615,2 Milliarden Euro an Steuern wird Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich einnehmen– so viel wie noch nie. Das hat die aktuelle Steuerschätzung ergeben. Trotzdem klagen Kommunen über leere Kassen und die Schulen und Universitäten über schlechte Ausstattung. Braucht es also höhere Steuern? Und wer soll sie bezahlen? Die Reichen oder die Mittelschicht? Die Frage, welche Steuern die richtigen sind und wie hoch sie sein sollten, ist eine zentrale in diesem Bundestagswahlkampf. 

"Einfach, niedrig und gerecht" sollte das Steuersystem sein, mit dem die FDP vor vier Jahren die Wähler lockte. Durchsetzen konnte die Partei davon nicht viel. Auch in diesem Wahlkampf werben die Liberalen mit niedrigeren Steuern: Sie wollen den Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Einkommenssteuer abschaffen. Die FDP ist überzeugt davon, dass niedrigere Steuern für alle gerechter sind. 

Mit dem exakt gegenteiligen Wahlversprechen sind die Grünen in den Wahlkampf gezogen. Sie wollen, dass die Wohlhabenden mehr Steuern zahlen. Die Partei will den Spitzensteuersatz von derzeit 42 auf 49 Prozent anheben und das schon ab einem Bruttoeinkommen von 80.000 Euro im Jahr. Sie will außerdem eine befristete Vermögensabgabe einführen. Das Ehegattensplitting soll abgeschafft und jeder Ehepartner individuell besteuert werden. Wenn Wohlhabende mehr Steuern bezahlen, dann kann mehr Geld in öffentliche Einrichtungen fließen, die Schulen saniert werden, sagen die Grünen. 90 Prozent der Bürger seien von ihren Erhöhungsplänen gar nicht betroffen.  

Debatte - DeutschlandDuell Nr. 4 in voller Länge: Steuern rauf oder runter?

Die FDP hält davon nicht viel. Das Steuerkonzept der Grünen treffe vor allem die Mittelschicht, sei ungerecht, verhindere private Investitionen und gefährde Arbeitsplätze, glaubt die Partei.

Was schafft nun also mehr Gerechtigkeit: hohe oder niedrige Steuern? Darüber diskutierten Lisa Paus (Grüne), Obfrau im Finanzausschuss des Bundestages und Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, am Mittwoch um 18.00 Uhr bei ZEIT ONLINE. Die Debatte zwischen Paus und Lindner war der vierte und damit letzte Teil der Serie DeutschlandDuell, die ZEIT ONLINE zusammen mit Handelsblatt Online veranstaltete. 

Bisher diskutierten Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) mit dem Umweltminister Schleswig-Holsteins, Robert Habeck (Grüne), über die Energiewende, der Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, mit dem CDU-Finanzexperten Ralph Brinkhaus über den Euro und Katharina Nocun (Piraten) mit dem Juso-Chef Sascha Vogt (SPD) über Politik für junge Menschen.

Der Debatte können Sie auch auf Twitter @hb_VorOrt  und unter dem Hashtag #DDuell folgen.