Letzte Umfragen : Es wird knapp für Schwarz-Gelb

Zwei Tage vor der Wahl zeichnen drei Umfragen ein letztes Stimmungsbild. Es könnte äußerst knapp werden am Sonntag, in einer Umfrage liegt Schwarz-Gelb hauchdünn vorn.
Ein Briefwähler hat im Rathaus in Berlin-Pankow seine Stimme für die Wahl 2013 bereits abgegeben. © John Macdougall/AFP/GettyImages

In letzten Umfragen vor der Bundestagswahl zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen zwischen Regierungslager und Opposition am Sonntag ab. In einer Emnid-Umfrage für die Bild am Sonntag haben Union und FDP mit 45 Prozent einen hauchdünnen Vorsprung vor der Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei, die zusammen 44 Prozent erreichen. Die Umfragen von Allensbach und Forsa sagen dagegen ein Patt mit jeweils 45 Prozent für Schwarz-Gelb und Opposition voraus. Die euro-feindliche Alternative für Deutschland (AfD) kommt in keiner der Umfragen über die Fünfprozenthürde und wäre damit nicht im Bundestag vertreten. 

Die Emnid-Erhebung ist die jüngste der Umfragen. CDU/CSU kommen demnach wie in der Vorwoche auf 39 Prozent. Die FDP legt einen Punkt zu auf sechs Prozent. Die SPD kommt unverändert auf 26 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt auf neun Prozent. Die Linke kommt wie in der Vorwoche auf neun Prozent. Die euro-kritische Partei AfD bleibt bei vier Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag verpassen.  

Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sprach in der Bild am Sonntag von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit ungewissem Ausgang. "Der denkbar knappe Vorsprung von Schwarz-Gelb ist geringer als die statistische Fehlertoleranz der Umfrage." Sie liege bei rund zwei Prozent für die Volksparteien und bei etwa 1,5 Prozent für die kleineren Parteien. 

Der Allensbach-Umfrage zufolge muss die schwarz-gelbe Regierungskoalition um die Mehrheit bei der Bundestagswahl zittern. In der Erhebung für die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommt die Union auf 39,5 Prozent. Die FDP würde mit 5,5 Prozent den Einzug in den Bundestag schaffen. Die SPD wird bei 27 Prozent gesehen, Grüne und Linke jeweils bei neun Prozent. Die AfD würde mit 4,5 Prozent knapp nicht in den Bundestag kommen.

Somit kommen Regierungs- wie Oppositionslager jeweils auf 45 Prozent. Gleiches hatte auch eine Forsa-Umfrage für RTL Aktuell ergeben. Die Zahlen unterscheiden sich nur geringfügig bei der Verteilung in den jeweiligen Lagern: Für CDU/CSU sprachen sich 40 Prozent aus, für die FDP fünf Prozent. Die SPD erhielt mit 26 Prozent einen Punkt mehr, die Grünen können mit jetzt zehn Prozent ebenfalls einen Punkt zulegen, während die Linke mit neun Prozent einen Punkt verliert. Auf die AfD entfallen vier Prozent.

Steinbrück gewinnt leicht hinzu

Forsa fragte auch den direkten Vergleich zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück ab. Könnten die Bürger direkt wählen, würden sich demnach 54 Prozent für Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) entscheiden (minus eins) und 28 Prozent für Steinbrück (plus zwei).

Damit hat die Kanzlerin beste Aussichten auf ihre Wiederwahl, offen bleibt aber ihr Koalitionspartner. Möglich wäre neben Schwarz-Gelb auch die Neuauflage einer Großen Koalition oder erstmals Schwarz-Grün. Ein rot-rot-grünes Bündnis schließt die SPD aus, weshalb die SPD den Umfragen zufolge keine Machtoption hat. Denn die von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück angestrebte rot-grüne Koalition ist kaum wahrscheinlich.

Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte die Umfragen so kurz vor der Wahl. "Die täglichen Wasserstandsmeldungen der jeweils neuen Ergebnisse bis zum Wahltag halte ich nicht für eine Errungenschaft", sagte der CDU-Politiker. Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter sieht dagegen keinen Grund zur Beanstandung.

In den vergangenen Jahren war es üblich, in der Woche vor der Wahl keine neuen Umfragen mehr zu veröffentlichen. Das öffentlich-rechtliche ZDF hatte allerdings am Donnerstagabend neue Umfrageergebnissen veröffentlicht.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

123 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Adenauer: Kampf gegen Stimmberechtigung Berlins.

Die Legende von Adenauers eigener Stimme muss doch etwas revidiert werden: - es gab einen Überläufer der Opposition,
- er hat wie ein Löwe dafür gekämpft, dass die Berliner Abgeordneten nicht wahlberechtigt waren.
Vgl. Johann Jacob Kindt-Kiefer „Es drehte sich darum, in welcher Weise von Frankreich aus Adenauer und seiner Partei Wahlhilfe geleistet werden könnte. […] Adenauer schlug vor, Frankreich möge sich dafür einsetzen, daß West-Berlin nicht der Bundesrepublik angeschlossen werden solle, weil sonst die Gefahr eines sozialdemokratischen Übergewichts in Westdeutschland entstünde…“

Wenn Umfragen bänden, hätten wir längst die Große Koalition...

Wenn sich Parteien Umfragen fügen müssten, hätten wir schon mindestens 2 1/2 Jahre lang eine Große Koalition, seit spätestens Anfang 2011 ist dies mit Abstand die meistgewünschte Koalition im Politbarometer. Leider konnte das Frau Merkel ganz gut ignorieren bislang.

Theoretisch kann die SPD also im Falle eines Falles auch Rotrotgrün oder Rotgrün-CSU ohne CDU, Ampel oder was auch immer probieren, wenn es eine Mehrheit dafür gibt.
Allerdings ist die SPD da sehr berechenbarer, sie wird eher die Große Koalition eingehen, dort positiv gestalten - und dafür dann nach 4 Jahren abgewatscht werden, wie es schon einmal war.
Schwarzgrün halte ich für sehr unwahrscheinlich, denkbar ist dies aber auch.

Theoretisch denkbar - praktisch nicht

Zitat: "Ihr Vorschlag ist nett gemeint, verträgt sich aber leider nicht mit der Realität; und nicht mit der Verfassung ! Der Kanzler wird für 4 Jahre vom Parlament gewählt; abgewählt werden kann er nur durch ein konstruktives Mißtrauensvotum. Welcher Politiker setzt sich dem freiwilig aus ?"

Das Parlament kann ihn/sie nur durch ein Mißtrauensvotum abgewählen, da haben Sie recht - aber selbstverständlich kann der/die Kanzler(in) jederzeit zurücktreten. Keine Verfassung nagelt den/die Amtsinhaber(in) unentrinnbar an den Kanzlerstuhl.

Theoretisch wäre eine Koalitionsvereinbarung möglich, dass sich die Koalitionsparteien auf eine Teilung der Amtszeit einigen - erste Häfte SPD, zweite Hälfte CDU.

Politisch ist der Vorschlag aber sehr abwegig. Warum sollte die CDU freiwillig auf die Kanzlerschaft verzichten, wenn sie stärkste Partei ist und mindestens zwei Koalitionsoptionen hat?

Man erinnere sich: 2005 legitimierte die CDU ihren Anschruch auf das Kanzleramt mit einem Vorsprung von nur etwa 300.000 Wählerstimmen.

Nicht vergleichbar!

Zitat: "Was war mit Gerhard Schröder? es war doch genau so, wie ich es geschrieben habe !"

Gerhard Schröder hat die Vertrauensfrage gestellt mit dem Ziel, formal kein Vertrauen ausgesprochen zu bekommen, damit der Bundespräsident das Parlament auflösen konnte. Ziel war die Auflösung des Bundestages.

Das war - wie übrigens bei Helmut Kohl 1982 - verfassungsrechtlich sehr problematisch. Der Bundespräsident kann das Parlament nur auflösen, wenn sich gezeigt hat, dass im Parlament keine Kanzlermehreit mehr zustande kommen kann. Diese verfassungsrechtliche Voraussetzung war materiell weder 1982 noch 2005 gegeben.

Sag ich doch,

es verträgt sich nicht mit der politischen Realität ! Selbstvertsändlich könnte man im Koalitionsvertrag eine solchen Wechsel im Kanzleramt (durch Rücktritt) vereinbaren, aber das wäre politischer Selbstmord. Vor allem für den ersten, der zurücktreten soll.
Ausserdem, sollte man doch noch folgendes berücksichtigen: Die CDU / CSU
sind 2 Parteien; sie haben zwar eine Fraktionsgemeinschaft, aber die Stärke der einzelnen Parteien sollte herausgestellt werden. Ist die CDU dann wirklich die stärkste PARTEI ?