SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles mit Parteichef Sigmar Gabriel vor der ersten Sondierungsrunde mit der Union © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Union und SPD gehen vor ihrem zweiten Sondierungstreffen am Montag aufeinander zu. Die Sozialdemokraten rücken dabei von ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Betreuungsgeldes ab. Nach Informationen des Magazins Der Spiegel will die Parteispitze für einen Kompromiss werben, wonach die Bundesländer selbst entscheiden können, ob sie die Leistung ausbezahlen wollen oder zum Beispiel in den Kita-Ausbau stecken.

Kompromisslos zeigt sich die SPD hingegen beim Thema Mindestlohn. "Ohne die Vereinbarung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro wird es eine Regierungsbeteiligung der SPD nicht geben. Alles andere würden unsere Mitglieder nicht akzeptieren", sagte Generalsekretärin Andrea Nahles, die zu den Unterhändlern ihrer Partei gehört, der Bild am Sonntag.

Vor der zweiten Gesprächsrunde verlangte sie klare Zusagen von CDU und CSU, zu welchen Zugeständnissen sie bereit seien. Nahles: "Die Union sollte nicht darauf setzen, dass es automatisch zu einem dritten Sondierungsgespräch kommt. Wir brauchen schon am Montag konkrete Erkenntnisse, ob die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen Sinn machen würde."

Scholz: Keine Angst vor Großer Koalition

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Olaf Scholz spricht sich dagegen offen für ein Bündnis mit der Union aus. "Die Wähler haben uns beauftragt, aus dem Wahlergebnis etwas zu machen", sagte der Hamburger Erste Bürgermeister dem Spiegel. Sorgen, dass seine Partei geschwächt aus einer Großen Koalition hervorgeht, hat er nicht. "Die SPD hat vor vier Jahren nicht wegen ihrer Beteiligung an der Großen Koalition ein so miserables Ergebnis erzielt."

Auch in der Union wächst die Unterstützung für eine Große Koalition. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte, dass in der kommenden Legislaturperiode der Länderfinanzausgleich, der Solidarpakt und die Finanzausstattung der Länder neu geregelt werden müssten. "Dafür brauchen wir alle SPD-regierten Länder im Boot. Das ist ein entscheidendes Argument für Schwarz-Rot im Bund", zitiert ihn den Spiegel.

Merkel offenbar für Schwarz-Rot

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bevorzugt offenbar ein Regierungsbündnis mit den Sozialdemokraten. Sie halte die SPD für berechenbarer als die Grünen, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Demnach richtet sich die CDU-Vorsitzende bereits auf ein Bündnis mit den Sozialdemokraten ein.

Damit würde sie auch den Wunsch einer Mehrheit in Deutschland umsetzen. Laut einer Umfrage der Bild am Sonntag sprachen sich 52 Prozent für ein Bündnis von CDU/CSU und SPD aus, nur 25 Prozent sind für Schwarz-Grün.Klare Vorstellungen haben sie auch von zukünftigen Ministern. Mehr als 70 Prozent wollen in einer künftigen Regierung wieder Wolfgang Schäuble (CDU) als Finanzminister.