Pro und Contra : Beleidigt Steinbrücks Mittelfinger die Wähler?
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Die Gegenposition: Endlich, die Zielscheibe schießt zurück!

Endlich schießt die Zielscheibe zurück, schreibt Lenz Jacobsen. Der Mittelfinger ist die passende Antwort auf die Häme der vergangenen Monate. 

Steinbrück zeigt den Mittelfinger! Diese Geste markiert den bisherigen Wahlkampfhöhepunkt. Sie ist Steinbrücks stärkstes Ausrufezeichen.

Wer das als Wählerbeleidigung missverstehen will, zeigt damit, dass er die Wähler für dümmer hält, als sie sind.

Denn Steinbrück zeigt den Mittelfinger ja nicht ihnen. Er antwortet damit auf eine Frage in der "Sagen Sie jetzt nichts"-Reihe des SZ Magazins, die nur Gesten als Antworten erlaubt. Die zugehörige Frage steht direkt unter dem Bild; sie zu übersehen erfordert Böswilligkeit. Sie lautet: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?"

Lenz Jacobsen

Lenz Jacobsen ist Redakteur im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die Frage greift geschickt all die Häme und all den Spott auf, den der Kanzlerkandidat ertragen musste. Er verdient Geld als Redner? Schlimm! Er trinkt keinen Aldi-Wein? Frech! Einer seiner Berater hat mal für einen Investmentfonds gearbeitet? Skandal!

In Teilen der Öffentlichkeit, wohlgemerkt nur in Teilen, hat sich schon in den ersten Wochen von Steinbrücks Kanzlerkandidatur eine Hetzstimmung breitgemacht, die über das normale Ausmaß medialer Empörung weit hinausging.

Bisher hat Steinbrück dazu geschwiegen und sich angepasst. "Ich bin ja öfters mal unbequem" sagte er bei Wahlkampfveranstaltungen grinsend – und war es dann nie. Seine vermeintliche Raubeinigkeit, seine einst so unverstellte Sprache, sie war nur noch Koketterie. Das Korsett des Wahlkampfs hat ihm seine Eigenarten genommen.

Nun also, im Endspurt, platzt es aus ihm heraus, kalkuliert natürlich, aber eben auch mit einer guten Portion Ironie. Er ruft seinen Kritikern zu: Ihr könnt mich mal! Die Zielscheibe schießt zurück. Ob ihm das tatsächlich nutzt oder schadet, ist offen. Es gibt durchaus eine Stimmung in der Bevölkerung, die den medialen Umgang mit Steinbrück für unangemessen hält. Wenn er Glück hat, ist der Stinkefinger ein populistischer Volltreffer.

Man muss Steinbrück nicht bemitleiden für das, was er aushalten musste, er hat es sich ausgesucht, und es gibt Schlimmeres als Kanzlerkandidat zu sein. Aber man sollte ihm zugestehen, dass er zeigt, was er von Hetze hält. Er hat so reagiert, wie viele an seiner Stelle reagiert hätten.

Wie oft heißt es, Politiker sollten doch bitte natürlicher sein, menschlicher, unverstellter. Ach, wären sie doch nur wie wir! Doch sind sie es mal, ertragen wir es nicht.

Diejenigen, die nun beleidigt nach Luft schnappen, machen im Grunde nur deutlich, dass sie nicht von Politikern gestört werden wollen. Sie sollen uns mal vom Leib bleiben mit ihren Emotionen und Provokationen und ihrer Ironie. Wer jetzt beleidigt ist, zeigt damit, dass er die Politiker genau in der rhetorischen, beliebigen Wattebäuschchen- und Floskel-Zone einsperren will, die er so routiniert beklagt. Das ist zu bequem.

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Kommentare

639 Kommentare Seite 1 von 92 Kommentieren

Wenn das richtig wäre

dann ist der Steinbrück echt ein ermes Tier. Wobei selbst mir dann das Mitleid ausgeht denn irgendwann sind die grenzen erreicht. Soll er den Stinkefinger zeigen wenn es für sein Ego gut ist. Aber nicht über das Volk spotten was wohl deutlich weiter ist in der realität. Weil es sieht: SPD ist Pannepartei und bringt nichts auf die Reihe. CDU hat 8 Jahre regiert mit Erfolg. Da konnte sogar 4 Jahre die Klein-SPD mitmischen. kein Problem, weil man hat eh nichts davon gemerkt. So sieht es nämlich aus und aus der Richtung läuft der Hase, meine ich.

Keine Beleidigung, aber auch keine Empfehlung für höhere Ämter.

Herr Steinbrück richtet sich mit dem Bild, auf dem er in obszöner Geste zu sehen ist, nicht an einen bestimmten Personenkreis. Mangels Adressaten fehlt es daher an einer Beleidigung.

Die Diskussion, ob Herr Steinbrück die Wähler nun beleidigt oder nicht, ist eine Scheindiskussion, die von der eigentlich wichtigen Frage ablenken soll, nämlich ob er sich dadurch als künftiger Bundeskanzler empfiehlt oder nicht.

Die Antwort ist klar: Nein. Buschido redet auch Klartext, aber niemand käme mit diesem Argument auf die Idee, dies würde ihn für leitende Funktionen in der Politik empfehlen.

Respektlos und deplaziert

ist IMHO die mediale Hetze gegen Steinbrück gewesen. [...]

Und jetzt zeigt Steinbrück den Veranstaltern der Kampagne den Stinkefinger, völlig zurecht. Wer fühlt sich beleidigt? Die, die vorher ausgeteilt haben, und immer noch austeilen.

Übrigens, weil bei der Geste immer auch die außenpolitische Wirkung erwähnt wird: Frau Merkel ist "Madame No" in der EU. Und wenn auf dem G20-Gipfel die USA und ihre Vasallen beschließen, was sie gegen Syrien tun, wird Madame No gar nicht eingeladen. Frau Merkel hat so vielen Leuten durch ihre abwartende, nichts entscheidende Haltung den Stinkefinger gezeigt, hat dem Ansehen Deutschlands in Europa geschadet wie niemand sonst in den letzten 70 Jahren.

Gekürzt. Bitte verzichten sie auf geschmacklose und diffamierende Polemik sowie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/sam

Was sind sie den für ein Journalist..

Es ging nur um die Spitznamen, und nicht um die Rechtspresse also bitte nichts beschönigen!
Aus dem Focus:
„Ein Interview ohne Worte“ – so heißt eine langjährige Reihe des SZ-Magazins. Die „Gesprächspartner“ beantworten darin Fragen mit Gesten statt mit Worten. Im aktuellen Heft vom Freitag ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an der Reihe. Eine Antwort von ihm könnte so manche Genossen sprachlos zurücklassen.

Steinbrück macht dabei eine eindeutige Geste: den Stinkefinger. Die Frage dazu lautet: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“