Der Exbundespräsident Christian Wulff soll als niedersächsischer Ministerpräsident 2005 eine Rede gehalten haben, die von dem Filmunternehmer David Groenewold verfasst wurde. In der Rede vor 150 Personen aus der Filmbranche lobte Wulff, nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung,einen damals von Groenewold geführten Filmfonds und setzte sich gegen die geplante Abschaffung von Steuervorteilen für diese Anlageform ein. Diesen bisher unbekannten Vorgang habe die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt.

Wulff dementierte: "Herr Bundespräsident a.D. Wulff hat eine von Herrn Groenewold entworfene Rede nie gehalten. Die gegenteilige Darstellung ist falsch", sagte sein Anwalt.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beruft sich bei ihrer Darstellung auf ein Dokument der Justiz: Den Beschluss des Landgerichts Hannover, den Prozess gegen Wulff und Groenewold wegen des Verdachts auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung zu eröffnen.

Groenewold soll demnach außerdem ein Anschreiben verfasst haben, in dem er sich für Wulffs Einsatz gegen eine steuerliche Begrenzung von Verlustabschreibungen für Filmfonds bedankte. Er nannte den damaligen Ministerpräsidenten laut dem Zeitungsbericht in einem anderen Dokument seinen "einzigen Hoffnungsträger", nachdem Versuche gescheitert waren, andere Spitzenpolitiker für dieses Anliegen zu gewinnen.

Ende August hatte die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover die Anklage gegen den früheren Bundespräsidenten und gegen Groenewold wegen Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme zugelassen. Der Prozess gegen Wulff beginnt am 1. November.

Gegenstand der Anklage ist ein Oktoberfestbesuch 2008, bei dem Wulff einen Vorteil von rund 750 Euro bezogen habe und sich im Gegenzug für geschäftliche Interessen Groenewolds verwendet haben soll. Die Verteidigung bestreitet diesen Zusammenhang. Sie hatte es abgelehnt, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen.