Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Für alle Parteien gibt es schließlich gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer Serie zusammengetragen. Heute: was für die Linkspartei spricht. Bereits erschienen: Fünf gute Gründe für die CDU, Fünf gute Gründe für die SPD, Vier Gründe für die Grünen, Drei Gründe für die FDP.

Die Linke verteidigt ein verlorenes Paradies

"Als das Wünschen noch geholfen hat", heißt es zu Beginn vieler Märchen. Es könnte auch das nostalgisch-naive Motto der aus der SED-Nachfolgepartei PDS und der westdeutschen WASG vereinten Linkspartei sein. Ihre Politiker und Mitglieder denken sich die Welt einfach so, wie sie sie gerne hätten: Statt Hartz IV bekommen alle künftig eine "Mindestsicherung" von 1050 Euro pro Monat. Netto versteht sich, zuzüglich Wohngeld – egal ob sie arbeiten oder nicht. Die Arbeitgeber müssen einen Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde zahlen, Leiharbeit und Kriege werden verboten, die Euro-Schutzschirme schützen nicht mehr die Banken, sondern die Menschen.

Geht es nach der Linken, wird der Reichtum umverteilt. Spitzenverdiener sollen 75 Prozent Einkommensteuer zahlen und eine "Millionärssteuer" obendrein, dazu noch eine einmalige Abgabe von bis zu 30 Prozent ihres Vermögens. "Ja, wer täte das nicht gerne", um mit Bertolt Brecht zu sprechen.

Aber leider sind die Menschen nicht alle solidarisch. Wie gut daher, dass wenigstens eine Partei unverdrossen für den Sozialismus als Fernziel kämpft. Da stört es auch wenig, dass zu ihr auch DDR-Nostalgiker im Osten und unbelehrbare Linkssektierer im Westen gehören. Besser eine linke Zukunft als gar keine!

Die Linke lernt dazu


Das Hauptziel der Partei hieß in den ersten Jahren: Die SPD ärgern! Der damalige Vorsitzende Oskar Lafontaine nahm auf diese Weise Rache an seiner ehemaligen Partei und vor allem an seinem Widersacher Gerhard Schröder. Mittlerweile ist Lafontaine in seine saarländische Heimat entschwunden und spricht fast nur noch über Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht zum Partei- und Wahlvolk.

Die neue Parteiführung ist dabei, sich von ihrem einstigen Dominator zu emanzipieren. Sie schließt eine Zusammenarbeit mit dem früheren Erzfeind in einem rot-rot-grünen Bündnis nicht mehr aus. Ein Liebeswerben, das von der SPD und den Grünen jedoch nicht erwidert wird.

Sei's drum: Die Linkspartei zeigt jedenfalls, dass sie nicht mehr nur opponieren, sondern irgendwann auch mitgestalten und Verantwortung im Bund übernehmen möchte. Dann könnten sie ihre sozial-pazifistischen Visionen allerdings einer harten Bewährungsprobe unterziehen.