Flüchtlingsbewegung in DeutschlandRadikaler, lauter, aber kaum gehört

Hungerstreik, Protestmarsch, Platzbesetzungen – Flüchtlinge sind selbstbewusster und vernetzter als früher. Bisher haben sie jedoch nur kleine Erfolge. von 

Im Juni dieses Jahres traten Flüchtlinge in München in den trockenen Hungerstreik. Fünf Tage lang verweigerten sie Essen und Trinken, dann räumte die Polizei das Camp.

Im Juni dieses Jahres traten Flüchtlinge in München in den trockenen Hungerstreik. Fünf Tage lang verweigerten sie Essen und Trinken, dann räumte die Polizei das Camp.  |  © Andreas Gebert/dpa

In München besetzen derzeit etwa 45 Flüchtlinge das Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Im Juni verweigerten Flüchtlinge mitten in der Münchner Innenstadt fünf Tage lang Essen und Trinken und auf Hamburger Straßen campierten im Sommer Afrikaner, die aus Lampedusa kamen. Nie zuvor gab es so viele Flüchtlingsproteste wie in den vergangen eineinhalb Jahren. Flüchtlinge sind selbstbewusster geworden, radikaler, lauter. Erfolg haben sie damit kaum.

 

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Wer den Hungerstreik auf dem Münchner Rindermarkt im Juni dieses Jahres beobachtet hat, sah, wie entschlossen die Protestierenden waren – hauptsächlich junge Männer zwischen 20 und 30, vor allem aus Afrika und dem Nahen Osten. Die meisten von ihnen haben studiert, sprechen fließend Englisch und argumentierten selbstbewusst: "Wir sind hier, weil eure Regierungen die Diktatoren in unseren Ländern unterstützen. Weil wir in unseren Heimatländern mit Waffen bedroht werden, die eure Regierungen exportieren." 

Mehr Elan durch neue Medien

Viele von ihnen waren in ihren Heimatländern politisch aktiv und haben eine genaue Vorstellung von Freiheit und Menschenrechten. Sie nennen sich Non-Citizens, "Nicht-Bürger", und fordern eine andere Asylpolitik: Sie wollen nicht mehr in Lagern leben müssen, wollen selbst entscheiden, was sie essen und keine fertigen Nahrungspakete mehr vorgesetzt bekommen. Sie wollen arbeiten und sich frei bewegen dürfen.   

"Flüchtlingsproteste über verschiedene Nationalitäten hinweg sind nicht neu", sagt Karl Kopp von ProAsyl und nennt unter anderem die Protestmärsche Anfang der 1990er Jahre, als in Folge der Wiedervereinigung ein Teil der bundesrepublikanischen Flüchtlinge auf die neuen Bundesländer aufgeteilt werden sollten. Neu ist, sagt Kopp, dass die Demonstranten untereinander so stark vernetzt sind. "Durch das Internet können die Asylsuchenden sich heute leichter darüber austauschen, wie es ihnen geht und wie sie leben. Sie bloggen, verbreiten Videos über YouTube und kommen untereinander schneller in Kontakt. Das vereint sie und ermutigt sie, gegen ihr Leben hier zu rebellieren."      

Auch die Flüchtlinge, die derzeit das Münchner DGB-Haus besetzen und zuvor zwei Wochen durch Bayern gelaufen sind, bloggen aktuell über ihre Situation. Regelmäßig verschicken sie Statements und Fotos über einen E-Mail-Verteiler. Die Flüchtlinge, die seit über einem Jahr den Oranienplatz in Kreuzberg besetzen, twittern mit eigenem Account.

Leserkommentare
  1. Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Ich bin grundsätzlich mit der deutsche Asylpolitik zufrieden. Aus meiner Sicht sind nur die langen Verfahren zu beanstanden. Für die Forderungen der Flüchtlinge habe ich nur teilweise Verständnis.

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    Aha, sie kennen sich also im Deutschen Ayslverfahren aus? Oder haben sie so ihre "Vorstellungen" vom Deutschen Asylverfahren und leiten aus ihren Vorestellungen ihre Meinung über das Verfahren und über die Asylanten ab?

    ...sind die langen Verfahren. Die kommen zustande, weil unsere Infrastruktur nicht für einen solchen Massenbetrieb ausgelegt ist.

    Und dann müßte auch nach einer Ablehnung konsequent abgeschoben werden.

    Wenn dies ordentlich funktionieren würde, hätte die Asylthematik eine andere Akzeptanz in der Bevölkerung.

    ist zu sanft.

  2. ...für die Interessen von jemandem im Hintergrund.
    Flüchtlinge drucken keine korrekt geschriebenen Zettel auf Deutsch aus und rennen damit in der Stadt rum.

    Außerdem bin ich zu müde mich für die Probleme von Flüchtlingen zu begeistern, wenn die Probleme der Mitmenschen um mich rum einen schon auffressen. Der eine hat Luxusautos und ein Haus, der Andere hat trotz Vollzeitjob so viel wie mit Hartz4 und wird noch weniger haben wenn man sich billige Arbeitskräfte aus dem Ausland holt, die den Stundenlohn bestimmen.

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    "Flüchtlinge drucken keine korrekt geschriebenen Zettel auf Deutsch aus und rennen damit in der Stadt rum."

    Das ist ein rassistisches Vorurteil. Sie unterstellen dass Ausländer und Asylbewerber natürlich ungebildet und dumm sein müssen, ist ja klar.
    Falls die Zettel jemand anderes für die Flüchtlinge geschrieben hat, wäre dies kein Missbrauch sondern Unterstützung und Hilfe zur Erreichung ihrer Ziele.

    "Außerdem bin ich zu müde mich für die Probleme von Flüchtlingen zu begeistern, wenn die Probleme der Mitmenschen um mich rum einen schon auffressen. Der eine hat Luxusautos und ein Haus, der Andere hat trotz Vollzeitjob so viel wie mit Hartz4 und wird noch weniger haben wenn man sich billige Arbeitskräfte aus dem Ausland holt, die den Stundenlohn bestimmen."

    Dann wählen sie am 22.09. eine Partei die die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns oder noch besser ein BGE fordern.

    Deutschland hat im Hinblick auf seine Geschichte aus gutem Grund ein Asylrecht welches Menschen den Schutz vor Verfolgung auf deutschem Boden sichern, ja sogar garantieren soll. Im deutschen Grundgesetz steht nichts von menschenunwürdiger Unterbringung, demütigender Behandlung oder Kasernierung und einsperren von Asylsuchenden.

    es flüchtlinge und wanderarbeiter seien, welche die löhne bestimmen
    http://www.hintergrund.de...

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen und Argumenten. Danke, die Redaktion/jk

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    Gerne doch: http://www.sueddeutsche.d...

    Matthias Jena: "Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass die Gruppe der politischen Aktivisten ihr eigenes Süppchen kocht. Es sieht alles danach aus, dass sie die Asylsuchenden für ihre politischen Zwecke instrumentalisieren und missbrauchen."

    Vergleichen Sie mal mit meinem Statement, welches von ihnen entfernt wurde... Danke!

    • Acaloth
    • 09. September 2013 13:01 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jk

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    • chasar
    • 09. September 2013 13:10 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/jk

    • chasar
    • 09. September 2013 13:12 Uhr

    froh das Sie in Deutschland leben und nicht in den staaten von wo die asylsuchenden herkommen.
    sie brauchen nicht um ihr lenen fürchten und ihre nächste mahlzeit ist auch gesichert.

  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Wir wünschen uns eine differenzierte Diskussion von Argumenten. Danke, die Redaktion/jk

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    die "hohe Ablehnquote" zeigt nur, dass die meisten einzel-entscheiderinnen heutzutage von asyl+flüchtlingsrecht keine ahnung (mehr) haben (müssen). von bundespolizisten z.B., die zur beschleunigung in asylverfahren eingesetzt werden, kann ich nicht mehr erwarten als dass sie weisungsgemäß ablehnen.
    ob das richtig war, darüber entscheidet dann ein verwaltungsgericht - wenn die antragsteller gut beraten gegen die ablehnung klagen. und oft genug entscheiden verwaltungsgerichte gegen die BRD, endvertreten durch ..,. und verpflichten zur anerkennung bzw. feststellung von abschiebungshindernissen.

    für den fall übrigens, dass die wehrpflichtigen in der Würzburger ZASt, wie asylsuchende zu neunt in einem zimmer untergebracht waren und sich ähnlich schlechten fraß gefallen ließen, wie er flüchtlingen in Bayern zugemutet wird - da muß ich allerdings fragen, ob bei denen in der erziehung zum mündigen bürger, und sei es auch einer in uniform, nicht etwas ganz schrecklich schiefgelaufen war.

    Hilfesuchende zumutbar sein.

    Könnte man evtl. grade noch so unterschreiben sofern die Asylbewerber und die Soldaten unter den selben Bedingungen untergebracht sind, oft trifft dies aber nicht zu. Wenn 6 oder mehr Personen sich einen max. 15qm großen Raum teilen müssen ist das eben nicht zumutbar.

  5. Diese Art von Demonstration ist natürlich nur im humanistisch geförderten Deutschland möglich, in Nachbarländern dieser Verfolgten, werden die Essenspackete vom LkW herunter gereicht und dann gehts zurück ins Zelt ! Wem es da nicht behagt oder gar dagegen protestiert / demonstriert, wird erfahren, daß die Nächstenliebe in den "Bruderländern" schnell an ihre Grenzen stößt !

    Da macht das doch in Deutschland mehr Spaß !

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    ...als wenn sie sich in diesen anderen Ländern wohler fühlen würden, als in diesem einfältigen, humanistischen Deutschland.
    In diesem unserem merkwürdigen Land gibt es etwas, das sich Grundgesetz schimpft.
    Ein übeles Machwerk von sozialen Romantikern in dem steht das Die Würde des Menschen ist unantastbar ist oder das das Deutsche Volk sich sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft bekennt. (doof das Asylrecht für politisch verfolgte ein Grundrecht ist)

    Richtig naiv wird es, wenn dann noch das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten eingefordert wird.

    Aber das ist natürlich alles sozial Romantik, die nur im humanistischen Deutschland möglich ist.
    Und anstatt das diese Asylbewerber, die wohl an spät römischer dekadenz leide, glücklich darüber sind das sie nicht in Zelten schlafen oder Brot reste von einem LKW zugeschmissen bekommen, wagen sie es doch tatsächlich von ihren Rechten gebrauch zu machen.

    Fast jeder Kommentar hier, hat für mich einen eindeutig rassistischen Unterton, der die Grundrechte der Asylbewerber zumindest in Frage stellt oder als soziale Glanztat verkauft, die dem deutschen Staat ganz viel Geld kostet.

    Fast jeder hier argumentiert mit der Schublade "Asylbewerber", ohne auch nur eine sekunde über Einzelschicksale nachzudenken. Das Individum, auf das wir ja angeblich immer so viel Wert legen, ist aufeinaml DER ASYBEWERBER.

    Traurig!

  6. "Die Landesregierung hat außerdem einen Passus aus der Verfassung gestrichen, der bestimmte, dass Flüchtlinge in Bayern so unterzubringen seien, dass sie schnellstmöglich in ihre Heimatländer zurückkehren wollen":
    Wo ist (war) dieser Passus in der Verfassung denn? Und seit wann kann die Landesregierung einfach so die Verfassung ändern? Laut Art. 75 (2) der Verfassung bedarf eine Änderung derselben einer Zweidrittelmehrheit im Landtag und der Zustimmung des Volkes. Von einem Volksentscheid habe ich hier aber noch nichts mitbekommen. Und laut http://www.gesetze-bayern... wurde die Verfassung seit 2003 nicht mehr verändert.

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    die redaktion diesen fehler korrigieren?
    es handelte sich nicht um die verfassung des freistaates Bayern sondern um die "Asyldurchführungsverordnung", aus welcher der passus, dass die verteilung
    „die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“
    solle gestrichen wurde.
    http://www.bayern.de/Mini...

    Freie Autorin

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Der Passus wurde natürlich nicht aus der Verfassung sondern aus der Asyldurchführungsverordnung gestrichen.

    Nachzulesen ist das hier: https://www.verkuendung-b...

    Die Stelle im Texte wurde entsprechend korrigiert.

  7. Achso dann ist es also in Ordnung Flüchtlinge schlecht zu behandeln ? Ja Menschenrechte sind ja nicht so wichtig ?!
    Am besten für ihre Argumentation ist ja der Teil wo gesagt wird man solle Flüchtlinge so unterbringen dass sie schnellstmöglich in ihr Heimatland zurückkehren wollen Wahnsinn das heißt ja wir müssen sie noch schlechter behandeln ! Wie wärs mit Folterbänken in Asylheimen ?
    Wirklich widerlich wie manch einer sich versucht die europäische Verantwortung von den Schultern zu laden ! Ich hoffe für all jene Asylbewerber dass sie in unserem Land irgendwo einen christlichen Menschen finden der ihnen hilft

    via ZEIT ONLINE plus App

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    • ombia
    • 10. September 2013 12:46 Uhr

    Und was ist mit gutherzigen Atheisten?

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