Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Für alle Parteien gibt es schließlich gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer Serie zusammengetragen. Heute: was für die Partei der Kanzlerin spricht.

CDU: Da weiß man, was man hat

Manchmal ist es angenehm, beim Bewährten zu bleiben – und sich nicht umstellen zu müssen. Deshalb kaufen viele immer den gleichen Joghurt, fahren Jahr für Jahr an den gleichen Urlaubsort und machen in der Wahlkabine das Kreuz stets an derselben Stelle.

Angela Merkel regiert jetzt schon seit acht Jahren. Man hat sich an sie und ihre Art der Politik gewöhnt. Die mag nicht immer die beste sein, manchmal fehlt eine klare Linie. Aber immerhin weiß man, woran man bei ihr ist. Von ihrem Herausforderer Peer Steinbrück kann man das nicht unbedingt sagen. Er ist spontaner, großsprecherischer und unerfahrener an der Spitze. 

Bei der CDU dagegen ist ziemlich sicher: Merkel wird ihre Politik und sich selbst nicht groß ändern, was immer auch geschieht.

Deutschland geht es nicht schlecht

Das Land hat schwere Herausforderungen hinter sich, aber auch noch vor sich, wie die Kanzlerin sagen würde. Erst kam die Finanzkrise, dann die Euro- und Schuldenkrise, die noch nicht ausgestanden ist. Dennoch geht es der deutschen Wirtschaft und den meisten Bürgern weiterhin gut: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, die Schulden gehen zurück, die Euro-Zone ist nicht zerbrochen, die deutschen Unternehmen feiern unverändert Exporterfolge. Weshalb daran etwas ändern?

Zugegeben: Die soziale Kluft ist gewachsen, die Löhne und Renten sind kaum gestiegen, die Reichen wurden noch reicher. Aber höhere Steuern und ein gesetzlicher Mindestlohn, die die Opposition fordern, könnten die Konjunktur und Arbeitsplätze gefährden. Und die Politik hat heute ohnehin nur noch begrenzten Einfluss. Deshalb ist politische Zurückhaltung gar nicht so schlecht.

Merkels Politik strengt nicht an

Die meisten Menschen interessieren sich nicht sonderlich für Politik. Bei Merkel und der CDU sind sie da in guten Händen: Sie werden von hitzigen Debatten und öffentlichen Grundsatzdiskussion verschont.

Die CDU ist flexibel

Wenn Merkel merkt, dass ihre bisherige Politik nicht mehr zu halten ist, korrigiert sie sie, wie zum Beispiel bei der Atomkraft, der Wehrpflicht oder den Hilfen für die Euro-Krisenländer. Sie zögert zwar häufig lange, aber am Ende trifft sie meist Entscheidungen, die der Ansicht der Mehrheit entsprechen: gegen Kriegseinsätze, gegen Steuersenkungen und -erhöhungen, gegen Gemeinschaftsschulden der Euro-Länder und für eine liberale Haltung in der Gesellschaftspolitik. So trifft sie recht gut die Stimmung im Land.

Die Union bietet für jeden etwas

Sie sind Hausfrau und kümmern sich gerne um die Kinder? Oder Sie möchten Karriere machen? Sind Sie Rentner, Kleinbürger oder Postmaterialist? Bei der Merkel-Union liegen Sie in allen Fällen richtig. Für die klassischen Familien hat sie das Betreuungsgeld eingeführt, für moderne Frauen und Paare fördert sie den Ausbau der Kinderbetreuung und die Gleichstellung im Beruf. Sie akzeptiert inzwischen sogar gleichgeschlechtliche Partnerschaften, auch wenn sie Hetero-Ehen bevorzugt.

So hält sie es auch sonst: Gymnasium oder Gesamtschule, G8 oder G9? Pkw-Maut oder nicht? Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün? Egal. Hauptsache, die Union bleibt an der Regierung und Merkel Kanzlerin.  

Morgen lesen Sie: fünf gute Gründe für die SPD.