Der vermutete Lauschangriff des US-Geheimdienstes NSA auf die Kanzlerin interessiert auch die Bundesanwaltschaft. Politiker fordern von den deutschen Strafverfolgern, den Whistleblower und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zu befragen. Doch Generalbundesanwalt Harald Range sieht auch nach dem mutmaßlichen Spionageangriff auf Angela Merkels Handy derzeit keine Möglichkeit, den NSA-Enthüller als Zeugen zu vernehmen.

"Wir können keine Zeugen vernehmen in diesem Stadium des Verfahrens, wo wir noch kein Ermittlungsverfahren haben", sagte Range. "Ich kann einfach nicht nach Moskau fahren und mich auf den Flughafen setzen und warten, bis Herr Snowden vorbeikommt", sagte Range. "Wir können uns nur Auskünfte einholen, und das tun wir."

Ein Ermittlungsverfahren wegen der mutmaßlichen Abhörmaßnahmen wurde bislang nicht eingeleitet. "Es fehlt noch viel an Informationen", sagte Range. "Wir versuchen, uns bei den Diensten nähere Fakten zu verschaffen."

Großes Vertrauen in mobile Kommunikation scheint der oberste Strafverfolger nicht zu haben: "Wir alle wissen, dass unsere Handys nicht sicher sind", sagte Range. "Es gibt eben Überwachungsmöglichkeiten, und damit muss man rechnen."

Die Bundesanwaltschaft hat einen sogenannten Beobachtungsvorgang angelegt, nachdem bekannt wurde, dass US-Geheimdienste möglicherweise das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin ausspionierten. Ein solcher Vorgang, der einem Vorermittlungsverfahren entspricht, soll bestätigen, dass ein Anfangsverdacht auch wirklich besteht. Dazu muss auch überprüft werden, ob tatsächlich eine verfolgbare Straftat vorliegt.

Justizministerium schließt Vernehmung nicht aus

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte zuvor erklärt, dass sie eine Vernehmung Snowdens nicht ausschließe. Die Bundesanwaltschaft habe nach den Berichten über Abhörmaßnahmen der NSA in Deutschland Vorermittlungen aufgenommen, sagte die Ministerin. "Wenn sich die Vorwürfe verdichten und zu Ermittlungen führen sollten, kann man auch an eine Zeugenvernehmung von Herrn Snowden denken."

Der britische Guardian berichtete unter Berufung auf Snowden, die US-Dienste hätten die Telefone von 35 führenden Politikern in aller Welt abgehört, darunter das Mobiltelefon von Kanzlerin Angela Merkel. "Dass jetzt heute unter Freunden Gespräche ausspioniert werden, hat eine neue Qualität", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Deutschland und die USA seien enge Freunde. Da müsse man anders miteinander umgehen als in Zeiten des Kalten Krieges.