Sie sollte den Absturz der Piraten aufhalten, war das neue Gesicht der Partei – und konnte das desaströse Bundestagswahlergebnis doch nicht verhindern. Jetzt hat Katharina Nocun, die politische Geschäftsführerin der Piraten, angekündigt, beim Parteitag Ende November nicht mehr anzutreten. Im Gespräch mit ZEIT ONLINE erklärte sie: "Ich würde ja gerne weitermachen! Aber es ist bei mir finanziell einfach nicht drin." Nocun studiert und hat einen Nebenjob. Ihr Amt ist, wie das aller Piraten-Vorstände, nicht entlohnt, nicht einmal eine Aufwandsentschädigung zahlt die Partei ihrem Führungspersonal.

Nocuns Rücktritt zeigt deutlicher als je zuvor: Die Piraten haben ein Geldproblem. Es ist zu wenig, es ist ungleich verteilt, und es wird an wichtigen Stellen nicht gezahlt – weil es dem vermeintlich hehren Ideal ehrenamtlichen, idealistischen Engagements widerspricht, das viele Piraten pflegen. Nach dem Motto: Wer Geld bekommt, dem geht es nicht mehr um die Sache. So gesehen ist Nocun der zu langsamen Professionalisierung der Partei zum Opfer gefallen.

Nocun sagt: "In der heißen Phase des Wahlkampfs habe ich täglich 14 bis 16 Stunden gearbeitet, das mache ich auch sehr gerne. Aber von irgendwas muss ich auch die Krankenversicherung bezahlen." Auch Nocuns Vor-Vorgängerin und Piraten-Star Marina Weisband hatte darauf gedrängt, die Bundesvorstände zu bezahlen. Über ihre Rückkehr in den Vorstand wird immer wieder spekuliert, aber Weisband sagte jetzt der Taz: "Ich kann mir die Arbeit im Bundesvorstand im Moment nicht leisten."

"Wir haben und wollen, anders als andere Parteien, keine Lobby-Spenden", sagt Nocun. Aber selbst von den eigenen 30.000 Mitgliedern zahlt über die Hälfte, wahrscheinlich sogar 60 Prozent, nicht einmal den Mitgliedsbeitrag von 48 Euro im Jahr, wie aus Daten der Bundesbuchhaltung hervorgeht. Grob überschlagen entgehen der Partei dadurch über 500.000 Euro jährlich. Nocun erklärt die mangelnde Zahlungsmoral so: "Bei uns ist das noch nicht so eingespielt wie bei anderen Parteien, wir müssen die Mitglieder stärker daran erinnern. Es ist Verpeilerei, manchmal."