Serie WahlempfehlungenFünf gute Gründe für die CDU

Sie wissen nicht, wen Sie wählen sollen? Warum nicht wieder die Kanzlerin? Die ist auch oft unschlüssig, verärgert aber selten die Mehrheit. Teil 1 unseres Parteienchecks von 

Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Für alle Parteien gibt es schließlich gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer Serie zusammengetragen. Heute: was für die Partei der Kanzlerin spricht.

CDU: Da weiß man, was man hat

Manchmal ist es angenehm, beim Bewährten zu bleiben – und sich nicht umstellen zu müssen. Deshalb kaufen viele immer den gleichen Joghurt, fahren Jahr für Jahr an den gleichen Urlaubsort und machen in der Wahlkabine das Kreuz stets an derselben Stelle.

Angela Merkel regiert jetzt schon seit acht Jahren. Man hat sich an sie und ihre Art der Politik gewöhnt. Die mag nicht immer die beste sein, manchmal fehlt eine klare Linie. Aber immerhin weiß man, woran man bei ihr ist. Von ihrem Herausforderer Peer Steinbrück kann man das nicht unbedingt sagen. Er ist spontaner, großsprecherischer und unerfahrener an der Spitze. 

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Bei der CDU dagegen ist ziemlich sicher: Merkel wird ihre Politik und sich selbst nicht groß ändern, was immer auch geschieht.

Deutschland geht es nicht schlecht

Das Land hat schwere Herausforderungen hinter sich, aber auch noch vor sich, wie die Kanzlerin sagen würde. Erst kam die Finanzkrise, dann die Euro- und Schuldenkrise, die noch nicht ausgestanden ist. Dennoch geht es der deutschen Wirtschaft und den meisten Bürgern weiterhin gut: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, die Schulden gehen zurück, die Euro-Zone ist nicht zerbrochen, die deutschen Unternehmen feiern unverändert Exporterfolge. Weshalb daran etwas ändern?

Was will die CDU?

Sie möchte in erster Linie, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt. Bevorzugt mit Schwarz-Gelb, gegebenenfalls aber auch in einer Großen Koalition mit ihr an der Spitze.

Was verspricht die CDU?

Ab 2015 soll der Bund keine Schulden mehr machen. Die Tarifparteien sollen branchenbezogene Mindestlöhne festlegen. Erziehungszeiten sollen bei der Rente künftig auch für vor 1992 geborene Kinder berücksichtigt werden, langjährig Versicherte eine „Lebensleistungsrente“ erhalten. Der Kinderfreibetrag und das Kindergeld sollen erhöht und das Ehegattensplitting um ein Familiensplitting ergänzt werden. Außerdem will die Union fünf Milliarden Euro mehr in den Bau von Fernstraßen investieren. All diese Wahlversprechen stehen jedoch unter Finanzierungsvorbehalt. 

Risiken und Nebenwirkungen

Falls es mit der FDP nicht reicht oder die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, wird die Union mit der SPD Koalitionsgespräche führen. Sollte die sich verweigern, könnte Merkel auch ein Bündnis mit den Grünen versuchen. Ihre Politik dürfte sich dann ändern: Schwarz-Rot könnte den Spitzensteuersatz erhöhen, unter Schwarz-Grün würde die Energiewende wohl schneller vorangehen.

Zugegeben: Die soziale Kluft ist gewachsen, die Löhne und Renten sind kaum gestiegen, die Reichen wurden noch reicher. Aber höhere Steuern und ein gesetzlicher Mindestlohn, die die Opposition fordern, könnten die Konjunktur und Arbeitsplätze gefährden. Und die Politik hat heute ohnehin nur noch begrenzten Einfluss. Deshalb ist politische Zurückhaltung gar nicht so schlecht.

Merkels Politik strengt nicht an

Die meisten Menschen interessieren sich nicht sonderlich für Politik. Bei Merkel und der CDU sind sie da in guten Händen: Sie werden von hitzigen Debatten und öffentlichen Grundsatzdiskussion verschont.

Die CDU ist flexibel

Wenn Merkel merkt, dass ihre bisherige Politik nicht mehr zu halten ist, korrigiert sie sie, wie zum Beispiel bei der Atomkraft, der Wehrpflicht oder den Hilfen für die Euro-Krisenländer. Sie zögert zwar häufig lange, aber am Ende trifft sie meist Entscheidungen, die der Ansicht der Mehrheit entsprechen: gegen Kriegseinsätze, gegen Steuersenkungen und -erhöhungen, gegen Gemeinschaftsschulden der Euro-Länder und für eine liberale Haltung in der Gesellschaftspolitik. So trifft sie recht gut die Stimmung im Land.

Die Union bietet für jeden etwas

Sie sind Hausfrau und kümmern sich gerne um die Kinder? Oder Sie möchten Karriere machen? Sind Sie Rentner, Kleinbürger oder Postmaterialist? Bei der Merkel-Union liegen Sie in allen Fällen richtig. Für die klassischen Familien hat sie das Betreuungsgeld eingeführt, für moderne Frauen und Paare fördert sie den Ausbau der Kinderbetreuung und die Gleichstellung im Beruf. Sie akzeptiert inzwischen sogar gleichgeschlechtliche Partnerschaften, auch wenn sie Hetero-Ehen bevorzugt.

So hält sie es auch sonst: Gymnasium oder Gesamtschule, G8 oder G9? Pkw-Maut oder nicht? Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün? Egal. Hauptsache, die Union bleibt an der Regierung und Merkel Kanzlerin.  

Morgen lesen Sie: fünf gute Gründe für die SPD.

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Leserkommentare
  1. Mir ist schleierhaft, warum so viele Rentner die CDU wählen und gleichzeitig jammern, ihre Rente wäre so klein, dass sie noch Flaschen sammeln müssten. Dann wähle ich doch keine Partei, die in den letzten 8 Jahren zumindest dafür gesorgt hat, dass sich nichts daran ändert.

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    ...über die die meisten von uns für die unerträgliche Blockade von Mindestlöhnen durch die INSM-Erfüllungsparteien CDU- und FDP zahlen werden, in die uns wenige, finanziell potente Lobbyisten reißen:

    Als Ursula von der Leyen bei der gestrigen Plasberg-Politshow das sich abzeichnende Renten-Desaster auch noch mit dem Riester-Debakel zu verteidigen versuchte mit den Worten: "Ich bin dagegen, dass die private Altersvorsorge in die Tonne getreten wird", legte der ebenfalls gestern anwesende Oscar Lafontaine den Finger auf die Wunde: 'Wer angesichts der Finanzmärkte auf die kapitalbasierte Altersrente baut, handelt verantwortungslos': Das bestätigt sich in der Tat schon heute, wo niedrigzins-finanzierte Pleite-Staaten die Finanzcasinos der Reichen - gefüttert u. a. durch vorenthaltene Löhne und somit auch Sozial/Rentenabgaben - retten sollen.

    ...ff...

    • Running
    • 11. September 2013 17:38 Uhr

    Die Gruppe der Rentner ist mit allem drum und dran die Gruppe, der es am besten geht von allen Bevölkerungsschichten aus betrachtet.

  2. 1. Bundespräsidialamt verhunzt
    2. schwächstes Kabinett aller Zeiten
    3. Ausstieg vom Ausstieg
    4. Leipzigerprogramm wird seicht umgesetzt,d.h. die CDU ist nur so sozialdemokratisch wie nötig um halt so lang wie möglich an der Macht zu bleiben
    5. keine eigenen Vorstellungen wie akute,aktuelle und zukünftige Probleme angegangen werden soll und dazu noch eine egal, geht mich nichts an, so lang es unseren Wählern gut geht Mentalität, bei der oft genug die Realität ausgeblendet wird

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    Jeder einzelne Posten ist von der CDU schlecht besetzt. Drei (Wulff, Schavan, Guttenberg) haben sich schon als quasi Betrüger entpuppt, plus Lammert bei dem das wohl nur auf nach der Wahl verschoben wird, weitere haben Affären am Hacken (de Maiziere), Friedrich und Pofalla haben auf ganzer Linie versagt in Sachen Datenschutzaffäre; die besten sind noch die, die überhaupt nichts machen und dadurch nicht auffallen!

    Wenn das noch nicht reicht, um die CDU scheiße zu finden, wie wäre es mit den zunehmenden sozialen Ungerechtigkeiten, gegen die die CDU nichts unternimmt und auch in Zukunft nichts zu unternehmen gedenkt?
    Die finden es okay, wenn Leute für unter 8,50 brutto die Stunde arbeiten!
    Die finden es okay, drittgrößter Waffenexporteur der Welt zu sein!
    Die nehmen die Gefahren der Atomkraft nicht ernst!
    Sogut wie jeder von denen hat Nebeneinkünfte aus Posten in Unternehmen und Konzernen, in deren Sinne sie dann Entscheidungen treffen- ich nenne das Korruption!

    Und das ganze nennen sie dann christlich.

    Und am widerlichsten, also der absolute Gipfel des Zynismus ist dann noch die Selbstgefälligkeit, die mit dem ganzen noch einher geht- Glückwunsch, erfolgreichste Bundesregierung aller Zeiten!

  3. Da weiß ich wieder, weshalb die CDU für mich nicht in Frage kommt.

    35 Leserempfehlungen
  4. Für mich gibt es einen guten Grund die Union zu wählen:

    Sie ist das kleinere Übel neben einer Fraktion von Linken, die tief in die Tasche der Wirtschaft und Leistungsträger greifen will. Wer von den Spitzenkräften der FDP nicht überzeugt ist, sollte deshalb die Union wählen.
    Es wird vielen gehen wie mir: Man geht ohne Begeisterung zur Wahl, weil die Politik, die man vertritt nicht wirklich zur Wahl steht.

    Die Union fährt aber mit langsamerem Tempo in die falsche Richtung als die Grünen, die SPD und die Linken.

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    "Es wird vielen gehen wie mir" ... na DAS hoffen wir mal besser nicht. Sich der "Wahl" zwischen Pest und Cholera zu beugen, _ist keine_ Wahl, das ist nur Abbild der deutschen Politiker-Verdrossenheit und des sich-nicht-informieren-wollens ... Es stehen _genug_ Parteien zur AusWAHL die eben nicht "Pest" oder "Cholera" verheißen ...

    Welche Richtung wäre ihrer Meinung nach denn wünschenswert, dass sie denken, nur das "kleinere Übel" - die CDU - wählen zu müssen?

    "In die Taschen der Leistungsträger greifen", na bis jetzt läuft das ja so, dass die so genannten Leistungsträger sozusagen in unsere Taschen greifen bzw von diesen leben. Entweder sind sie einer dieser ominösen Leistungsträger oder Masochist, dass sie die cdu wählen wollen.

    Ob es unter der CDU zu Steuererhöhungen kommen wird, hängt vermutlich von den Kosten der zukünftigen Europapolitik ab - und da empfinde ich die Politik der CDU/FDP deutlich schlechter, als die Ideen aller anderen Parteien.

    Die CDU kann theoretisch die vernünftigste Innenpolitik aller Zeiten machen; aber wenn die Europapolitik scheitert, dann hat das alles doch keinen Wert.

    Insofern muss man kein Prophet sein, um zu sehen, dass es auch unter der CDU zu Steuerhöhungen kommen wird.

    Zitat: "Sie (Anm: Die Union ist wohl gemeint...) ist das kleinere Übel neben einer Fraktion von Linken, die tief in die Tasche der Wirtschaft und Leistungsträger greifen will."

    Angesichts Investmentbanken-, Steueroasen-, Zinsparadies- und Vetternwirtschafts-Rettereien der Gegenwart schon harter Tobak. Und hat Frau Merkel nach zig Transferpaketen, ESM und Schuldenvergemeinschaftung bankrotter Staatshaushalte nicht gerade erst explizit einer gesonderten Bankenrettungsunion zum gusto Goldman-Sachs & Co. zugestimmt?

    Zitat: "Die Union fährt aber mit langsamerem Tempo..."
    ...in der Tat, die Schuldenschnitte und sonstigen Offenbarungseide (z. B. Slowenienrettung, Zypern-II und Hellas-III etc. gibts erst als Nachtisch zur Bundestagswahl serviert....

    Zitat: "Wer von den Spitzenkräften der FDP nicht überzeugt ist, sollte deshalb die Union wählen."

    Haben Sie gestern Christian Lindner (Plasberg: "Prinz Charles der FDP") erlebt? Daraufhin musste ich doch glatt mal Wikipedia bemühen, um zu sehen, was diese "Spitzenkraft" mit seiner penetranten Selbstdarstellung im eigenen Lebenslauf so zuzuschütten hat und siehe da: Wikipedia entpuppte sich als Fundgrube aller erster Güte, gegen Christian Lindner scheint Guttenberg ein Waisenknabe - tief durchatmen & schmunzeln: http://de.wikipedia.org/w.... So einer will den Menschen den Mindestlohn absprechen?

    Übrigens: 'Schachteln-ins-Schaufenster-Stellerin' U. v. d. Leyen landete gestern bei Plasberg prompt als "Bettvorleger".

  5. Herr Greven ihre Überschriften sind zum Teil Zitate aus den Wahlreden von Herrn Steinbrück und anderen SPD-Politikern, z.B. "Merkels Politik strengt nicht an".

    Das Ganze liest sich als "Ja, aber..."-Artikel.

    Neutraliät liegt Ihnen wohl nicht so, was?

    3 Leserempfehlungen
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    • SvendT
    • 11. September 2013 16:17 Uhr

    Das ist volle Absicht.

  6. Wahnsinn ... die Zeit und Der Postillon ! Spitzensatire !

    25 Leserempfehlungen
  7. Die CDU zu wählen, würde bedeuten, nicht ändern zu wollen. Ich kann mich Posting #1 und #2 nur anschließen. Der deutsche Michel ist aber scheinbar leider so gestrickt: bloß keine Experimente. Lieber alles beim alten Trott lassen - da weiß man wenigstens worüber man sich beschwert.

    Leider gilt selbiges für die CSU, SPD, FDP, B90 Grüne ... austauschbare und inhaltslose, blutleere Gestalten. Politker mit Format? Ausgestorben oder Unerwünscht.

    Oder, um es mit Reinhard Mey zu sagen:
    "Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
    Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
    Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
    Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
    Und ich denk mir, jeder Schritt zu dem verheißnen Glück
    Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
    Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
    Sie nennen es das Volk aber sie meinen: Untertanen"
    (R. Mey "Sei Wachsam")

    16 Leserempfehlungen
    • Marula
    • 11. September 2013 15:50 Uhr

    Anscheinend lebe nur ich in Europa und nur ich habe etwas von einer Krise gehört, die in den letzten Jahren das bestimmende Thema war. Habe ich etwa geträumt, dass es da gar nicht ruhig zu ging und sehr wohl hitzige Debatten statt fanden?

    Es gibt viele Gründe, warum einem vor Merkels Abwahl grauen könnte.
    Ich will keine gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa, keinen Schuldentilgungsfonds und keine kostspieligen Wachstumsprogramme - Rot/Grün will sie.
    Bei den gegenwärtigen Unterschieden in Europa ist es eine Illusion, man könne eine politische Union haben, während die Armutsgrenze in einem Land zehn Mal so hoch ist wie in einem anderen.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | CDU | Peer Steinbrück | Arbeitslosigkeit | Atomkraft | Betreuungsgeld
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