Serie Wahlbeobachter"Politiker passen nicht zu Facebook"

Die Schülerin Charlotte Bartels wünscht sich klarere Botschaften im Wahlkampf. Aber bitte nicht in den sozialen Netzwerken. Die Plakate sind ihr auch zu inhaltsarm.

© Andreas Prost

Die meisten Wahlplakate gefallen mir nicht: zu viele Floskeln, zu wenig Inhalt. Wenn auf einem Großplakat unter dem Bild von Angela Merkel steht "Deutschland ist stark. Und soll es bleiben", sagt mir das gar nichts. Worin ist Deutschland stark? Wie soll es das bleiben? Da finde ich die Plakate von den Piraten schon besser. Auf denen stehen konkrete Forderungen. Selbst wenn ich die nicht immer teile, aber das Plakat sagt mir wenigstens, wofür die Partei steht.

Im Radio habe ich schon mehrmals die Wahlwerbespots der Republikaner und von Pro Deutschland gehört und ich bin erschüttert, dass so etwas gesendet werden darf, ja sogar muss. Da werden Dinge gesagt, zum Beispiel über die Einwanderungspolitik in Deutschland, die einfach nicht stimmen.   

Anzeige
Wahlbeobachter

Sie leben in Deutschland, können aber nicht wählen. Weil sie zu jung sind oder keinen deutschen Pass haben. Trotzdem haben sie natürlich Vorstellungen davon, wie sich das Land, in dem sie leben, entwickeln soll. ZEIT ONLINE hat vier dieser Menschen ausgewählt: ein Kioskbesitzer aus Berlin-Neukölln, eine spanische Journalistin, eine Schülerin und ein Unternehmer mit Flüchtlingspass erzählen. Sie sind unsere "Wahlbeobachter". In loser Folge erzählen sie, wie sie den Wahlkampf wahrnehmen.

Die Wahl ist auch ein großes Thema in meiner Klasse. Einige meiner Mitschüler sind in Jugendorganisationen von Parteien und politisch sehr engagiert. Sie posten auf Facebook manchmal Artikel über ihre Parteien oder politische Statements. Das finde ich gut, Facebook ist der richtige Ort dafür, zumindest, wenn ich die Leute persönlich kenne, die da posten. Dass Politiker auf Facebook sind, finde ich allerdings komisch.

Für mich passt das nicht zusammen: ein älterer Politiker und ein junges Medium. Außerdem stört es mich, zu wissen, dass die Politiker ihre Profile meist gar nicht selbst pflegen, sondern ihren Mitarbeitern übergeben. Das wirkt unecht. Ich will auf Facebook einfach keine politischen Floskeln lesen. Für mich ist Facebook in erster Linie ein Unterhaltungs- und kein Informationsmedium.

Guter Wahlkampf bedeutet für mich, dass es viele Möglichkeiten gibt, mit Politikern direkt ins Gespräch zu kommen. Nicht an einem Infostand, wo mir jemand Gummibärchen mit dem Parteilogo aufdrückt, sondern in Diskussionsrunden. Ich war neulich auf einer mit den Spitzenpolitikern aus meinem Bezirk Pankow. Meine Eltern hatten davon in der Zeitung gelesen, wir sind zusammen hingegangen. Es sollte mehr solcher Gespräche geben. 

Aufgezeichnet von Anne Fromm

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Im Radio habe ich schon mehrmals die Wahlwerbespots der Republikaner und von Pro Deutschland gehört und ich bin erschüttert, dass so etwas gesendet werden darf, ja sogar muss. Da werden Dinge gesagt, zum Beispiel über die Einwanderungspolitik in Deutschland, die einfach nicht stimmen."

    So ist das nunmal in einer Demokratie. Die Parteien sind nicht verboten, also werden sie wie jede andere Partei in Deutschland behandelt. Ob die Dinge, die diese von sich geben, richtig sind, ist hierbei ziemlich egal. Wenn man den Maßstab der Wahrheit anlegen würde, wäre der Bundestag wohl relativ leer. Verschiedene Meinungen machen die Demokratie aus, auch wenn diese Müll sind.

    Ich persönlich sehe kein Problem mit Parteien/Politikern auf Facebook. Jeder hat die Wahl, ob er die Seite liken will oder nicht.

    Meiner Meinung nach ist es auch kontraproduktiv die Plakate der Parteien zu kritisieren. Wenn Ihnen die Aussagen nicht gefallen, wählen Sie jemand anders. Der Mehrheit der Deutschen will sich nunmal auf Merkel verlassen und erwartet von ihr keine Statements oder Meinungen. Das müssen Sie nunmal akzepieren.

    3 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 09. September 2013 14:34 Uhr

    ...damit Politiker später nicht hören müssen sie hätten etwas versprochen das sie nicht gehalten haben.
    Wir wählen ja auch nicht die Politik die in unserem Namen gemacht wird.
    Wir wählen die Gruppe die über uns herrschen wird, was die machen werden wissen die selber erst wenn sie eine Entscheidung treffen müssen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lxththf
    • 09. September 2013 14:42 Uhr

    unfreien Sklaven der Machtelite. So, oder so ähnlich klingt es leider in viel zu vielen Kommentaren durch, die von einer hohen Politikverdrossenheit zeugen.

    Ich teile diese Ansicht nicht, denn wir haben die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, uns zu engagieren und wie der Artikel zeigt, machen das auch junge Leute. Sei dies nun in Parteien oder Verbänden, Vereinen oder Initiativen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und für die Politiker möchte ich an dieser Stelle auch eine Lanze brechen. Geschichte ist ein fortlaufender Prozess. Erst mit Abstand wird man erkennen können, ob Entscheidungen richtig oder falsch waren (manchmal weder noch). Diesen Luxus haben Politiker nicht. Sie müssen in Echtzeit Entscheidungen fällen und das erinnert immer so ein bisschen an ein Fußballspiel und den Schiedsrichter. Wir, die Zuschauer bekommen Wiederholung aus verschiedensten Perspektien nach einem Ereignis geliefert. Der Schiri muss die Entscheidung in dem Moment fällen und kann nicht immer richtig liegen.

    Zum Artikel selbst. Junges Medium, alte Menschen? Das seh ich anders. Die facebookAuftritte der Parteien bieten eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, sich zu informieren. Gleiches gilt auch bei Politikern. Bürgernaher Wahlkampf ist das eine. Mir wäre es lieber, Politiker wären in den gesamten vier Jahren bürgernah, würden ganzjährig zu Diskussionen einladen (was genügend in den Städten auch machen). Das stört mich am Wahlkampf. Es ist ein bisschen wie ein political overload.

  2. Leider ist es so, dass nicht mehr Wahlkampf sondern Wahlwerbung betrieben wird, Agenturen erfinden schön klingende Floskeln die dann Plakate schmücken und das Stadtbild für ein Monat verschandeln.

    Der Wähler ist mehr und mehr selbst gefordert sich zu informieren, hier muss ich dem Artikel widersprechen, wenn man will findet man genug Information zu der Partei und zu den jeweiligen Politikern. Vor allem in der Zeit des Internets ist es nicht schwer sich ein Bild der politischen Lage, und Lager zu machen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lxththf
    • 09. September 2013 14:52 Uhr

    Plakate sind out. Ich glaube nicht, dass diese die Entscheidung eines Wählers beeinflussen. Weder Stammwähler, noch Wechselwähler, noch Unentschlossene, noch Wahlverdrossene.
    Da sind Infostände das deutlich bessere Medium, genauso, wie Polittalkshows (wenn sie denn ernst genug geführt werden). Genial wären mehr OnlineZeitungsDisputationen, in denen die Redakteure, ähnlich wie beim Rededuell moderieren und nicht nur analysieren.
    Das größte Ärgernis des neuzeitlichen Wahlkampfes, auch wenn es eher ein begleitendes Phänomen ist, sind die Unmengen an Umfragen und das auch das ganze Jahr über. Die Meinung von 1000 Leuten in allen Ehren, aber die Wahl entscheidet am Ende und die Stimmungsbarometer sind selten zuverlässig, denn für die Befragten ist es in der Regel ein schönes Ventil.

    Ich bin gespannt, ob die Parteien irgendwann auf den Trichter kommen, dass die konservativen Wahlwerbemethoden überholt sind. Und was die Firmen betrifft, die Wahlspots erstellen. Sehr lustig in diesem Kontext: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/fdp-npd-wahlspot-familie-...
    Das sagt sehr viel über die Art der Werbespots aus.

  3. Diese Formulierung "Ich will auf Facebook einfach keine politischen Floskeln lesen." könnte den Schluss zulassen, dass dem so ist. Ist es aber nicht.

    Und das hier

    "Für mich ist Facebook in erster Linie ein Unterhaltungs- und kein Informationsmedium."

    haut mich dann echt vom Sockel. Mag ja sein, dass das für die Autorin so ist; das sollte aber nicht verallgemeinert werden.

    Jetzt würde ich gerne auf der "Jugend von heute" rumhacken. Das mache ich aber nicht, weil wir in unserer Jugend genau solchen Lötzinn auch verzapft haben. Wir hatten nur kein Medium, diesen Lötzinn bundesweit zu verbreiten und haben uns deshalb wohl auch nicht so wichtig genommen.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jabessa
    • 09. September 2013 19:02 Uhr

    "Ich will auf Facebook einfach keine politischen Floskeln lesen."
    "Für mich ist Facebook in erster Linie ein Unterhaltungs- und kein Informationsmedium."

    Das sind ja grundsätzlich keine verallgemeinernden Aussagen, die Frage ist eher, was der Leser daraus macht. Schließlich fangen die Sätze an mit "Ich ..." und "Für mich ..." - das macht deutlich, dass die Autorin hier von ihren eigenen Ansichten spricht.

    Solche Texte können doch immer nur einen winzigen Einblick in das Denken bestimmter Gesellschaftsschichten bieten, aber das ist immerhin besser, als gar keinen Einblick zu haben.

    Was mich persönlich mal interessieren würde wäre, warum in aller Welt so viele Menschen CDU wählen ... meist treffe ich nur solche, die sich für SPD/Grüne/Linkspartei/Piraten begeistern können ...

    • lxththf
    • 09. September 2013 14:42 Uhr

    unfreien Sklaven der Machtelite. So, oder so ähnlich klingt es leider in viel zu vielen Kommentaren durch, die von einer hohen Politikverdrossenheit zeugen.

    Ich teile diese Ansicht nicht, denn wir haben die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, uns zu engagieren und wie der Artikel zeigt, machen das auch junge Leute. Sei dies nun in Parteien oder Verbänden, Vereinen oder Initiativen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und für die Politiker möchte ich an dieser Stelle auch eine Lanze brechen. Geschichte ist ein fortlaufender Prozess. Erst mit Abstand wird man erkennen können, ob Entscheidungen richtig oder falsch waren (manchmal weder noch). Diesen Luxus haben Politiker nicht. Sie müssen in Echtzeit Entscheidungen fällen und das erinnert immer so ein bisschen an ein Fußballspiel und den Schiedsrichter. Wir, die Zuschauer bekommen Wiederholung aus verschiedensten Perspektien nach einem Ereignis geliefert. Der Schiri muss die Entscheidung in dem Moment fällen und kann nicht immer richtig liegen.

    Zum Artikel selbst. Junges Medium, alte Menschen? Das seh ich anders. Die facebookAuftritte der Parteien bieten eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, sich zu informieren. Gleiches gilt auch bei Politikern. Bürgernaher Wahlkampf ist das eine. Mir wäre es lieber, Politiker wären in den gesamten vier Jahren bürgernah, würden ganzjährig zu Diskussionen einladen (was genügend in den Städten auch machen). Das stört mich am Wahlkampf. Es ist ein bisschen wie ein political overload.

    Eine Leserempfehlung
  4. wie kann man Fratzebuch nach Snowdens Enthüllungen überhaupt noch benutzen? Ich fasse es nicht!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lxththf
    • 09. September 2013 14:55 Uhr

    irgendein NSA Mitarbeiter meine Nachrichten durchliest? Soll er doch? Nein, im Ernst. Natürlich ist das ein bitterböser Skandal gewesen, aber was auf facebook ist denn in irgendeiner Form lesenswert, oder relevant? Der Eingriff in die Privatssphäre ist ein Bruch mit dem Grundgesetz, aber am Ende ein Verbrechen ohne Opfer. Theoretisch gesehen, könnte man auch die Frage stellen. Was schreiben Sie bei ZeitOnline? Ich glaube, dass ist vielleicht für Geheimdienste viel interessanter Forenbeiträge auszuwerten, anstelle von Liebesmails, oder Verabredungen ;)

    oder nachvollziehbaren Emailadressen?

    anonym-surfen.de

    safe-mail.net

    • lxththf
    • 09. September 2013 14:52 Uhr

    Plakate sind out. Ich glaube nicht, dass diese die Entscheidung eines Wählers beeinflussen. Weder Stammwähler, noch Wechselwähler, noch Unentschlossene, noch Wahlverdrossene.
    Da sind Infostände das deutlich bessere Medium, genauso, wie Polittalkshows (wenn sie denn ernst genug geführt werden). Genial wären mehr OnlineZeitungsDisputationen, in denen die Redakteure, ähnlich wie beim Rededuell moderieren und nicht nur analysieren.
    Das größte Ärgernis des neuzeitlichen Wahlkampfes, auch wenn es eher ein begleitendes Phänomen ist, sind die Unmengen an Umfragen und das auch das ganze Jahr über. Die Meinung von 1000 Leuten in allen Ehren, aber die Wahl entscheidet am Ende und die Stimmungsbarometer sind selten zuverlässig, denn für die Befragten ist es in der Regel ein schönes Ventil.

    Ich bin gespannt, ob die Parteien irgendwann auf den Trichter kommen, dass die konservativen Wahlwerbemethoden überholt sind. Und was die Firmen betrifft, die Wahlspots erstellen. Sehr lustig in diesem Kontext: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/fdp-npd-wahlspot-familie-...
    Das sagt sehr viel über die Art der Werbespots aus.

    Antwort auf "Werbung"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Azenion
    • 09. September 2013 15:39 Uhr

    Bei der Plakatwerbung geht es wohl nicht darum, Wähler zu überzeugen, sondern die Partei überhaupt erstmal in Erinnerung zu rufen, damit der Beworbene sich gedanklich mit der Möglichkeit, sie zu wählen, beschäftigt.

    Die Umfragen betrachte ich weniger als Ärgernis als als moderne Art politischer Propaganda. Es ist seit langem bekannt, daß die rechtslastige "Meinungsforschung" von Allensbach stets die Werte rechter Parteien überhöht, während Forsa eher die linken bevorzugt. Gerade für Parteien, die um die unsäglich undemokratische 5%-Hürde herum krebsen, ist es eine Frage von Sein- oder Nichtsein, ob die Umfragen sie knapp über oder knapp unter 5% einstufen. Knapp drunter, und weitere 2% potentielle Wähler springen auch noch ab, um ihre Stimme nicht per Gesetz dem politischen Gegner zufallen zu sehen.

    • lxththf
    • 09. September 2013 14:55 Uhr

    irgendein NSA Mitarbeiter meine Nachrichten durchliest? Soll er doch? Nein, im Ernst. Natürlich ist das ein bitterböser Skandal gewesen, aber was auf facebook ist denn in irgendeiner Form lesenswert, oder relevant? Der Eingriff in die Privatssphäre ist ein Bruch mit dem Grundgesetz, aber am Ende ein Verbrechen ohne Opfer. Theoretisch gesehen, könnte man auch die Frage stellen. Was schreiben Sie bei ZeitOnline? Ich glaube, dass ist vielleicht für Geheimdienste viel interessanter Forenbeiträge auszuwerten, anstelle von Liebesmails, oder Verabredungen ;)

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Natürlich ist das [NSA, Anm. des Zitierenden] ein bitterböser Skandal gewesen, (...)"

    Nix "gewesen". Bitte. Es ist immer noch einer, und es wird solange ein Skandal bleiben, wie sich die USA und diejenigen, die etwas dagegen tun können, endlich zu Potte kommen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | Facebook | Wahl
Service