Für die CDU war die Sache glasklar: Knapp eine Stunde nach Ende des TV-Duells zwischen Merkel und Steinbrück verschickte sie eine Pressemitteilung, in der sie der Kanzlerin die größere Glaubwürdigkeit und den Sieg bescheinigte

Ähnlich entschieden gab sich die SPD. Dort machte das Wort von der "coolen Sau" die Runde – so hatte der jubelnde Sigmar Gabriel den Kandidaten kurz nach Ende des Duells bezeichnet.

 Wie aber sahen die Zuschauer die Kandidaten und ihre Antworten? Das wollte ZEIT ONLINE mit einer kleinen, natürlich nicht repräsentativen Twitter-Aktion prüfen. Über unseren Twitteraccount gaben wir zu Beginn des Duells vier Hashtags vor: #steinbrückplus und #merkelplus sollten Zuschauer twittern, wenn sie von der Antwort des jeweiligen Kandidaten zustimmten, #merkelminus und #steinbrückminus, wenn eine Antwort sie nicht überzeugen konnte.

Die häufigste Reaktion war Enttäuschung über Merkels Antworten. 911 Mal wurde im Laufe des Abends #merkelminus getwittert.

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Die meisten negativen Bewertungen erhielt die Kanzlerin für ihre Bemerkungen zur NSA-Affäre um circa 21:40 Uhr. Da ging es um die Frage, ob die NSA deutsches Recht verletze, indem sie zum Beispiel Mails aus Deutschland auswertet. Merkels Antwort: Auf "deutschem Boden" seien Mails sicher, aber sobald Daten Deutschland verließen, gelten dort auch andere Datenschutzgesetze.

Also, eventuell, denn die Kanzlerin sagte auch: "Ich weiß es nicht" und "Jedes Land hat seine eigenen Dinge". Diese Äußerung legten ihr viele der netzaffinen Twitternutzer als Ahnungslosigkeit aus und quittierten sie entsprechend mit negativen Bewertungen.

Einen weiteren Ausschlag gab es um 20:50 Uhr, als die Kanzlerin nach einem weiteren Hilfspaket für Griechenland gefragt wurde und zugab: "Keiner weiß ganz genau, wie sich die Dinge in Griechenland entwickeln."  

Peer Steinbrück wurde weniger häufig negativ bewertet. Der Hashtag #steinbrückminus wurde nur insgesamt 270 Mal getwittert. 

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Steinbrück sammelte die meisten negativen Tweets direkt nach Beginn des Duells, als er seine Ziele skizzierte: Mehr Bildungsgerechtigkeit, weniger Aufstocker-Arbeitsverhältnisse. 21:16 Uhr folgte der zweite Minus-Gipfel, als er sich bei den Pensionen verhedderte. Die sollen nach seiner Vorstellung an die Entwicklung der gesetzlichen Rente gekoppelt sein und nicht überproportional steigen. Das wurde ihm von den Zuschauern als eine drohende Kürzung der Pensionen ausgelegt.   


Zumindest bei Twitter kam Steinbrück besser an – das Bild verfestigt sich, vergleicht man die Hashtags #steinbrückplus (628 Mal verwendet) und #merkelplus (325 Mal),

Ihren besten Moment hatte Merkel um 20:43 Uhr, als die Kanzlerin den gesetzlichen Mindestlohn mit dem Argument ablehnte, dass Verhandlungen über Lohnuntergrenzen in den Branchen besser aufgehoben seien. Außerdem sprach sie sich an dieser Stelle explizit gegen Steuererhöhungen aus.  

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Steinbrück konnte  um 21:47 Uhr punkten, als er sich gegen eine deutsche Beteiligung an einem Militäreinsatz in Syrien aussprach und die USA aufforderte, nicht ohne völkerrechtliches Mandat zu agieren. Das brachte ihm 21 Tweets unter dem Hashtag #steinbrückplus ein.

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Erstaunlicherweise schlug Steinbrücks Kurve dann noch einmal aus – und zwar ausgerechnet, als Angela Merkel 20:55 Uhr die europapolitische Verantwortung der SPD lobte, weil die Partei dem Rettungspaket für Griechenland zugestimmt habe. Das bewerteten 17 User mit einem #steinbrückplus.

Während des Duells wurden knapp 2.000 Tweets pro Minute abgesetzt, insgesamt wurden es an diesem Abend 250.000 Tweets. Noch immer aber ist Deutschland mit seinen 2,4 Millionen aktiven Twitter-Nutzern weit entfernt von den USA, wo es zehnmal mehr aktive Twitterer gibt und zur letzten Präsidentschaftswahlnacht über 320.000 Tweets pro Minute abgesetzt wurden.