Führende Außenpolitiker der Linken haben zu einer Diskussion über den streng pazifistischen Kurs ihrer Partei aufgefordert. "Stößt nicht eine Verabsolutierung des Einmischungsverbots moralisch und juristisch an eine Grenze, wenn es um Genozid bzw. Massenmord geht?", heißt es dem Spiegel zufolge in einem Sammelband Linke Außenpolitik – Reformperspektiven, der diesen Monat erscheint und mit einem Vorwort von Gregor Gysi eingeleitet wird. Es sei "moralisch fragwürdig", sich darauf zu verlassen, dass es "die anderen richten sollen", berichtet das Magazin. 

Mit dem Vorstoß wollten die Politiker auch die Hürden für ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund senken. Bislang galten die Linken vor allem auch wegen ihrer strikten Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr für die SPD nicht als koalitionsfähig. 

Nun schreibt dem Bericht zufolge der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion, Paul Schäfer: "Könnte es nicht sein, dass solche Einsätze zur Versorgung und Rückkehr von Flüchtlingen, zur Rettung Hunderttausender Menschenleben und zur Deeskalation von Gewalt beitragen?" Militärinterventionen mit UN-Mandat halten die Partei-Realos etwa für möglich, wenn geklärt sei, "ob die Bundeswehr sich strikt an Völkerrecht und Grundgesetz hält und ob der Einsatz zur Deeskalation von Gewalt beiträgt".

Sogar die von der Linken bislang geforderte Auflösung der Nato soll nicht länger auf der Agenda stehen. Schäfer schreibt: "Die andere Option wäre eine Transformation der Nato" zu einem "transeuroasiatischen kooperativen Sicherheitssystem".