CSU-Chef Horst Seehofer A Hund isser scho!

Der CSU-Chef wechselt seinen Kurs so häufig wie kein anderer Politiker, er bedroht Journalisten und stellt seine Untergebenen bloß. Warum ist er trotzdem so beliebt? von 

Kaum einer kann Widersprüche so gut wegreden wie Horst Seehofer. Zuletzt war das anschaulich im TV-Duell zur bayerischen Landtagswahl zu beobachten. Dort wurde der Fall des jahrelang unfreiwillig in der Psychiatrie untergebrachten Gustl Mollath angesprochen, dessen Schicksal nicht nur den Freistaat, sondern auch die Republik bewegt hat.

"Es wird niemand bestreiten können", sagte Seehofer nonchalant, dass er die Wiederaufnahme des Falles gefordert habe. "Als einer der ersten unter Achtung der richterlichen Unabhängigkeit." Da konnte SPD-Herausforderer Christian Ude nur nach Luft schnappen.

Anzeige

Denn es war die Opposition, die über Monate vergeblich versucht hatte, den Fall Mollath zum Wahlkampfbeispiel für selbstgefällige CSU-Justizstrukturen zu machen. Die bayerische Staatsregierung wiederum hatte sehr lange abgewunken: Mei, der Mann sei von deutschen Richtern halt für krank und gemeingefährlich erklärt worden. Inzwischen ist Mollath frei und das Bundesverfassungsgericht hat dessen Unterbringung in einem Urteil gerügt. Peinlich also für die CSU, könnte man sagen. 

Aber Horst Seehofer schlug sich noch rechtzeitig auf die Siegerseite. Er führte seine Justizministerin vor und forderte, dass der Fall Mollath neu aufgerollt wird – allerdings erst, als sich dessen Freilassung schon längst abzeichnete. Der CSU-Ministerpräsident hat nämlich ein sehr feines Gespür für Stimmungen. Und wenn diese in der Bevölkerung umschlagen, ändert auch er seine Meinung.

Sie nennen ihn "Drehhofer"

"Drehhofer", nennen sie ihn bei der SPD, weil er innerhalb kurzer Zeit und ohne mit der Wimper zu zucken Positionen räumen kann. Seehofer wirkt dabei oft noch dreister als die Kanzlerin, die bekanntlich ebenfalls gut im Themenklau ist. Weil der Bayer seine Überzeugung – welche auch immer es gerade sein mag – noch viel definitiver als diese formuliert, erscheinen seine Schwenks auch drastischer.

Jahrelang verteidigte seine CSU die Studiengebühren an bayerischen Universitäten. Als sich ein Volksentscheid dagegen abzeichnete, stimmte Seehofers Partei im Landtag einfach mit der Opposition für deren Abschaffung und ließ es fast zum Koalitionsbruch mit der FDP kommen. Seehofers CSU war einmal für den Donau-Ausbau und gegen Ganztagsschulen – jetzt ist sie es nicht mehr. Der Ministerpräsident bezeichnete die Union als Partei der Wehrpflicht, dann trug er die Abschaffung mit.   

Unvergessen sind auch die zahlreichen "roten Linien", die der Bayer der Bundesregierung bei der Euro-Rettung setzte: Bloß keine gemeinsame Haftung für den Süden! Inzwischen ist der gemeinsame Euro-Rettungsschirm eingerichtet, Griechenland wurden im Jahr 2012 gegen Seehofers Willen Schulden erlassen. 

Leserkommentare
  1. Ach was wären wir ohne unsere Bayern. Die Sprache ist so niedlich, a Hund isser scho", das klingt doch auch so liebevoll und ruppig in unseren norddeutschen Ohren. Herrlich! Da unten ticken die Uhren eben anders und was wäre der Bundestag ohne de CSU und Herrn Seehofer? Gemütlichkeit und ein bischen zünftig, das hat auch Pepp. Denn von der Vilefalt, lebt unsere Bundesrepublik, meine ich.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 6bb6
    • 14. September 2013 19:52 Uhr

    solang mir's zahl'n lebt's ihr Strauchdiebe gut von dieser "Vielfalt"!

    Die Bayern lassen halt auf ihren "Kini" nichts kommen, ist eine andere Welt, die nördlich des Weißwurst-Äquators nur schwer vermittelbar ist. Wer da mal gelebt hat, versteht's a bisserl.

    • Mirkor
    • 14. September 2013 22:41 Uhr

    "Is eh klar
    solang mir's zahl'n lebt's ihr Strauchdiebe gut von dieser "Vielfalt"!"

    Die Höhenluft scheint bei den Bayern gern zu Verdrängungen unliebsamer Wahrheiten zu führen. Wie sonst ist es zu erklären, dass immer wieder vergessen wird, dass Bayern 36 Jahre in Folge von 1950 - 1986 Empfängerland vom Länderfinanzausgleich war?

    A Hund is er scho der Bayer...

    • Narses
    • 15. September 2013 4:54 Uhr

    .........mir geht diese andauernde Verherrlichung und die alltägliche Omnipräsenz (TV, Presse etc.) des Bajuwarischen schon seit langem mächtig auf den Keks.

    Dieses seltsame Gebirgsvolk ist, verglichen mit Friesen, Hessen oder Sachsen meinetwegen, einfach nichts Besonderes.

    Den Dialekt, die Landestracht, die Eigenarten, ob liebenswert oder nicht,- das haben andere Landsmannschaften auch.

    Mir san mir ??

    Nicht mehr als unerträgliche Arroganz.

    <em>Ach was wären wir ohne unsere Bayern. </em>

    In erster Linie mal wäre der LFA deutlich dünner...

    • Sandale
    • 14. September 2013 19:08 Uhr

    Anders als in anderen Gegenden ist es kein Problem wenn man ein bisschen durchgeknallt ist falls man Erster im Freistaat Bayern werden will.

    Mitunter scheint es einen Knall zu haben, ist der Sache dienlich diesen Job zu bekommen - man muß schon mehr mitbringen, aber ohne dieses Extra macht's dem Volk scheinbar weniger Spaß.

    Als Beleg für diese These führe ich mal Ludwig no1 und FJ Strauß an.

    Seehofer ist zwar nur ein Abziehbild von letzerem, aber mehr Exzentrik ist gerade in der CSU nicht zu haben, solange Glööckler nicht beitritt.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bubblez
    • 15. September 2013 13:28 Uhr

    ... den Sie meinen, war Ludwig II.

  2. Genauso gut könnte man fragen, warum die NPD sich bei manchen Teilen der Bevölkerung einer grossen Beliebtheit erfreut

    19 Leserempfehlungen
    • Berski
    • 14. September 2013 19:13 Uhr

    Seehofer weiss halt wie die Bayern ticken, zudem ist der Mann ja nun als Ministerpräsident extrem erfolgreich. Und wer die absolute Mehrheit anpeilt, der muss sich in seiner Politik eben auch gelegentlich gesellschaflichen Mehrheitsmeinugen unterwerfen, auch wenn man selbst andere Ansätze hatte.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... erfolgreich.....gelegentlich Mehrheitsmeinungen unterwerfen? Für Satire sind Sie definitiv nicht geeignet. Seehofer wendet sich schneller und öfter als ein Hibschrauberrotor und seine Erfolge fallen mir beim besten Willen nicht ein. Ich glaub aber ganz einfach auch nicht der Regierungspropaganda, die aus einem Bundesland, dass externe Mittel in Rekordhöhe abschöpft und gleichzeitig über den selbst ausgehandelten Länderfinanzausgleich heult, ein Musterländle machen will. Das Sagen haben und den wirtschaftlichen Erfolg garantieren in Bayern neun Dax-Untenehmen, die sich die Regierung halten, die ihnen am wenigsten im Weg steht und sich am leichtesten "überreden" läßt.

    Leider wahr, was Sie schreiben. Und damit werden die ewig Gestrigen abgestraft, die immer noch glauben, Abgeordnete - sei es im Bundes- oder Landtag - seien nur ihrem Gewissen unterworfen. Ist doch völlig unpraktikabel, wenn man gar keins hat.

    Ironie beiseite: Die Frage, warum ein Seehofer trotz allem mit so vielen Wählerstimmen rechnen kann, ist wohl ebenso wenig zu beantworten wie die Frage, warum viele Italiener noch immer Berlusconi wählen würden.

  3. Die Verschlimmbesserungen und wir wissen alles besser machen es aber nicht SPDler und Grüne aus dem Ausland (siehe Baden Württembergs "Integrations"importministerin aus Berlin) braucht Bayern nicht.

    Wann wollen den tiefrote Länder wie Bremen, NRW und Berlin jemals wieder oben ankratzen? Moment erst wenn jeder Abitur hat und dieses dann dem bayrischen Hauptschulabschluss entspricht und alle gleicher als gleich sind (Winterfest).

    Die SPD ist selbst schuld wenn sie mit Ude einen Vorruheständler aus München nominiert und eine Claudia Roth haben die Bayern geschickt nach Berlin ausgewiesen deshalb wählt dort kaum jemand diese "Partei".

    Der Drehhofer ist nicht der beste und nicht der schlechteste. Seine Idee der Maut für Ausländer ist berechtigt wenn er eine kostenlose Vignette an alle in Deutschland registrierten Autofahrer schickt.

    Eine Alternative sind nur die Freien Wähler.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wawerka
    • 14. September 2013 20:09 Uhr

    "Wann wollen den tiefrote Länder wie Bremen, NRW und Berlin jemals wieder oben ankratzen? "

    Tja, hätte man bis 1986 auch nicht gedacht, dass Bayern die Kurve kriegt. Bis dahin waren sie nämlich Länderfinanzausgleich-NEHMER. Übrigens auch und stets unter CSU-Führung.

    Dass die CSU die wirtschaftliche Blüte Bayerns seit Mitte der Achtziger für sich reklamiert, ihr jahrzehntelanges vorheriges Versagen allerdings negiert, ist typisch für diesen Verein.

    Dass es den Wählern dort wurscht ist, dass Parteibonzen sich schamlos bereichern, indem sie ihre Verwandtschaft aus Steuermitteln beschäftigen, ist hingegen bezeichnend für deren Wählerschaft.

  4. "Es wäre die Bestätigung eines nicht immer anständigen Politikstils. " Wie schön, dass Frau Caspar den Politikstils von Herrn Seehofer gleich mit einer Meinung versieht. Dann muss auch keiner mehr sich selbst eine Meinung bilden. Oder war dieser Artikel unter der Rubrik persönliche Meinung erschienen?

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt die geschlossene Gesellschaft und bei den Zeitungen im Zeitalter des Neulands ist das die geschlossene Meinung.

    Die Meinungsartikel der überparteilichen Journalisten der Die Zeit verteufeln sowieso alles was "rechts" ist, da aber schon soviel ins rechte Lager geschoben wurde (Religionskritik, Oskar Lafontaine, Euro Kritik, Flaggen zur Fussball Ereignissen, Kritik an den Grünen etc. pp.) ist eigentlich fast jeder "Rechts" und damit böse.

    Vor allem die CSU, das hat ja bei dieser Zeitung eine Tradition.

    • greuel
    • 14. September 2013 19:24 Uhr

    Unabhängig von den politischen Taten zeigt sich bei Herrn Seehofer und Frau Merkel das Problem unserer Demokratie.

    Beide haben keine eigenen Positionen, drehen sich nach dem Wind und weigern sich, ihre Politik zu begründen. Frau Merkel punktet durch ihre Harmonie und die Vermeidung jedes Konflikts und Herr Seehofer durch seine Hinterfotzigkeit und seinen Charme.

    Das wahre Problem aber ist, dass so viele Menschen scheinbar damit zufrieden sind, dass nichts mehr erklärt wird, es keine Diskussionen mehr gibt, keine Vorstellungen über die Zukunft des Landes mehr dargestellt werden und politische Handlungen nur noch nach opportunistischen Erwägungen getroffen werden.

    Die Leute scheinen zu glauben, dass das, was für Frau Merkel und Herrn Seehofer gut ist, auch für das Land gut sein wird. Dabei übersehen sie, dass Frau Merkel und Herr Seehofer eben nur sich selbst im Auge haben.

    Dass jemand politisch so handelt, finde ich nicht beunruhigend, dass man solchen Leuten aber seine Stimme gibt, schon.

    43 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Berski
    • 14. September 2013 19:46 Uhr

    Halten Sie es also für komplett unverständlich, dass große Parteien Standpunkte ändern, wenn diese keine gesellschaftliche Akzeptanz mehr haben? Das macht doch Volksparteien letztlich aus. Die Union ist vergleichsweise ideologiefrei und hat mit sowas eben weniger Probleme als die meisten anderen Parteien.

  5. Langsam reicht's mit dieser Desinformation.

    Es war nicht "die Opposition", die das Thema "Mollath" politisch hochgebracht hat, sonder ein Teil der Opposition und zwar nicht die SPD, sodern die Freien Wähler mit ihrem Abgeordneten Florian Streibl.

    Die SPD hingegen, hat in Gestalt ihres rechtpolitikischen Sprechers Franz Schindler bis zum Schluß wie die Justizminiterin auf die Unabhängigkeit der Jutiz verwiesen.

    Ude schmückt sich hier mit fremden Federn. Ebenso wie beim "sanften Donausausbau" (Grüne), Volksbegehren zur Abschaddung der Studiengebühren (wieder Freie Wähler).

    Die SPD hat als Opposition überhaupt nicht auf die Beine festellt - weder positiv noch negativ.

    Ich hoffe sie bekommt morgen wieder mal die Quittung.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... will doch gar nicht "regirn"; die ist in der Opposition doch viel kommoder eingerichtet.

    Danke für die Aufklärung:
    "Langsam reicht's mit dieser Desinformation."

    Wie gut dass es Foren gibt, wo Kommentatoren die Chance haben, Fehlinformationen zu entlarven.

    Also ein Kreuzchen für die, denen ein Kreuzchen gebührt!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service