannte strategische Fehler im Bundestagswahlkampf als Grund für das Abrutschen. So passe das Thema soziale Gerechtigkeit nicht zu der Partei. Zudem mache ihr die Debatte über Pädophilie, den Vegetarier-Tag und die geplanten Steuererhöhungen zu schaffen. Sie sei nun auf ihre Kernwählerschaft zurückgefallen.   

Al-Wazir spricht von kommunikativem Problem der Grünen

Der hessische Grünen-Vorsitzende Tarek Al-Wazir sieht Probleme bei der Vermittlung der Steuerpolitik seiner Partei. Zu den grünen Plänen, die Einkommensteuer für Spitzenverdiener zu erhöhen und eine Vermögenssteuer einzuführen, sagte er der Frankfurter Rundschau: "Viele Menschen denken, sie seien betroffen, die es gar nicht sind. Das ist sicher ein kommunikatives Problem." Wenn ein Drittel der Leute glaube, "dass sie zu den oberen sieben Prozent gehören, dann stimmt irgendetwas nicht".

Al-Wazir zeigte sich zuversichtlich, dass es den Grünen gelinge klarzumachen: "Wir machen das nicht, um Leute zu quälen." Die Grünen wollten ehrliche Antworten auf die Frage geben, woher das Geld kommen soll, um Schulden zurückzuzahlen, um Infrastruktur zu finanzieren und zukünftige Aufgaben anzugehen, etwa bessere Bildungspolitik. In Hessen wird am Tag der Bundestagswahl, dem 22. September, ein neuer Landtag gewählt.

Ergebnis der AfD schwer einzuschätzen

Die Euro-kritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) fällt um einen Punkt auf drei Prozent. Güllner sagte dem Stern, es sei schwer einzuschätzen, ob die AfD den Sprung ins Parlament schafft – "auch weil viele ihrer Anhänger jegliche Auskunft verweigern". Doch es spreche viel dafür, dass die AfD unter fünf Prozent bleibe. Drei Prozent erreicht der Umfrage zufolge auch die Piraten-Partei.

Das Forsa-Institut befragte im Auftrag der Zeitschrift Stern und des Senders RTL zwischen dem 3. und 9. September 2.500 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus 2,5 Prozentpunkte. 28 Prozent der Bürger wollen laut Forsa nicht an der Wahl teilnehmen oder sind noch unentschlossen.