Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Für alle Parteien gibt es schließlich gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer Serie zusammengetragen. Heute: Was für die Liberalen spricht. Bereits erschienen: Fünf gute Gründe für die CDU, Fünf gute Gründe für die SPD und Vier Gründe für die Grünen.

Liberalismus ist nicht verkehrt

Mit freiheitlicher Politik verbinden viele heute nur noch den ewigen Ruf nach Steuersenkungen. Dabei ist der Liberalismus eine der ältesten und erfolgreichsten politischen Bewegungen. Er stammt aus der Aufklärung und der Auflehnung gegen die Fürstenherrschaft und brachte große Denker und politische Vorkämpfer wie Thomas Hobbes, Ralf Dahrendorf und Gustav Stresemann hervor.  

In der Bundesrepublik hatte er lange eine prägende Bedeutung. Da mittlerweile fast alle Parteien von der Linken bis zur CSU irgendwie etatistisch-sozialdemokratisch denken, wäre eine liberale Kraft, die etwas dagegensetzt und die Freiheit des Bürgers verteidigt, dringend vonnöten.

Dass der deutsche Liberalismus heute von Figuren wie Rainer Brüderle, Dirk Niebel und Guido Westerwelle vertreten wird, dafür kann er ja nichts. Manchmal muss man eine gute Idee selbst vor ihrer Partei retten. Und die eigenen Bedenken zurückstellen.

Die FDP ist putzig

Eine Partei, die sich von einem freundlichen, jugendlich aussehenden Arzt führen lässt, der seine Sätze mit starrem Blick und stakkatohaften Pausen herauspresst, macht einen sympathischen Eindruck, selbst wenn sie sich früher großspurig 18 Prozent auf die Schuhsohlen schrieb. Gegenüber seinem Vorgänger Westerwelle, der sich stets in Autoekstase redete, wirkt dieser Philipp Rösler regelrecht entspannend. Dass er nicht viel zu sagen hat, nimmt man dabei gerne in Kauf. Wann hatte die FDP überhaupt jemals viel zu sagen?

Für die arg gebeutelte Rösler-Truppe spricht außerdem, dass sie aktive politische Resozialisierung betreibt. Dirndl-Liebhaber Brüderle wurde sogar zum Spitzenkandidaten gekürt. Teppichhändler Niebel durfte trotz liebevoller Pflege von Parteiseilschaften Chef des Entwicklungshilfeministeriums bleiben, das er einst abwickeln wollte. Und Westerwelle bekam nach seinem Sturz als Parteichef die Chance, sich als Außenminister zu bewähren.

Gibt es bessere Belege, dass die FDP nicht nur an Unternehmer, sondern auch an Menschen mit Problemen, schlechten Gewohnheiten und ungewisser Zukunft denkt?

Die FDP würde uns doch fehlen

Wie oft wurde den Liberalen schon das Totenglöcklein geläutet? Wie oft sind sie dem Tod von der Schippe gesprungen? Allein das verdient ein paar Wählerstimmen. Für welche Partei sollen wir Journalisten sonst regelmäßig in politischen Nachrufen zu solchen Metaphern greifen, um wenig später erstaunt ihre Auferstehung zu kommentieren?

Und kann man Angela Merkel wirklich mit Horst Seehofer und Peer Steinbrück alleine lassen? Im Vergleich zu dem hünenhaften, wetterwendischen CSU-Chef und dem bärbeißigen SPD-Kanzleranwärter werden einem die politischen Zwerge von der FDP fast schon wieder sympathisch. Schlimmer geht immer.