Für die Bayern-FDP ist kaum noch Platz in diesem von der CSU geprägten Wahlkampf. "Alleinherrschaft verhindern", plakatieren die Liberalen grummelig in München und im ganzen Land – und hoffen so auf einen Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat zwar mehrfach betont, dass er die schwarz-gelbe Landesregierung nach der Bayern-Wahl am Sonntag fortsetzen will. In Wahrheit aber kämpft der Kandidat für sich allein – nur wenn er die CSU zurück zur absoluten Mehrheit führt, wäre es sein persönlicher Erfolg.

In Seehofers allürenhaften Kundgebungen werden die Liberalen daher in den allermeisten Fällen nicht erwähnt. Und die Bayern-FDP muss schwer kämpfen, dass sie überhaupt noch den Wiedereinzug in den Landtag schafft. Umfragen sehen sie bei drei bis vier Prozent und anders als auf Bundesebene, wo es nicht besser aussieht, glauben viele Beobachter, dass das Wahlergebnis im Süden den Umfragen entsprechen wird. Schließlich ist die FDP in Bayern traditionell eher schwach. Vor 2008 hatte sie ganze 18 Jahre lang nicht genügend Stimmen für die Fünfprozenthürde.

Vor fünf Jahren dann kam die große Chance der Liberalen, weil die Bayern genug hatten von der jahrzehntelangen Alleinregierung der CSU und deren Kungeleien. Doch jetzt soll es plötzlich wieder ohne sie gehen. Dabei, finden die Freidemokraten, waren sie es, die die von CSU-Vetternwirtschaft lahmgelegten Regierungsstrukturen in Bayern entfilzt und die politische Kultur modernisiert hätten. Selbst Strategen der CSU gestehen das freimütig ein. Nur, sagt einer mit sehr langer Erfahrung, eigene Erfolge hätte die Landes-FDP noch nie gut verkaufen können.

"Macht braucht Kontrolle", ruft Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger also am Freitag auf dem Stachus, dem zentralen Karlsplatz. Haargenau den gleichen Satz wiederholt, wenige Minuten später, ihr Spitzenkandidat, Wirtschaftsminister Martin Zeil. Die FDP hat zur Wahlkampfabschluss-Großkundgebung am Beginn der Fußgängerzone geladen, auch Parteichef Philipp Rösler und Spitzenkandidat Rainer Brüderle sind nach München gereist. Die Ausgangslage ist nicht schlecht: Passanten bleiben stehen und hören zu, ein paar pöbeln laut, aber die meisten sind ehrlich interessiert.

Lästern über die fast vergessene Verwandten-Affäre

Leutheusser-Schnarrenberger und Zeil zählen also motiviert ihre Argumente auf, wieso es ohne die FDP in Bayern nicht geht. Die Liberalen, sagt die Landeschefin, hätten dafür gesorgt, dass Bayern wieder offen sei, auch für ausländische Arbeitnehmer nichtchristlichen Glaubens, für Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung. Außerdem erinnert die Bundesjustizministerin daran, dass nur mit der FDP Datenschutz und Bürgerrechte in Bayern Dauerthemen seien. 

Wirtschaftsminister Zeil preist die niedrigen Arbeitslosenzahlen und lobt sich selbst dafür, dass die CSU mit der FDP als Korrektiv endlich nicht mehr nur Wirtschaftsförderung in Großunternehmen, sondern auch in den Mittelstand gesteckt habe. Schließlich lästert der gemütliche Kandidat, der wenig mitreißend spricht, noch über die Verwandten-Affäre der CSU: Einige christsoziale Abgeordnete hatten ihre Familienangehörigen als Sekretärinnen oder Aushilfen im Büro beschäftigt – und aus Steuergeldern bezahlt.

Das, befindet Zeil, passiere eigentlich nur, wenn "jemand nichts anderes kennt als die Welt der Politik". In der FDP hätten die allermeisten einen ordentlichen Beruf gelernt und Lebenserfahrung gesammelt.

Die Gehaltsaffäre – eigentlich ein Parade-Beispiel der FDP, dass man die CSU nicht alleine regieren lassen kann – scheint in Bayern jedoch schon fast vergessen. Jedenfalls konnten die Liberalen sich damit in den vergangenen Wochen nicht profilieren.