Wahlplakate zeigen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) © Sean Gallup/GettyImages

So läuft das nach TV-Duellen. Jede Seite feiert den eigenen Kandidaten überschwänglich und weidet sich am vermeintlich schwachen Auftritt des Gegners. Mit harten Fakten muss das nicht viel zu tun haben, wie sich am Sonntagabend bei Hermann Gröhe beobachten ließ. Die Zuschauer sähen Angela Merkel "als klare Siegerin", jubelte der CDU-Generalsekretär, als das Duell kaum vorüber war. Wie kam er darauf?

Er bezog sich auf eine Halbzeit-Umfrage des ZDF, in der die Kanzlerin tatsächlich vorn lag, allerdings keinesfalls so klar wie suggeriert. In den Halbzeit-Umfragen der anderen TV-Sender wurden Merkel und Steinbrück da schon etwa gleich stark bewertet. Am Ende des Abends gewann dann Steinbrück sogar die meisten Umfragen, wenn auch ebenfalls meist knapp. Markant war sein Vorsprung bei einer Gruppe, um die es beiden Kontrahenten besonders ging: den Unentschlossenen.

Was allerdings bringt das der SPD? Wird das TV-Duell noch einmal Dynamik in einen Wahlkampf bringen, in dem die Union und die Kanzlerin bislang schier uneinholbar vorn lagen? Und in dem Steinbrück in erster Linie als chancenloser und somit nicht ernst zu nehmender Pannen-Produzent rezipiert wurde. Immerhin haben sich nun fast 20 Millionen Menschen selbst einen Eindruck von den beiden Kandidaten machen können. Für nicht wenige wird das Duell der Auftritt gewesen sein, den sie in diesem Wahlkampf erleben. Da kann allerlei hängenbleiben. 

Die SPD hofft natürlich darauf. "Das Rennen" sei jetzt wieder "offen", sagte hinterher Andrea Nahles, ebenfalls im schönsten Generalsekretär-Sprech. Steinbrück habe endlich im direkten Duell zeigen können, dass er der Kanzlerin überlegen sei, was Rhetorik, Tatendrang und Reformideen anbelange. Mehrere Spitzengenossen bedienten sich am Abend der alten Schröder-Logik von 2005, nach der es schon ein großer Sieg ist, wenn man deutlich besser abschneidet als von den Umfragen vorher erwartet.

Die zentrale Interpretationslinie

Die SPD-Spitze setzt nun vor allem auf eine Mobilisierung des eigenen Lagers. All jene potenziellen Wähler, die bisher vom Wahlkampf und der Berichterstattung genervt gewesen seien, könnten nun, animiert durch das Duell, womöglich umdenken und doch zur Wahl gehen. Die zentrale Interpretationslinie gaben die führenden Genossen schon während des Duells via Twitter vor: Klartext-Peer vs. Schwafel-Merkel. Man wird das in den verbleibenden drei Wahlkampf-Wochen noch häufiger hören.

Der Union wird dagegen daran gelegen sein, dass das TV-Duell möglichst schnell in Vergessenheit gerät. Getreu der bisherigen Wahlkampfstrategie: so wenig Kontroverse wie möglich. Über Steinbrück zu lange zu sprechen, hieße ihn aufzuwerten. Die Kanzlerin hat ihn und seine Vorstöße bisher im Wahlkampf weitgehend ignoriert, und wird daran auch künftig nichts ändern. Schon vor dem Duell hieß aus der Union vorsorglich, dass der eloquente Steinbrück womöglich punkten könnte, dass das aber für den Wahlkampf und Merkels Popularität rein gar nicht zu bedeuten habe. So eine große Wirkung habe das Format auf die Wahlentscheidung nun auch nicht, wie die Vergangenheit gezeigt habe