In München besetzen derzeit etwa 45 Flüchtlinge das Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Im Juni verweigerten Flüchtlinge mitten in der Münchner Innenstadt fünf Tage lang Essen und Trinken und auf Hamburger Straßen campierten im Sommer Afrikaner, die aus Lampedusa kamen. Nie zuvor gab es so viele Flüchtlingsproteste wie in den vergangen eineinhalb Jahren. Flüchtlinge sind selbstbewusster geworden, radikaler, lauter. Erfolg haben sie damit kaum.

 

Wer den Hungerstreik auf dem Münchner Rindermarkt im Juni dieses Jahres beobachtet hat, sah, wie entschlossen die Protestierenden waren – hauptsächlich junge Männer zwischen 20 und 30, vor allem aus Afrika und dem Nahen Osten. Die meisten von ihnen haben studiert, sprechen fließend Englisch und argumentierten selbstbewusst: "Wir sind hier, weil eure Regierungen die Diktatoren in unseren Ländern unterstützen. Weil wir in unseren Heimatländern mit Waffen bedroht werden, die eure Regierungen exportieren." 

Mehr Elan durch neue Medien

Viele von ihnen waren in ihren Heimatländern politisch aktiv und haben eine genaue Vorstellung von Freiheit und Menschenrechten. Sie nennen sich Non-Citizens, "Nicht-Bürger", und fordern eine andere Asylpolitik: Sie wollen nicht mehr in Lagern leben müssen, wollen selbst entscheiden, was sie essen und keine fertigen Nahrungspakete mehr vorgesetzt bekommen. Sie wollen arbeiten und sich frei bewegen dürfen.   

"Flüchtlingsproteste über verschiedene Nationalitäten hinweg sind nicht neu", sagt Karl Kopp von ProAsyl und nennt unter anderem die Protestmärsche Anfang der 1990er Jahre, als in Folge der Wiedervereinigung ein Teil der bundesrepublikanischen Flüchtlinge auf die neuen Bundesländer aufgeteilt werden sollten. Neu ist, sagt Kopp, dass die Demonstranten untereinander so stark vernetzt sind. "Durch das Internet können die Asylsuchenden sich heute leichter darüber austauschen, wie es ihnen geht und wie sie leben. Sie bloggen, verbreiten Videos über YouTube und kommen untereinander schneller in Kontakt. Das vereint sie und ermutigt sie, gegen ihr Leben hier zu rebellieren."      

Auch die Flüchtlinge, die derzeit das Münchner DGB-Haus besetzen und zuvor zwei Wochen durch Bayern gelaufen sind, bloggen aktuell über ihre Situation. Regelmäßig verschicken sie Statements und Fotos über einen E-Mail-Verteiler. Die Flüchtlinge, die seit über einem Jahr den Oranienplatz in Kreuzberg besetzen, twittern mit eigenem Account.