Wahlkampf-Finale : Merkels Luxussorgen

Dass sie Kanzlerin bleibt, bezweifelt kaum jemand. Unklar nur, mit welchem Koalitionspartner. Entsprechend vage präsentiert sich Angela Merkel im Wahlkampf-Endspurt.

"Spannend", das ist das Wort des Tages bei der CDU. Hermann Gröhe hat es gerade gefühlt zum 13. Mal gebraucht, an diesem Samstagmorgen. Der CDU-Generalsekretär steht in einem nicht ganz vollen Veranstaltungssaal in Berlin-Mitte. Gleich kommt die Kanzlerin, es ist ihr letzter Auftritt in der Hauptstadt in diesem Wahlkampf. Gröhe gibt den Anheizer: Er warnt vor "engen Umfragen" und mahnt, dass es auf jede Stimme ankomme. Sonderlich überraschend ist das nicht. So ähnlich klingen alle Generalsekretäre am Tag vor der Bundestagswahl.

Bei der CDU kommt eine Sorge hinzu, die man als Luxussorge bezeichnen könnte: Die Partei liegt schon so lange und so deutlich in den Umfragen in Führung, dass die Parteistrategen fürchten, dass manchen Anhängern am Ende die letzte Motivation fehlen könnte, ins Wahllokal zu gehen. Spätestens seit dem Triumph der CSU am vergangenen Wochenende fürchten sie, dass eine trügerische Sicherheit an der Basis einige Prozentpunkte kosten könnte. Merkel hat diese Erfahrung schon zweimal gemacht. Auch 2009 und 2005 dominierte sie lange Zeit die Umfragen, erzielte aber am Ende schlechtere Ergebnisse.

Also betont auch Merkel, als sie wenig später die Bühne betreten hat, dass sie "ein bisschen aufgeregt" sei. Eigentlich könne sie am Sonntag ja ausschlafen. Aber sie sei sich noch nicht sicher, ob das hinhaue, wegen der Nervosität, sagt sie.

So ganz mag man es nicht glauben, dass sich die Kanzlerin unruhig in mecklenburgischen Kissen wälzt. Tatsächlich wirkt Merkel an diesem Vormittag ziemlich ausgeruht und entspannt. Sie hat ja auch allen Grund dazu: Tatsächlich zweifelt kaum jemand daran, dass sie auch nach der Wahl Kanzlerin bleibt.

Die Gegner bleiben unerwähnt

Die genaue Konstellation, in der sie regieren wird, steht zwar noch nicht fest. Aber sie hat genügend Optionen: Reicht es nicht für Schwarz-Gelb, steuert sie eben wieder eine Große Koalition an. Sollte es die FDP (und die AfD) nicht in den Bundestag schaffen, könnte es womöglich sogar für eine absolute Mehrheit reichen. Unwahrscheinlich zwar, dennoch sinniert man in der Union gern darüber. Jedenfalls betont auch Merkel auf ihrer Berliner Abschlusskundgebung, dass es keine Stimme an die FDP zu verschenken gebe: Mit der "Zweitstimme" solle man doch bitte sie als Kanzlerin bestätigen – und nicht etwa die FDP.

Die 30-minütige Rede, die Merkel in Berlin hält, ist so freundlich und unanstößig wie ihr gesamter Wahlkampf. Den politischen Gegner erwähnt sie mit keinem Wort. Der Name Steinbrück fällt nicht, auch die Linken und Grünen bleiben unerwähnt. Merkel warnt nur einmal adressatenlos vor Steuererhöhungen und, etwas später, vor Eurobonds. Das war's aber schon an Abgrenzung. Auch die AfD erwähnt sie natürlich nicht explizit, deren Parlamentseinzug eine Neuauflage von Schwarz-Gelb endgültig verhindern könnte. Wohl aber betont sie die Bedeutung von Euro und EU, was auch an die Euroskeptiker in den eigenen Reihen gerichtet sein mag.

Merkels Botschaft in diesem Wahlkampf ist eine zweigeteilte. Zum einen lobt sie sich und die Leistungen ihrer Regierung: die neuen Arbeitsplätze, die gute Konjunktur, die solide Europapolitik, die Investitionen in Bildung und Forschung. Zum anderen warnt sie vor der Brüchigkeit dieser Erfolge. Es ist nicht lange her, da galt Deutschland noch als "kranker Mann Europas", sagt sie nicht nur in Berlin, sondern in fast jeder Rede. Der Euro, die Schulden, die Überalterung der Gesellschaft, die neue Konkurrenz aus China und Brasilien. Alles nicht gelöst, alles bedürfe einer besonnenen Führung, so der typische Sound einer Merkel-Rede.

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Kommentare

101 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Mag sein, sicher gibt es einige Leute in

diesem Land, die für den EU Beitritt der Türkei sind, die dafür sind, dass die Bonzen in Brüssel (Schulz, Barroso usw.) finanziell massiv und mehr als bspw. deutsche Politiker von der EU profitieren, dass Deutschland Athen, Rom, Paris, Lissabon, Madrid, Dublin....massiv unter die Arme greift....aber warum? Weil sie es besser wessen? Weil sie der Propaganda glauben? Oder weil sie nicht ausreichend Zugang zu unabhängigen (!) Informationen haben?