Pro und Contra : Beleidigt Steinbrücks Mittelfinger die Wähler?

Was ist denn das? Auf dem Cover des "SZ Magazins" streckt Peer Steinbrück den Lesern den Mittelfinger entgegen? Ein Coup? Oder ein Fehltritt? Ein Pro und Contra

Steinbrück beleidigt die Wähler, schreibt Juliane Leopold. Der ausgestreckte Mittelfinger ist die Geste eines Verlierers.

Arrogant, selbstgefällig, abgehoben: Der alte Steinbrück ist wieder da. Nur einen Tag nachdem er in der Wahlarena der ARD mehr Souveränität als seine Konkurrentin Angela Merkel bewies, reißt Steinbrück mit dem Hintern, Pardon: mit dem Finger ein, was er sich aufgebaut hat. Wie anders ist das Foto zu verstehen, mit dem er sich jetzt auf dem Cover des SZ Magazins zeigt? Kalter Blick, offener Mund, ausgestreckter Mittelfinger.

Dass er sich damit eher gegen die Behandlung und Titulierung durch Journalisten als "Pannenpeer" und "Peerlusconi" wehrt: geschenkt. Angesprochen fühlen kann sich jeder Wähler. Peer Steinbrück zeigt jenen den Mittelfinger, die er eigentlich von sich überzeugen möchte. Die alte Floskel vom Bild, das mehr sagt als tausend Worte – und eben auch mehr als eine Bildunterschrift – sie gilt. "Ihr seid mir scheißegal", das ist der Eindruck, der bei vielen Wählern nach diesem Foto hängen bleiben wird.

Eine solche Geste mag zu einem abgehalfterten Schlagersänger passen, der den Gerichtsvollzieher begrüßt. Für einen Mann, der um Stimmen wirbt und Kanzler werden will, ist sie nicht angemessen. Der ausgestreckte Mittelfinger ist die Geste eines Verlierers, weil sie Hilflosigkeit zeigt. Sie sagt: Überzeugen konnte ich euch nicht, na und? Die, die wichtig sind, stehen hinter mir, und das reicht mir.

Juliane Leopold

Juliane Leopold ist Social Media-Redakteurin von ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.


Wie realitätsfern ist Steinbrück eigentlich? Er mag zwar in den vergangenen Wochen im Umfragevergleich mit Merkel aufgeholt haben. Doch ein rot-grüner Wahlsieg ist weit entfernt. In dieser Situation wäre Demut angebracht gegenüber denen, die erwägen, ihn zu wählen, aber eben noch nicht überzeugt sind.

Die dürften sich nun in ihren Zweifeln bestätigt sehen. Steinbrück füttert mit seiner Stinkefinger-Geste das Bild vom arroganten Macker, das ihm vor allem unter Frauen Zustimmung kostet. Mögen sein Titelfoto all jene gut finden, die seine herbe Art ohnehin schätzen. Doch verprellt es die, die nicht von einem unsensiblen, hemdsärmligen Macho regiert werden wollen. Das war ein Eigentor.

Lesen Sie auf Seite 2 die Gegenposition von Lenz Jacobsen.

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Kommentare

639 Kommentare Seite 1 von 92 Kommentieren

Wenn das richtig wäre

dann ist der Steinbrück echt ein ermes Tier. Wobei selbst mir dann das Mitleid ausgeht denn irgendwann sind die grenzen erreicht. Soll er den Stinkefinger zeigen wenn es für sein Ego gut ist. Aber nicht über das Volk spotten was wohl deutlich weiter ist in der realität. Weil es sieht: SPD ist Pannepartei und bringt nichts auf die Reihe. CDU hat 8 Jahre regiert mit Erfolg. Da konnte sogar 4 Jahre die Klein-SPD mitmischen. kein Problem, weil man hat eh nichts davon gemerkt. So sieht es nämlich aus und aus der Richtung läuft der Hase, meine ich.

Keine Beleidigung, aber auch keine Empfehlung für höhere Ämter.

Herr Steinbrück richtet sich mit dem Bild, auf dem er in obszöner Geste zu sehen ist, nicht an einen bestimmten Personenkreis. Mangels Adressaten fehlt es daher an einer Beleidigung.

Die Diskussion, ob Herr Steinbrück die Wähler nun beleidigt oder nicht, ist eine Scheindiskussion, die von der eigentlich wichtigen Frage ablenken soll, nämlich ob er sich dadurch als künftiger Bundeskanzler empfiehlt oder nicht.

Die Antwort ist klar: Nein. Buschido redet auch Klartext, aber niemand käme mit diesem Argument auf die Idee, dies würde ihn für leitende Funktionen in der Politik empfehlen.

Respektlos und deplaziert

ist IMHO die mediale Hetze gegen Steinbrück gewesen. [...]

Und jetzt zeigt Steinbrück den Veranstaltern der Kampagne den Stinkefinger, völlig zurecht. Wer fühlt sich beleidigt? Die, die vorher ausgeteilt haben, und immer noch austeilen.

Übrigens, weil bei der Geste immer auch die außenpolitische Wirkung erwähnt wird: Frau Merkel ist "Madame No" in der EU. Und wenn auf dem G20-Gipfel die USA und ihre Vasallen beschließen, was sie gegen Syrien tun, wird Madame No gar nicht eingeladen. Frau Merkel hat so vielen Leuten durch ihre abwartende, nichts entscheidende Haltung den Stinkefinger gezeigt, hat dem Ansehen Deutschlands in Europa geschadet wie niemand sonst in den letzten 70 Jahren.

Gekürzt. Bitte verzichten sie auf geschmacklose und diffamierende Polemik sowie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/sam

Was sind sie den für ein Journalist..

Es ging nur um die Spitznamen, und nicht um die Rechtspresse also bitte nichts beschönigen!
Aus dem Focus:
„Ein Interview ohne Worte“ – so heißt eine langjährige Reihe des SZ-Magazins. Die „Gesprächspartner“ beantworten darin Fragen mit Gesten statt mit Worten. Im aktuellen Heft vom Freitag ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an der Reihe. Eine Antwort von ihm könnte so manche Genossen sprachlos zurücklassen.

Steinbrück macht dabei eine eindeutige Geste: den Stinkefinger. Die Frage dazu lautet: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“