US-GeheimdienstMerkels Handy seit 2002 auf NSA-Liste

Angela Merkels Handy steht nach Medienberichten seit 2002 auf einer Liste des US-Geheimdienstes. Präsident Obama soll von der möglichen Überwachung nichts gewusst haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel  |  © Soeren Stache / dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird einem Medienbericht zufolge möglicherweise seit mehr als zehn Jahren vom US-Geheimdienst überwacht. Der Spiegelberichtet, die Nummer des Mobiltelefons Merkels befinde sich seit 2002 auf einer Liste mit Aufklärungszielen des US-Geheimdienstes NSA. Dies ergebe sich aus einem Auszug, der offenbar aus einer geheimen NSA-Datei stamme.

US-Präsident Barack Obama erklärte dem Bericht zufolge, er habe von der möglichen Überwachung durch den US-Geheimdienst nichts gewusst. Obama habe in seinem Telefonat mit Merkel am Mittwoch gesagt, er hätte eine Abhöraktion sofort gestoppt, falls er darüber informiert gewesen wäre. Der US-Präsident habe sein tiefes Bedauern ausgedrückt und sich bei Merkel entschuldigt, hieß es demnach aus dem Kanzleramt. Ein Sprecher Merkels habe einen Kommentar zum Inhalt des vertraulichen Telefongesprächs abgelehnt.

Anzeige

Bisher hatte das Weiße Haus nach Merkels Anruf bei Obama in einer schriftlichen Stellungnahme nur erklärt: "Der Präsident versicherte der Kanzlerin, dass die Vereinigten Staaten die Kommunikation von Kanzlerin Merkel nicht überwachen und nicht überwachen werden."        

Die New York Times hatte zuvor berichtet, dass vor etwa einem Jahrzehnt mit dem Abhören begonnen wurde, also unter Obamas Vorgänger George W. Bush. Es sei aber unklar, was die Bush-Regierung zu diesem Schritt bewogen habe und warum Obama "anscheinend sogar nach fünf Jahren Präsidentschaft nicht wusste, dass es geschah".

Überwachungsauftrag war noch 2013 gültig

Dem Spiegel zufolge war der Ausspäh-Auftrag gegen Merkel auch noch wenige Wochen vor Obamas Berlin-Besuch im Juni gültig. Ein für Europa zuständiges Referat der NSA habe Merkel als Zielperson benannt. Aus dem Eintrag, der dem Spiegel nach eigener Darstellung vorliegt, gehe nicht hervor, was alles über das Handy überwacht wurde. Demnach ist ungeklärt, ob alle Gespräche aufgezeichnet oder nur Verbindungsdaten ausgewertet wurden.

Die US-Regierung habe in internen Gesprächen die Erfassung Merkels als Ausspähziel nicht bestritten, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice habe in einem Gespräch mit Merkels außenpolitischem Berater Christoph Heusgen erklärt, sie könne eine Überwachung nur für die Gegenwart und die Zukunft ausschließen, nicht jedoch für die Vergangenheit.

Das Kanzleramt hatte den Verdacht am Mittwoch bekannt gemacht, nachdem Merkel sich in einem Telefonat bei Obama über die mutmaßliche Überwachung beschwert hatte. Merkel selbst sprach von einem schweren Vertrauensverlust und strebt als Konsequenz ein Nicht-Spionageabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA sowie innerhalb der Europäischen Union an.

Bundesregierung verweigert bislang Stellungnahme

In der Affäre wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. Linksfraktionschef Gregor Gysi forderte in der Rheinischen Post, den Whistleblower Edward Snowden, der mit seinen Informationen die NSA-Affäre ins Rollen gebracht hatte, als Zeugen zu hören. Danach müsse ihm ein sicherer Aufenthalt in Deutschland gewährt werden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Selbst, wenn man ihm das glaubt: Er ist trotzdem dafür verantwortlich, was die amerikanischen Geheimdienste ausspionieren.

    35 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ich verstehe die Aufregung auch nicht. Da wurde Frau Merkel von Obamas Leuten halt zugehört. Unter Partnern finde ich, ist das doch das Mindeste.

    Eigentlich wie in einer guten Ehe. Ich kriege auch immer spitze Ohren, wenn meine Frau telefoniert: Nur so erfahre ich die Dinge, die sie mir angeblich längst gesagt hat.

    Das ist alles eine gut funktionierende Partnerschaft.

    Nase voll, dass mir als deutscher unterstellt wird ich würde Amerika auch nur in IRGENDeiner Weise als partner, freund oder sonstwas anzusehen.

    Man vergebe mir die Rechtschreibung. Auf dem Handy schreibt es sich hier bescheiden.

    Obamas Vorgänger wird auch nichts davon gewusst haben, aber die Anweisung dafür erteilt haben.

  2. Obama weiß nichts über NSA.
    Merkel wußte angeblich nichts über NSU.

    Ich weiß, dass ich nichts weiß, oder ?

    19 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • koths
    • 26. Oktober 2013 20:35 Uhr

    nimmt man auch nicht mit in die Sauna, da bekommt man dann auch immer nichts mit.
    Obwohl was soll sie den von der NSU gewusst haben, wissen Sie da mehr, dann nichts wie ab nach München und dem unsäglichen Spektakel dort ein Ende gesetzt.

    Würde an Merkels Stelle vorsichtig agieren, nicht das aus den Rosenholz Akten noch etwas über die stramme Freiheitskämpferin an das Tageslicht tröpfelt.

    Im selben Zusammenhang sei auch an James Hall erinnert, der der Stasi fast 14k Seiten an Unterlagen über die NSA übergeben hatte.
    Diese wurden von einem Herrn Gauck, heute Bundespräsident unter Brechung geltender Gesetze widerrechtlich 1992 an die USA übergeben.

    • Petro69
    • 26. Oktober 2013 22:50 Uhr

    dann haben alle nichts gewußt, ein seltsames verlogenes Pack.
    Nichtswisser regieren die Welt, das ist wirklich toll, wenn die Völker
    das richtig begreifen dann kocht der Topf.

    was ist denn das für ein intelligenter Vergleich ?? Denke so was wird hier immer zensiert, da Thema verfehlt.

    • Savyon
    • 26. Oktober 2013 17:11 Uhr

    ... nicht ganz im Griff zu haben.

    8 Leserempfehlungen
  3. ...was für ein lächerliches "statement".

    Wer kaufts dem Drohnenfürsten ab? Ich nicht!

    27 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Obama wäre nicht der erste US-Präsident, der ein kreatives Verhältnis zur Wahrheit hätte.
    Unter uns gesagt: Wie anders hätte der mächtigste (?) Präsident der Welt auf Merkels Überraschungsanruf - ohne Gesichtsverlust - denn reagieren sollen?

    Auf die Nagelprobe seiner "Ehrlichkeit" darf man gespannt sein:
    Ob er sich nun bei den 35 anderen abgehörten Regierungschefs auch entschuldigt?
    Denn nun weiß er ja mit Sicherheit Bescheid...
    Außerdem werden ihm stets die frischesten Snowden-Enthüllungen garantiert fast zeitgleich auf dem Tablet serviert .

    Technologieexperte James Lewis vom "Center for Strategic and International Studies" (CSIS) verteidigt auf SPIEGELOnline die US-Regierung.
    "...Wenn man mal die engen Verbindungen ihres Vorgängers nach Russland bedenkt, die deutschen Exporte nach Iran für dessen Nuklearwaffenprogramm und Deutschlands Zögerlichkeit, China wegen Cyber-Spionage anzugehen - dann kann man gute Gründe für Misstrauen haben."

    So oder so ähnlich hätte die glaubwürdigere Antwort Obamas lauten können ...

    Unabhängig davon, ob er die Wahrheit sagt oder nicht: Ich halte es für möglich, dass die NSA völlig ohne Wissen des Präsidenten oder anderer demokratisch legitimierter Strukturen handelt.

    Sollte der Präsident tatsächlich nichts davon gewusst haben, dann wäre das m.E. noch gefährlicher und schlimmer!

  4. Die Waffe unserer Zeit ist angeblich "Zufall" und angebliche "Ahnungslosigkeit".

    Liebe Frau Merkel Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Bitte treten Sie zurück und beweisen damit Verantwortung für das Deutsche Volk und für Europa.

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit dem Wunsch, Merkel möge zurücktreten, dürften Sie in Deutschland und Europa Mitglied einer verschwindend kleinen Minderheit sein. Die Bundestagswahlen und das große Ansehen Merkels bei den meisten europäischen Staaten stehen Ihrem Wunsch krass entgegen.

  5. dass, Führer die "von nichts gewusst" haben in Deutschland einen relativ schlechten Ruf genießen.

    Die USA sind wesentlich schlimmer als er DDR-Spitzelstaat, da sie zusätzlich Foltern und in Afghanistan Zivilisten zu hunderten, wenn nicht tausenden Abschlachten.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gegen die "heutigen Zustände" bezüglich Überwachung ist die DDR fast schon harmlos gewesen.

    Warten wir ab, was noch ans Tageslicht kommt...die Panik bei den Überwachern macht mich richtig neugierig ;-)

    P.S. Ja, ich weiß: historische Vergleiche "hinken" zuweilen.

    • _bla_
    • 26. Oktober 2013 18:51 Uhr

    Die USA sind wesentlich schlimmer als er DDR-Spitzelstaat, da sie zusätzlich Foltern und in Afghanistan Zivilisten zu hunderten, wenn nicht tausenden Abschlachten.
    Die Stasi hat selbstverständlich auch gefoltert. Und sie hat ihre eigenen Bürger gezielt abgeschlachtet. Die Mauertoten waren nicht etwa tragische ungewollte zivile Opfer innerhalb eines Krieges, sondern gewollte Opfer. Sie dienten lediglich dem Machterhalt von Stasi und SED.
    Und die Stasi hatte ganz andere Dimensionen, sie hat alleine rund 200.000 IMs beschäftigt, was mehr als 1% der Bevölkerung entspricht. NSA, CIA und FBI zusammen haben weit weniger Mitarbeiter, bei einer erheblich größeren Bevölkerung. Und während die NSA zwar viel überwacht, kann man in den USA trotzdem weitestgehend frei seine Meinung sagen. Die USA Zeitungen sind voll von Kritik an der NSA und jemand wie Noam Chomsky ist ein gefeierter Mann, während die DDR nicht mal einen Wolf Biermann ertragen konnte.

  6. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Welche Strafe? Ach so..

    Es ist einfach nur noch traurig und das vom Präsidenten der einst mächtigsten Nation der Welt. Jetzt hat Merkel sogar den an der Gurgel. Was andere Staatschefs in Deutschland nie vermochten, Merkel hats geschafft - mit einem 20 Minütigen Telefonat.

    Und ich dachte schon, die Zukunft sei langweilig.
    Schade nur, dass es keinerlei Konsequenzen geben wird, denn die einzelnen Länder und Kontinente haben genug mit sich selbst zu tun. Bis auf China natürlich..

    2 Leserempfehlungen
    • Savyon
    • 26. Oktober 2013 17:17 Uhr

    "Es sei aber unklar, was die Bush-Regierung zu diesem Schritt bewogen habe"

    Es gab 19 Terroristen, die 2.700 Menschen ermordeten und zum größten Teil vorher unbeschwert in Deutschland gelebt und sich auf die feigen Morde dort vorbereitet haben. Und die deutschen Behörden bekamen nichts mit. Grund genug!

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Handlungsgrundlage. Nicht, dass irgend ein Irrer noch auf die Idee kommt Amerikanern 'Fehler', 'falsches Verhalten' gar 'Böswilligkeit' zu unterstellen.

    Wann erscheint der Leitfaden 'Unwissenheit schützt vor Strafe' für den kleinen Mann? Steuererklärung, Schwarzfahren Zechprelle - alles 'nicht gewusst'.

    Es gab 19 Terroristen, die 2.700 Menschen ermordeten und zum größten Teil vorher unbeschwert in Deutschland gelebt und sich auf die feigen Morde dort vorbereitet haben. Und die deutschen Behörden bekamen nichts mit. Grund genug!

    ______

    Und diese 19 Terroristen wurden vom Kanzleramt ausgesteuert, oder wie darf man Ihre Argumentation verstehen?

    "Es gab 19 Terroristen, die 2.700 Menschen ermordeten und zum größten Teil vorher unbeschwert in Deutschland gelebt und sich auf die feigen Morde dort vorbereitet haben. Und die deutschen Behörden bekamen nichts mit. Grund genug!"

    ... die saßen alle im Kanzleramt.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Verbreiten von Verschwörungstheorien und beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • eras
    • 26. Oktober 2013 21:36 Uhr

    "Es gab 19 Terroristen, die 2.700 Menschen ermordeten und zum größten Teil vorher unbeschwert in Deutschland gelebt und sich auf die feigen Morde dort vorbereitet haben. Und die deutschen Behörden bekamen nichts mit. Grund genug!"

    Ich glaube eher: Es gab eine Handvoll Personen, die einen Krieg gegen den Irak vorbereiteten und Deutschland, damals unter Schröder, verweigerte sich. Als Oppositionsführerin war Merkel als Ziel in diesem Zusammenhang interessant. Ebenso wie alle greifbaren Regierungsinstitutionen. So ist ja schon länger bekannt, dass die Bush-Administration die deutschen Botschaften in den USA abhören liess...

    Ich vermute mal, dass wir demnächst erfahren, dass sich auch Schröders privates Telefon auf der Liste befand.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nsa
  • Schlagworte Angela Merkel | Barack Obama | Bundesregierung | Kanzleramt | Spiegel | US-Geheimdienst
Service