Union und SPD haben ihre Sondierungsgespräche über die mögliche Bildung einer Großen Koalition begonnen. Das Treffen wird von den drei Parteivorsitzenden Angela Merkel ( CDU ), Sigmar Gabriel (SPD) und Horst Seehofer ( CSU ) geleitet. Die Parteiführungen wollen zunächst klären, ob man sich darüber einig sei, was die größten Herausforderungen für Deutschland in den kommenden vier Jahren seien, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Jede Partei hat sieben Teilnehmer zu den Gesprächen entsandt. Das Treffen findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin statt.

Die ersten Kompromisse zwischen den Parteien könnten beim Thema Arbeit gefunden werden. Der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Peter Weiß , sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , dass eine Einigung über einen Mindestlohn möglich sei. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) signalisierte zudem Kompromissbereitschaft bei der Frauenquote, für die sich die SPD einsetzt.

Der Chef des Arbeitnehmerflügels der CDU, Karl-Josef Laumann , warb für die Bildung einer Großen Koalition. Angesichts der großen Probleme wie der Energiewende spreche vieles dafür, sagte Laumann dem WDR . Die SPD habe wegen ihrer starken Position im Bundesrat ohnehin eine Verantwortung für die Bundespolitik.

Scheitern könnte Schwarz-Rot aber an unterschiedlichen Auffassungen zur Steuerpolitik . Die SPD hatte im Wahlkampf damit geworben, den Spitzensteuersatz von 42 auf 49 Prozent anzuheben. Die Union hatte Steuererhöhungen wiederholt ausgeschlossen. Uneinigkeit herrscht auch bei der Pkw-Maut und dem Betreuungsgeld, die die CSU zur Bedingung einer Koalition erklärt hatte.

Streit um Steuererhöhungen

SPD-Chef Gabriel hatte faire und sachliche Verhandlungen angekündigt. Gründlichkeit gehe zwar vor Schnelligkeit, sagte er der Süddeutschen Zeitung . "Aber die Parteien dürfen auch nicht taktieren und die Verhandlungen mutwillig verschleppen." Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der Bild -Zeitung, jetzt müsse die Stunde konstruktiver Gespräche sein.

Eine Entscheidung über Koalitionsverhandlungen wird heute noch nicht erwartet. Sollten CDU und CSU dies anstreben, müsste ein Parteikonvent der SPD das Vorhaben billigen. Am kommenden Donnerstag wird die Union auch mit den Grünen sondieren .

Trotz ihres deutlichen Wahlsiegs sind CDU und CSU auf einen Koalitionspartner angewiesen, da ihnen im neuen Bundestag fünf Mandate zur absoluten Mehrheit fehlen.