Die Grünen wollen offen in die Sondierungsgespräche mit der Union gehen. Der neu gewählte Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter sagte in der ARD , er halte eine schwarz-grüne Koalition für möglich. Voraussetzung sei aber, dass die Ziele der Grünen ausreichend berücksichtigt würden. Dazu zähle etwa der ökologische Umbau der Gesellschaft sowie die Schaffung freiheitlicher Lebensbedingungen für alle Bürger.

Hofreiter wurde am Montag zusammen mit Katrin Göring-Eckardt an die Spitze der Fraktion gewählt. Beide werden zur Sondierungsgruppe gehören, die am Donnerstag mit der Union die Chancen für eine mögliche schwarz-grüne Koalition ausloten will. Aber anders als Hofreiter sieht Göring-Eckardt die Gespräche skeptisch: In der Union müsse sich sehr viel bewegen, sagte sie in der ARD.

Göring-Eckardt kritisierte die Haltung der CSU zum Thema Flüchtlinge, nachdem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich keinen Änderungsbedarf an bestehenden Regelungen sieht. Für die Grünen sei eine humanitäre Flüchtlingspolitik, die den Tod von Menschen verhindere, zentral. "Ohne so etwas können wir nicht in die Zusammenarbeit mit einer anderen Partei gehen", sagte Göring-Eckardt. Auch bei der Klima- und Energiepolitik sieht sie Differenzen zur Union.

Kritik an Teilnahme Trittins

Bei den Gesprächen mit dabei sein werden neben Hofreiter und Göring-Eckardt auch der frühere Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin . Seine Teilnahme ist umstritten bei der Union. Der CDU-Vize und CSU-Landeschef aus Baden-Württemberg Thomas Strobl sagte, er halte dies für das falsche Signal, "weil ich mit einer gewissen Skepsis sehe, dass er nach wie vor die Fäden zu ziehen scheint". Die Grünen müssten sich von ihm emanzipieren, sagte Strobl.

Zuvor hatte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt gesagt : "Dass die Grünen den größten Wahlverlierer Jürgen Trittin mit in die Verhandlungen nehmen, deutet darauf hin, dass sie das Wählervotum nicht ganz verstanden haben." Trittin sei ein Mann von gestern, der für die politische Zukunft keine Rolle mehr spiele, sagte Dobrindt der Bild .

Steffi Lemke , Bundesgeschäftsführerin der Grünen, warf der CSU vor, die Grünen vor den Sondierungsgesprächen demütigen zu wollen. "Die Kollegen von der CSU wollen von uns gegenwärtig einen Kotau, die wollen keine Koalition. Und Ersteres werden sie definitiv nicht bekommen", sagte Lemke bei n-tv .

Zum jetzigen Zeitpunkt Kamikaze

Kritisch zu einer Zusammenarbeit mit der Union äußerte sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn. "Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich das für Kamikaze", sagte sie auf Phoenix . Das neue grüne Führungspersonal müsse zunächst Erfahrungen sammeln, ohne durch eine schwierige Regierung beschwert zu werden. Sie sehe derzeit in der Union auch nicht die Beweglichkeit, die nötig sei, um eine solche Koalition argumentativ vier Jahre zu stützen.

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Die Union geht nach Angaben von CDU-Chefin Angela Merkel grundsätzlich offen in ihre Sondierungen über eine schwarz-grüne Koalition. "Wir gehen ernsthaft in jedes Sondierungsgespräch", sagte die Kanzlerin. Zugleich stimmte sie Grüne und SPD auf eine selbstbewusste Union ein. Deutschland habe keinen Politikwechsel gewählt. Vielleicht solle es eine gewisse Modifizierung geben, aber sicher bestehe der Wunsch nach Kontinuität. Die Wähler erwarteten, dass das auch in Ergebnissen zum Ausdruck komme.