Die Zeiten, in denen die Hausfrau am Herd das Leitbild konservativer Familienpolitik war, sind trotz des von der CSU durchgeboxten Betreuungsgeldes auch in der Union passé. Dies zeigt sich erneut an einem Beschluss, den die Koalitionsarbeitsgruppe Familie in der Nacht zum Montag gefasst hat.

Das neue Elterngeld plus soll Väter und Mütter, die sofort nach der Geburt ihres Kindes eine Teilzeitarbeit aufnehmen, finanziell mit denen gleichstellen, die 14 Monate lang zu Hause bleiben.

Das funktioniert so: Wer gleich nach der Geburt eines Kindes mit höchstens 30 Stunden in den Job zurückkehrt, bekommt künftig 24 Monate (statt wie bisher 14 Monate) lang Elterngeld. Wenn beide Eltern ihre Arbeitszeit zumindest teilweise reduzieren, verlängert sich der Anspruch auf 28 Monate. Außerdem bekommen sie für die Zeit, in der sie gleichzeitig kürzer arbeiten, sogar noch einen finanziellen Bonus.

Damit solle eine Gerechtigkeitslücke beseitigt werden, heißt es dazu aus Unionsverhandlungskreisen. Denn bisher erhalten Eltern, die im ersten Lebensjahr ihres Kindes ganz aus dem Job aussteigen, deutlich mehr Geld vom Staat als solche, die direkt nach der Geburt wieder Teilzeit arbeiten.  

Deutlich mehr Geld

Verdient ein Elternteil beispielsweise 2.000 Euro im Monat und setzt zwölf Monate ganz aus, zahlt der Staat 15.600 Euro Elterngeld. Arbeiten Vater oder Mutter jedoch Teilzeit und verdienen damit 900 Euro im Monat, erhalten sie während des ersten Lebensjahres ihres Kindes vom Staat nur 8.580 Euro. Denn der Staat bezahlt dann nur 65 Prozent ihres Verdienstausfalles und dieser beträgt dann eben nicht 2.000 Euro im Monat, sondern nur 1.100 Euro. 

In Zukunft würde der Teilzeit arbeitende Elternteil im Laufe von zwei Jahren genauso viel staatliche Unterstützung erhalten, wie jemand, der ein Jahr aussetzt, im Beispielfall 15.600 Euro. Direkt nach der Geburt eines Kindes Teilzeit zu arbeiten, wird also attraktiver.

Dass es einen Run auf diese Regelung geben wird, ist allerdings kaum zu erwarten. Denn die bisherige Erfahrung zeigt: Vor allem viele Frauen wollen wenigstens das erste Jahr gerne mit ihrem Kind verbringen. Die wenigsten sind geneigt, einen Säugling direkt nach dem Mutterschutz in fremde Hände zu geben, was auch bei Teilzeitarbeit nötig wäre, falls die Arbeitszeit der Eltern sich nicht so aufeinander abstimmen lässt, dass keine zusätzliche Betreuung erforderlich ist.  

Von daher ist das Elterngeld Plus zwar eine Verbesserung für die Eltern, die schon bisher sofort wieder in den Beruf eingestiegen sind – betreffen dürfte das vor allem auch Alleinerziehende. Von zuletzt 800.000 Elterngeldbeziehern haben nur 33.000 im ersten Bezugsmonat bereits wieder gearbeitet, im letzten Bezugsmonat waren es 57.000. 

Interessanter für die meisten Eltern wäre deshalb eine geförderte Familienarbeitszeit wie etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung sie in der vergangenen Woche vorgeschlagen hat. Doch davon ist das Elterngeld plus weit entfernt. Die Wissenschaftler hatten angeregt, dass Eltern, die nach dem 14-monatigen Elterngeldbezug gemeinsam ihre Arbeitszeit auf jeweils 80 Prozent reduzieren, drei Jahre lang vom Staat unterstützt werden sollten.