Syrien-KriegGrüne verlangen Aufnahme von 50.000 Flüchtlingen

Die ersten von 5.000 syrischen Flüchtlingen erreichen per Sonderflug nun Deutschland. Grüne und Pro Asyl fordern, deutlich mehr Menschen aufzunehmen.

Syrische Flüchtlinge in einem Aufnahmelager an der türkischen Grenze

Syrische Flüchtlinge in einem Aufnahmelager an der türkischen Grenze  |  © Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat die Aufnahme von deutlich mehr Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland gefordert. "Als Erstes sollte Deutschland allen hier lebenden Syrern erlauben, ihre Verwandten nach Deutschland zu holen. Damit könnten schon einmal 50.000 kommen", sagte Trittin der Rheinischen Post. Dies könne nur ein erster Schritt sein. "Als größtes Land in der Europäischen Union sind wir verpflichtet, die meisten Flüchtlinge aufzunehmen", sagte Trittin.

Deutschland hat sich zur Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland verpflichtet. Auch die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hält diese Zahl für völlig unzureichend. "5.000 – das ist gemessen an der Katastrophe in Syrien wenig mehr als eine Geste", sagte der Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Wenn man die Region entlasten will, muss Deutschland in Europa mit einer viel größeren Zahl vorangehen." Im Kosovo-Krieg habe Deutschland 15.000 bis 20.000 Flüchtlinge aufgenommen, in der Bosnien-Krise sogar 300.000. 

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Auf dem Flughafen Hannover wird am Nachmittag die erste Gruppe syrischer Flüchtlinge erwartet. Empfangen werden die etwa 110 Syrer von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Flüchtlinge kommen mit einem Sonderflug aus der libanesischen Hauptstadt Beirut. 

Die meisten der Flüchtlinge haben Monate in Lagern im Libanon und anderen Nachbarländern Syriens verbracht, manche kommen auch direkt aus dem Bürgerkriegsland. Bei den Flüchtlingen handelt es sich nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vorwiegend um Frauen und Kinder. Unter ihnen sind dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge auch Folteropfer. 

Ausgewählt wurden die Flüchtlinge von der Bundesregierung in Abstimmung mit dem UNHCR. Erster Aufenthaltsort ist das Grenzdurchgangslager Friedland nahe Göttingen, nach etwa 14 Tagen werden die Menschen auf die Bundesländer verteilt.   

Zwei Millionen Syrer ins Ausland geflohen

Vor dem Bürgerkrieg in Syrien sind mittlerweile zwei Millionen Menschen ins Ausland geflohen. An jedem Tag würden nahezu 5.000 Syrer ihr Land verlassen und vor allem in den Nachbarstaaten auf Sicherheit und humanitäre Hilfe hoffen, teilten die Vereinten Nationen vor wenigen Tagen mit. Weitere 4,25 Millionen Menschen seien in Syrien auf der Flucht. 

Nach Angaben des UNHCR kamen 716.000 Flüchtlinge im Libanon unter, 515.000 in Jordanien, 515.000 im Irak, 460.000 in der Türkei und 110.000 in Ägypten. Rund 52 Prozent der Flüchtlinge seien Kinder.

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Leserkommentare
  1. Herr Trittin finanziert seine Vorstellungen komplett aus Mitteln der Grünen. Das ist der klassische Typ eines Politikers, der noch keinen Tag seines Lebens für seinen Lebensunterhalt gearbeitet hat und daran gewöhnt ist, Steuergelder zu verschleudern um seine Ideologie zu hätscheln.

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    könnten auch 100 000 Menschen sein.
    Menschen in ihrer Not zu helfen lohnt sich immer!

    Die Grünen sind jetzt auf unter 10% abgesackt. Weiter so! Veggie-Day und Asyl für alle. Ich sage voraus: unter 5%.

    • Morlaix
    • 11. September 2013 10:50 Uhr

    Soso, Sie sind also eine Kenner des Lebenslaufs von Jürgen Trittin? Ihre Argumentation ist grotesk und lachhaft. ( aber das wissen Sie ja selbst )

    • NvonX
    • 11. September 2013 10:52 Uhr

    Sie sollten sich schämen, die Aufnahme von kriegsflüchtigen Frauen und Kindern als "verschleudern von Steuergeldern" zu bezeichnen.
    @smarti123 zu ihrem Kommentar fällt mir garnichts ein...

    • Simon_M
    • 11. September 2013 10:58 Uhr

    Mit dieser "Logik" müsste jede Partei alles aus eigenen Mitteln finanzieren, auch S21, der Flughafen, Theater, Prämien, Subventionen, Bankenrettung,...

    • Suryo
    • 11. September 2013 11:14 Uhr

    Wieso? Es sind lachhafte 5.000 Menschen. Je 16.000 Deutsche kommen auf einen von den Flüchtlingen. Selbst wenn's 50.000 wären, würde Deutschland die Kosten spielend tragen können.

    • fhirsch
    • 11. September 2013 11:30 Uhr

    Wo haben Sie eigentlich Ihre unsägliche Dumpfheit her? Als Jugendlicher zuviel im Bierdunst Ihrer Dorfkneipe rumgehangen?

    Wir haben -- ob wir Christen sind, einer anderen Religion angehören oder uns dem Humanismus verpflichtet fühlen -- die Aufgabe, diesen traumatisierten Menschen zu helfen. Ich bin froh, dass es noch Politiker gibt wie Herrn Tritin, die sich trauen, das auch öffentlich zu fordern.

    Leisten kann sich das unser reiches Land sowieso, aber die Aufnahme von Flüchtlingen ist auch die einmalige Chance, diesen Menschen zu zeigen, was westliche Werte bedeuten, und wofür es sich lohnt, sich einzusetzen, wenn dieser entsetzliche Bürgerkrieg einmal vorbei ist.

    Demokratie, Weltoffenheit und Hilfe für Notleidende, statt Rassismus, Gier oder religiösem Fanatismus.

    Und kommen Sie mir nicht mit "noch nie selber gearbeitet", Mann! Ich zahle selber sehr viele Steuern, und es macht mich glücklich zu sehen, wenn diese für gute Zwecke eingesetzt werden.

    wird dann bezahlt, wenn der Libanon, wo derzeit 1 syrischer Flüchtling auf 3 Einwohner kommt (von den palästinensischen Flüchtlingen gar nicht erst zu reden), sich weiter destabilisiert, damit ideale Rahmenbedingungen für militante Islamisten bietet, erneut ein Bürgerkrieg oder ein Krieg mit Israel ausbricht und sehr viel mehr als 50.000 Flüchtlinge versorgt werden müssen, ok?

    Ich hoffe also für Sie, daß Ihre Einkünfte die von Trittin um ein Vielfaches übersteigen. Andernfalls käme Sie Ihre Ideologie sehr teuer, sie ist nämlich nicht nur menschenverachtend, sondern auch äußerst kurzsichtig.

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    Interessieren würde mich, ob sich unser Innenfriedrich tatsächlich die Christen und Akademiker unter den syrischen Kriegsflüchtlingen aussuchen konnte, wie er das im Juni vorhatte http://www.zeit.de/politi... Weiß das jemand?

  2. ...immer nur an den Symptomen herumzudoktern, die Ursachen müssen benannt werden, und eliminiert, das ist nunmal Assad, und seine Schreckensherrschaft.

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    .... sind durch die USA mit Waffen und Training unterstützte Muslime, die einen friedlichen, stabilen Staat in einen Bürgerkrieg gestürzt haben.

    ...Sie verwechseln Ursache und Wirkung, hätte der Gewaltherrscher nicht wie weiland schon sein Vater auf unbewaffnete Demonstranten schießen lassen, und Tausende wegsperren und foltern lassen (Human Rights Watch Bericht auf zo gerne auf Wunsch),

    so wäre es gar nicht so weit gekommen, dass die Bevölkerung im Kampf gegen das Unrechtsregime auf Hilfe von außen angewiesen ist, oder diese dankbar annimmt, übrigens nimmt ja auch Assad Unterstützung von außen an, Waffen aus Russland, Terroristen aus dem Libanon, und Milizionäre und weiteres aus dem Iran.

    • dachsus
    • 11. September 2013 12:28 Uhr

    … das wir Deutsche Soldaten nach Syrien schicken sollten, um in Syrien zu intervenieren, und eine neue Regierung dort einzusetzen. Ich verstehe Sie da doch richtig ?

  3. dann aber bitte mit Arbeitserlaubnis damit die Leute sich nützlich machen können!

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    • Gerry10
    • 11. September 2013 10:40 Uhr

    ...ohne damit Politik zu machen.
    Da regt sich der Trittin auf und der Friedrich wil sie empfangen.
    Der Krieg dort unten läuft seit über zwei Jahren.
    Kein Politiker egal welcher Partei hat sich da mit Ruhm bekleckert.
    Wie wäre es mit was gutes tun und sonst die Klappe halten,...

    9 Leserempfehlungen
    • Atan
    • 11. September 2013 10:41 Uhr

    dass diese dilettantische Vorgehensweise des auf die Agendasetzens
    1. die Grünen wirkliche wieder auf einstelliges Normalmaß schrumpfen läßt
    2. die unbedingt notwendige Ausweitung humanitärer Hilfe konterkariert.

    So große Zahlen lassen sich schlicht nicht über das Asylrecht handhaben und erschrecken unnötig die Bevölkerung. Es geht hier nicht darum, sich selbst als humanitären Helden darzustellen und bei mißglücvkter Aktion dann die Bevölkerung als rassistisch verstockt vorzuführen, sondern möglichst effektiv zu helfen.
    Dazu gehören unbedingt größere Aufnahmequoten, ähnlich wie sie damals in den Jugoslawien-Kriegen geleistet wurden, aber ohne vor dem Wahlkampf "Alarmzahlen" in die Welt zu setzen. Hier sind die humanitären Profis mit ihrer leisen Art gefragt, aber keine Wahlkämpfer.

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    wird die Flüchtlingseigenschaft nicht über das Aufenthaltsgesetz geregelt?
    hmmhmm

  4. Entfernt, bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

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    • Morlaix
    • 11. September 2013 10:46 Uhr

    Das einzige, was hier krank ist, ist ihr Gerede von den "Nicht-Deutschen".

    Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

    • F.R.
    • 11. September 2013 10:41 Uhr

    in der Anfangsphase des Krieges sich nicht heulend auf die Seite der "Rebellen" gestellt, wäre es evtl. unnötig gewesen, dass 50.000 Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden. Und Sie sollen noch dazu hoffen, dass die restlichen 6 Millionen auch noch irgendwo aufgenommen werden...

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    Wow, was für ein Niveau! Ich werde Sie für den nächsten Friedensnobelpreis vorschlagen. Die Syrer sollten sich also lieber weiter von Assad unterdrücken und ausbeuten lassen - Hauptsache es kommen keine Flüchtlinge zu uns.

    Und noch was: wollen Sie ernsthaft behaupten, die Flüchtlingsströme existierten nur deshalb, weil Frau Roth sich angeblich "heulend auf die Seite der "Rebellen" gestellt" hat? Sorry, aber das grenzt an Wahnvorstellungen. Was hat Frau Roth denn gemacht? Ich wette, Assad und die Rebellen kennen sie noch nicht mal.

    • Carlton
    • 12. September 2013 12:26 Uhr

    hat also derart entscheidend in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen, dass dadurch viele Menschen erst zu Flüchtlingen geworden sind?
    Erschreckend ist, dass ein so absurder Kommentar so viele positive Bewertungen erhält. Das Niveau der Leserschaft spiegelt dies hoffentlich nicht wider.

    • Kelsi
    • 11. September 2013 10:42 Uhr

    Ohne jetzt dass ich bewerte ob das eine gute Idee ist oder nicht, aber das ist für die einen ein ganz schön mutiger, für die anderen ein dummer Schritt von Herrn Tritin, in Wahlkampfzeiten sich öffentlich dafür einzusetzen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, mpi
  • Schlagworte Jürgen Trittin | Bundesregierung | Vereinte Nationen | Flüchtling | Hans-Peter Friedrich | Syrien
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