Sigmar Gabriel und Horst Seehofer (v.l.) © Sean Gallup/GettyImages

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat sich beim ZDF wegen eines Fernsehinterviews mit SPD-Chef Sigmar Gabriel beschwert. Der bayerische Ministerpräsident schickte einem Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut. "Ich wehre mich gegen diese Qualität der Diskussion", sagte er außerdem vor einer CSU-Vorstandssitzung. Seehofer sitzt im Verwaltungsrat des Mainzer Senders.

Die Art der Fragen von heute-journal-Moderatorin Marietta Slomka sei typisch für das Öffentlich-Rechtliche. Gabriel sollte nach Seehofers Meinung wie ein Schuljunge vorgeführt werden. Er könne nicht verstehen, wie Slomka die Verfassungsmäßigkeit des Mitgliederentscheids der SPD anzweifeln könne.

Die CSU entscheide mit etwa hundert Vertretern über den Koalitionsvertrag, die CDU auf ihrem kleinen Parteitag vielleicht mit 400. "Wenn ein Mitgliederentscheid verfassungswidrig ist, dann sind es unsere Veranstaltungen gleich doppelt und dreifach." Er halte den Mitgliederentscheid der SPD für "total" legitim.

Gabriel will kein Watschenmann des ZDF sein

Gabriel selbst verteidigte seine harschen Antworten im Interview mit Slomka. "Man muss doch auch mal Emotionen zeigen", sagte er. "Wir sind ja keine kalten Fische, und manche Journalisten glauben, wir Politiker seien so zum Watschenmann da."

Das scheine etwas in Mode gekommen zu sein. "Dafür bin ich einfach nicht geeignet", sagte Gabriel weiter. Wie man in den Wald hinein rufe, so schalle es eben auch heraus." Er finde das alles nicht dramatisch: "Man darf sich auch mal streiten." Gabriel hatte sich mit der ZDF-Moderatorin Slomka am Donnerstagabend über die Frage gestritten, ob das Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag verfassungsrechtlich bedenklich sei.

Auch der bei der Bundestagswahl unterlegene Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigte Gabriel: "Ich kann mich an ein Interview im Wahlkampf mit Frau Slomka erinnern, das mir äußerste Disziplin und Höflichkeit abverlangt hat", sagte er der Bild-Zeitung. "Politiker müssen sich keineswegs alles gefallen lassen. Etwas mehr Respekt im wechselseitigen Umgang täte uns allen gut."

Das ZDF wehrte sich gegen den Vorwurf der Parteilichkeit. Dies habe Slomka "entschieden und mit Recht" zurückgewiesen, sagte heute-journal-Redaktionsleiterin Anne Reidt in Mainz. In dem Interview sei es "hart zur Sache und um die Sache" gegangen. "Argumentativer Schlagabtausch und Verbalgefecht sind Instrumente des politischen Journalismus."

Slomka selbst wies Gabriels Vorwurf der Parteilichkeit in der Bild zurück. "Die Vielzahl von Interviews, die ich in den letzten zwölf Jahren geführt habe, belegen, dass dieser Vorwurf jeder Grundlage entbehrt. Ich trage keine parteipolitische Brille. Als Journalistin habe ich die Aufgabe, Politiker mit Kritik zu konfrontieren", sagte Slomka.