Sollten sich CDU und SPD auf eine Große Koalition einigen, könnte die dann sehr kleine Opposition im Bundestag untergehen: Diese Sorge hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi , in einem Schreiben an Bundestagspräsident Norbert Lammert geäußert. Darin appelliere er an den CDU-Politiker, sich im Falle einer Großen Koalition rasch um eine Wahrung der Rechte der Opposition zu kümmern.

"Eine Große Koalition ohne eine mit Minderheitsrechten ausgestattete Opposition würde das parlamentarische System schwächen, womöglich extremistische Parteien stärken und die Wahlbeteiligung senken", warnte Gysi .

Sollten CDU/ CSU und SPD eine Regierung bilden, käme die Opposition aus Linkspartei und Grünen auf 127 Sitze und damit nur rund 20 Prozent im Bundestag. Das Quorum zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses oder zur Einleitung eines Normenkontrollverfahrens vor dem Verfassungsgericht liegt bislang bei 25 Prozent. 

Laut der Süddeutschen Zeitung schlägt Gysi in dem Schreiben vor, die Quoren nicht zu senken, aber festzulegen, dass "diese Rechte von den Oppositionsfraktionen auch dann wahrgenommen werden können, wenn sie gemeinschaftlich über weniger Sitze im Bundestag verfügen als im Quorum verlangt werden, aber gemeinsam das entsprechende Recht wahrnehmen". Die Linke trifft sich am heutigen Mittwoch zur Fortsetzung ihrer Fraktionsklausur. Dort soll auch die neue Fraktionsspitze gewählt werden.

Bedenken zur Rolle der Opposition äußerte zudem CDU-Vize Thomas Strobl. "Unter einem demokratietheoretischen Gesichtspunkt ist mir dabei nicht ganz wohl", sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung . "Die Große Koalition wäre ein riesiger Elefant im Plenarsaal des Bundestages. Die Opposition käme gerade noch auf 20 Prozent der Mandate. Von einer Stunde Redezeit blieben für die gesamte Opposition zusammen 12 Minuten. Sondersitzungen oder einen Untersuchungsausschuss könnte die Opposition nicht beantragen."