WahlentscheidungVergesst die Umfragen!

Taktisches Wählen ist okay. Aber niemand sollte sich durch fragwürdige Last-Minute-Erhebungen beeinflussen lassen. Ein Kommentar von 

Jeder Bürger ist frei darin, ob und welche Partei er am Sonntag wählt und weshalb. Legitim ist es, sich taktisch zu entscheiden, also zum Beispiel zu überlegen, von welcher Koalition man künftig regiert werden möchte, und danach die Stimmabgabe auszurichten. Genauso ist es legitim, wenn Parteien wie jetzt wieder die FDP genau auf solche taktischen Wähler setzen.

Falsch wäre es jedoch, wenn Wähler sich dem Amazon-Prinzip ergäben: "So und so viele wollen die Partei X ankreuzen, also entscheiden Sie sich auch für sie (oder eine andere)!" Deshalb sollten Sie sich nicht von Umfragen abhängig machen, die den Eindruck erwecken, das Ergebnis stehe schon mehr oder weniger fest, obwohl sie nur eine Momentaufnahme darstellen. Das gilt erst recht für die Erhebungen, die das ZDF entgegen bisheriger Gewohnheit drei Tage vor der Wahl veröffentlicht hat, oder die der Bild am Sonntag am Wahltag.

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Wer klug ist, ignoriert sie einfach, genauso wie Vorhersagen der Medien. Denn die Wahlentscheidung sollte sich nicht danach richten, ob eine Partei wahrscheinlich "genug" oder "zu wenig" Stimmen bekommt, sondern alleine nach der persönlichen Abwägung.

Ludwig Greven
Ludwig Greven

ist Politik-Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die kann ruhig auch kurzfristig und aus dem Bauch heraus erfolgen. So wie im Supermarkt. Auch dort müssen wir oft zwischen ähnlichen Produkten wählen. Nur die wenigsten achten dabei auf das Kleingedruckten auf dem Etikett. Die meisten greifen entweder immer zur selben Marke oder sie folgen den Versprechungen der Werbung. Erst hinterher merken sie, ob sie sich richtig entschieden haben.

Ähnlich ist es bei einer Wahl. Schlauer sind wir erst, wenn wir am Sonntagabend das Ergebnis kennen, das sich aus den Einzelentscheidungen von Millionen Wählern zusammensetzt. Das Schöne dabei: Jede Stimme zählt, aber auf die einzelne Stimme kommt es nicht an – nur in der Summe. Niemand muss sich also grämen, wenn er "falsch" gelegen hat. Und: Spätestens in vier Jahren gibt es die nächste Bundestagswahl. Dann kann man sich neu entscheiden.

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Leserkommentare
    • doof
    • 20. September 2013 19:42 Uhr

    vor allem die Platzierung dieses Artikels zwischen Sitzverteilungsgemälde und Säulendiagramm der neuesten Umfrageergebnisse und der Meldung:

    "Letzte UmfragenEs wird knapp für Schwarz-Gelb

    Zwei Tage vor der Wahl zeichnen drei Umfragen ein letztes Stimmungsbild. Es könnte äußerst knapp werden am Sonntag, in einer Umfrage liegt Schwarz-Gelb hauchdünn vorn."

    ....

    15 Leserempfehlungen
    • doch40
    • 20. September 2013 19:45 Uhr

    Monatelang beteiligt sich die ZEIT umsatzlüsternd an den Wasserstandsmeldung zur Bundestagswahl und jetzt kommt die Überschrift "Vergesst die Umfragen". Wer auf diese Verkaufstaktiken der Presse hereinfällt und Ihren Kommentar, Herr Greven, ernst nimmt, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

    26 Leserempfehlungen
    • doch40
    • 20. September 2013 19:47 Uhr

    Kaufen Sie den Politzirkus DIE ZEIT. Einen größeren Unterhaltungswert bekommen Sie nicht einmal bei der Wiederholung einer Volksmusiksendung aus den 80er Jahren.

    5 Leserempfehlungen
  1. könnten Sie vielleicht bei der ZON-Redaktion darauf einwirken, dass diese nervigen Umfragediagramme oben rechts von Start- und Artikelseiten wieder verschwinden?
    Vielen Dank.

    21 Leserempfehlungen
  2. laßt uns alle am 22.09.

    -den verstand nutzen, oder
    -das bauchgefühl, oder
    -den wahl-o-mat zur hilfe nehmen bevor wir das kreuzchen machen, aber

    => lasst uns möglichst alle wählen; das ist für eine funktionierende demokratie unerläßlich und es gibt immer alternativen, die besser sind als nichtwählen.

    jede partei, die neue/andere themen in diesen unseren bundestag einbringen sind allemale besser als eine alternativelos politik.

    4 Leserempfehlungen
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    • doch40
    • 20. September 2013 20:15 Uhr

    Den Imperativ Kants mit Ihrer Einschätzung, das jede neue/andere Themen in den Bundestag zu bringen, allemeal besser sei, als eine alternativlose Politik, ist nicht nur gewagt, Kant hätte sie vermutlich aus dem Höhrsaal eigenhändig geprügelt.
    Sie wollen die AfD mit dem Begriff der Vernunft verknüpfen, dabei sind Sie vermutlich einer von jenen Unmüdigen, die noch Vormünder (Herrn Lucke?) brauchen.
    Im Bundestag sitzen Parteien, die unterschiedliche politische Angebote formuliert haben. Die Auswahl innerhalb des Bundestages und außerhalb ist groß. Den im Bundestag vertretenden Parteien eine Art außerparlamentarische Opposition entgegenzustellen, als handele es sich im Bundestag um einen monoliten Block, ist lächerlich.

    • Agorist
    • 21. September 2013 0:10 Uhr

    denn jeder Wähler billigt durch seine Wahlbeteiligung das System als solches, macht sich also mitverantwortlich für das System als solches, und damit auch für die staatlichen Verbrechen, die die Regierung (egal welche) in den nächsten Jahren sicherlich wieder begehen werden.

    Verbrechen? Ja, Verbrechen. Damit meine ich nicht nur die offensichtlichen, wie den Afghanistan-Krieg und die Unterstützung syrischer Al Qaida-Terroristen. Damit meine ich auch das Einsperren von Drogennutzern - also Menschen, die, wenn überhaupt, nur sich selbst schädigen, und die einzusperren deshalb ein Verbrechen ist. Und vieles andere mehr.

  3. Wir können sie nicht vergessen, Herr Greven, weil man von allen Medien jetzt minutenaktuell (es darf gelacht werden) mit dem Blödsinn zugemüllt wird, ZEIT online vorne mit dabei.

    Umfragen - man kann es nicht mehr sehen.
    Alles Geldmacherei für irgendwelche Medienmenschen, die halt "irgendwas mit Medien" machen und wieder 2000 arme Bundesbürger am Telefon zwangsbelästigt haben.

    Und derartige "Aufrufe" zur Wahl wie von der Familie Haub sollten in einer Demokratie unter Strafe stehen (http://www.spiegel.de/wir...). Noch deutlicher kann man es echt nicht machen, wem das Land eigentlich gehört oder nach Meinung derartiger Menschen gehören sollte, das ist mal völlig widerlich!

    Komplettes Medienverbot für manipulatives Zeug dieser Art vier Wochen vor einer großen Wahl, das wäre meine Forderung. Aber am Sonntag darf nicht mal einer exit polls twittern, denn das wäre ja Wählerbeeinflußung.
    Total lächerlich!

    Die deutsche Gesetzgebung ist auch hier noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Entweder halten alle ab einem bestimmten Zeitpunkt die Klappe oder eben auch am Wahlsonntag nicht.

    9 Leserempfehlungen
    • doof
    • 20. September 2013 20:11 Uhr

    das ist ja die richtige Partei, von Manipulationen zu sprechen - immerhin waren sie es, die Überfälle und BRandanschläge behaupteten, die nicht oder anders stattfanden und damit öffentliche Meinung ("Wiemarer Verhältnisse") zu manipulieren suchten.

    Aber, das allerbeste zum Schluss:
    Die AfD hat tatsächlich einen Argumentationsleitfaden (1.0) für die Bundestagswahl herausgebracht!
    Das ist super - hier kann man sehen, wieviel Vertrauen und Zutrauen die Parteiführung in ihre eigenen Mitglieder hat - soviel zu Basisdemokratie und Mitbestimmung.
    Da taucht einem doch glatt der Gedanke auf, unkritisches Mitlaufen und scheint dann auch die einzige Kompetenz zu sein, die der Partei an ihren Anhängern lieb ist - siehe schon der Ablauf des Gründungsparteitages.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Manipulation"
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    • doof
    • 20. September 2013 20:12 Uhr

    "Weimar" dann ist der AfD auch eigentlich zu modern, sie wünschen sich eher ins Kaiserreich zurück ....

    ... ist doch fast das selbe ...

    http://www.zeit.de/politi...

    [Mir geht es nicht darum, die Sch...angreifer zu verteidigen. Solche Angriffe sind widerwärtig, rücksichtslos und antidemokratisch. Mir geht es darum, dass die AfD die tatsächliche Tat durch "Ausschmückungen", oder sagen wir besser durch Lügen zu Hetze und Wahlkampfzwecken ausschlachtet.]

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte FDP | ZDF | Medien | Bundestagswahl | Umfrage | Wahl
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