Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Für alle Parteien gibt es schließlich gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer Serie zusammengetragen. Heute: was für die Partei des Herausforderers spricht. Bereits erschienen: Fünf gute Gründe für die CDU

Genug der Langeweile

In Beziehungen ist es das verflixte siebte Jahr, in dem es nach landläufiger Meinung zu kriseln beginnt. Angela Merkel ist jetzt schon im achten Jahr mit der Macht liiert, und wenngleich ihr Vorbild Helmut Kohl die doppelte Zeitspanne schaffte, können auch acht Jahre verdammt lang sein. Vor allem mit einer Kanzlerin, die jeden politischen Diskurs verweigert.

Zeit also, dass mal wieder ein anderer Kanzler drankommt. Abwechslung belebt! Das haben eben die Norweger vorgemacht, die ihren allseits beliebten und erfolgreichen Premier einfach abgewählt haben. 

Auch bei der SPD kann man natürlich nicht sicher sein, dass sich politisch viel ändert und sie umsetzt, was sie verspricht. Schließlich hat sie vier Jahre mit Merkel und der CDU regiert und deren Politik auch in der Euro-Krise brav mitgetragen. Womöglich würde sie es wieder tun. Besser als vier weitere Jahre lärmender schwarz-gelber Stillstand wäre jedoch selbst das allemal.

Vielen Bürgern geht es nicht gut

Ohnehin stimmt in der heilen Welt von Schwarz-Gelb etwas nicht. Vielen Bürgern geht es nicht gut. Manche merken es nur nicht. Wie gut, dass es ihnen die SPD in diesem Wahlkampf immer wieder einbläut: Millionen Arbeitnehmer können selbst von einer Vollzeitstelle nicht leben, von den Minijobbern und Leiharbeitern zu schweigen. Die Ungleichheit wächst, die öffentlichen Einrichtungen sind zum Teil in erbärmlichem Zustand, Mieten und Strompreise explodieren. Und in der Euro-Krise kommt das dicke Ende wahrscheinlich noch. Dann wird es teuer.

Die SPD sorgt für etwas mehr Gerechtigkeit

Die Sozialdemokraten versprechen Abhilfe: höhere Steuern für die Reichen und ein gesetzlicher Mindestlohn für die Übrigen. Dazu eine Mietpreisbremse. Dass manche Unternehmen 8,50 pro Stunde nicht zahlen können – egal: Die SPD fühlte sich schon immer mehr fürs Verteilen als fürs Erwirtschaften zuständig. Und dass sie den Mindestlohn selber nicht eingeführt hat, als sie unter Schröder den Arbeitsmarkt gründlich flexibilisierte – ebenfalls geschenkt. Besser spät als nie gereut. Jeder hat eine zweite Chance verdient!

Steinbrück kann es besser

Schon als Finanzminister hat Peer Steinbrück die Spareinlagen der Bürger gerettet. Merkel hatte die Idee von ihm nur geklaut. Er weiß es einfach oft besser, nur dass er das manchmal zu deutlich zeigt. Einen höheren Unterhaltungswert hat der SPD-Kandidat in jedem Fall. Er spricht Klartext, selbst wenn es ihm schadet. Und selbst wenn er sich dabei manchmal verplappert. Wer kennt das nicht von sich selbst? Deshalb: Lieber mal ein Risiko eingehen und die Kavallerie satteln, als immer nur gaaaanz vorsichtig taktieren wie Merkel.

Die Sozialdemokraten verdienen Mitleid

Die SPD ist 150 Jahre alt. Bisweilen, so das Bonmot, sieht man ihr das auch an. Trotzdem wäre es nicht gut für das Land, wenn sie allmählich verschwände. Zwar tun sich die Genossen immer schwer, wenn sie regieren. Aber noch schlechter geht es ihnen in der Opposition. Dann verzweifeln sie an sich selbst und an der Welt. Wollen Sie das?