Das einzige Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück bleibt ohne klaren Sieger: Darin sind sich die Bürger mit den Kommentatoren einig. Dort zeigen sich viele enttäuscht vom SPD-Kanzlerkandidaten, dem es laut Stuttgarter Zeitung trotz seiner rhetorischen Überlegenheit nicht gelang, Merkels "Panzer aus freundlich-unverbindlichen Sätzen wirklich zu knacken." Andere Zeitungen kommen zu folgendem Urteil:

Frankfurter Allgemeine Zeitung:
"Wo ist der Stier? Peer Steinbrück wirkte von Anfang an wie ein Herausforderer, der mit sich selbst zufrieden ist – auch seine 'Klartext'-Kampagne ist als unterhaltsame Lehrstunde inszeniert, als Frage-Antwort-Spiel, aber nicht als Phalanx gegen das Kanzleramt. (...) Angela Merkel tat und tut alles, um elegant allem auszuweichen, was ein Duell zu einem Duell machen könnte und sie zwänge, die Aura der Amtsinhaberin abzulegen."

Berliner Zeitung:
"Steinbrück hat das Duell überlebt. In Wahrheit haben wir ein schönes Paar für die Neuauflage der großen Koalition erlebt. Zwei, die einander necken und mögen. Wieder kein Wahlkampf."

Mittelbayerische Zeitung:
"Steinbrück mag vielleicht auf verlorenem Posten kämpfen. Aber zumindest kämpft er. Und das macht er richtig gut. (...) Steinbrücks einzige Chance lag darin, zu zeigen, dass es noch etwas anderes gibt als eine Weiter-so-Republik. Gestern Abend hat er sie genutzt. Die Zeit arbeitet gegen ihn."

Südwest Presse:
"Präsidial, zum Teil fast gönnerhaft, präsentierte die Kanzlerin staatsmännisch die Bilanz ihrer Regierungszeit. Bissig, im Lauf der Sendung immer aufbrausender griff Steinbrück seine Gegnerin an. Am Ende aber zerschellten die Attacken am Gelassenheits-Bollwerk einer siegessicheren Kanzlerin."

Neue Osnabrücker Zeitung:
"Steinbrück schaffte einen guten Auftritt – manchmal war er so witzig wie früher, bevor die SPD ihn in die Kandidaten-Zwangsjacke steckte. Er sprach mit der Präsidial-Kanzlerin Angela Merkel auf Augenhöhe, sehr zurückgenommen und fair. Dies half ihm, verlorenes Ansehen wiederzugewinnen. Aber hilft ihm das ins Kanzleramt? Nein."

Badisches Tagblatt:
"Steinbrück zeigte sich deutlich angriffslustiger, wollte die 'vielen bunten Schachteln', die Merkel ins Schaufenster gestellt habe, entzaubern. Sie ließ sich davon nicht weiter beeindrucken und konterte mit ziemlich emotionslosen Berichten aus der Regierungsarbeit. Eine Wende im Wahlkampf war das nicht."

Stuttgarter Zeitung:
"Steinbrück ist im TV-Duell rhetorisch überlegen. Er formuliert frecher, zupackender als Merkel. Er greift sie forsch an, ohne zu überziehen oder populistischen Versuchungen zu erliegen. (...) Merkels stärkstes Argument ist für ihn nicht breitenwirksam zu widerlegen: Acht Jahre mit Merkel in der Berliner Regierungszentrale waren für die meisten Deutschen keine schlechten Jahre. Dieses erfahrungsgesättigte Weiter-So ist Merkels wichtigste Botschaft – und sie überlebt dieses TV-Duell."

Rhein-Neckar-Zeitung:
"Nach dem Duell ist vor dem Duell. Und dass nach einer halben Stunde die Meldung über den Agenturticker lief, Merkel habe zum ersten Mal in diesem Wahlkampf ihren Herausforderer beim Namen genannt, das sagt sehr viel aus über das Niveau, auf dem in Deutschland in diesen Tagen über Politik diskutiert wird."

Leipziger Volkszeitung:
"Die vier TV-Moderatoren haben dabei ihre Sache gut gemacht, und Stefan Raab war eine Bereicherung der Runde, ganz ohne Krawatte."

Bild:
"Raab gewinnt TV-Duell! (...) Der Pro-Sieben-Moderator brilliert ohne Krawatte, ohne dumme Sprüche, ohne Firlefanz. Und ließ dabei die Kollegen von ARD, ZDF und RTL ganz schön alt aussehen. Mit klaren, knappen Fragen brachte Raab die Duellanten mächtig ins Schwitzen."

Marc Brost, dem Leiter des ZEIT-Hauptstadtbüros, fiel dazu dies ein: