Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat die Aufnahme von deutlich mehr Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland gefordert. "Als Erstes sollte Deutschland allen hier lebenden Syrern erlauben, ihre Verwandten nach Deutschland zu holen. Damit könnten schon einmal 50.000 kommen", sagte Trittin der Rheinischen Post. Dies könne nur ein erster Schritt sein. "Als größtes Land in der Europäischen Union sind wir verpflichtet, die meisten Flüchtlinge aufzunehmen", sagte Trittin.

Deutschland hat sich zur Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland verpflichtet. Auch die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hält diese Zahl für völlig unzureichend. "5.000 – das ist gemessen an der Katastrophe in Syrien wenig mehr als eine Geste", sagte der Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Wenn man die Region entlasten will, muss Deutschland in Europa mit einer viel größeren Zahl vorangehen." Im Kosovo-Krieg habe Deutschland 15.000 bis 20.000 Flüchtlinge aufgenommen, in der Bosnien-Krise sogar 300.000. 

Auf dem Flughafen Hannover wird am Nachmittag die erste Gruppe syrischer Flüchtlinge erwartet. Empfangen werden die etwa 110 Syrer von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Flüchtlinge kommen mit einem Sonderflug aus der libanesischen Hauptstadt Beirut. 

Die meisten der Flüchtlinge haben Monate in Lagern im Libanon und anderen Nachbarländern Syriens verbracht, manche kommen auch direkt aus dem Bürgerkriegsland. Bei den Flüchtlingen handelt es sich nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vorwiegend um Frauen und Kinder. Unter ihnen sind dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge auch Folteropfer. 

Ausgewählt wurden die Flüchtlinge von der Bundesregierung in Abstimmung mit dem UNHCR. Erster Aufenthaltsort ist das Grenzdurchgangslager Friedland nahe Göttingen, nach etwa 14 Tagen werden die Menschen auf die Bundesländer verteilt.   

Zwei Millionen Syrer ins Ausland geflohen

Vor dem Bürgerkrieg in Syrien sind mittlerweile zwei Millionen Menschen ins Ausland geflohen. An jedem Tag würden nahezu 5.000 Syrer ihr Land verlassen und vor allem in den Nachbarstaaten auf Sicherheit und humanitäre Hilfe hoffen, teilten die Vereinten Nationen vor wenigen Tagen mit. Weitere 4,25 Millionen Menschen seien in Syrien auf der Flucht. 

Nach Angaben des UNHCR kamen 716.000 Flüchtlinge im Libanon unter, 515.000 in Jordanien, 515.000 im Irak, 460.000 in der Türkei und 110.000 in Ägypten. Rund 52 Prozent der Flüchtlinge seien Kinder.