Hans-Christian Ströbele : Ein zupackender Idealist

Während die Regierung noch diskutiert, fährt Hans-Christian Ströbele schon mal zu Edward Snowden. Der 74-Jährige macht schon seit Jahrzehnten erfolgreich, was er will.

Schon seit dem Anfang der NSA-Affäre habe er die Bundesregierung aufgefordert, Kontakt zu Edward Snowden aufzunehmen, sagt Hans-Christian Ströbele. Der Grünen-Abgeordnete kommt gerade von einem Treffen mit dem ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter aus Moskau. Es war ein Treffen zweier Generationen von Idealisten.  

Ströbele kämpfte als Anwalt für die RAF-Mitglieder Ulrike Meinhof und Andreas Baader und flog dafür aus der SPD. Später setzte er sich gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ein und zog den Ärger der rot-grünen Koalition und besonders von Joschka Fischer auf sich.  

Erfolgreichster Grüner

Ströbele macht so etwas nicht für die Partei, sondern für die Sache. Wahrscheinlich ist er gerade deshalb äußerst erfolgreich. Er ist der einzige deutsche Grünen-Politiker, der je über ein Direktmandat in den Bundestag eingezogen ist – und das nun schon zum vierten Mal. In seinem Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg holte er bei der Bundestagswahl über 40 Prozent der Stimmen. Trotz einer Krebserkrankung und seiner 74 Jahre sträubt er sich gegen den Ruhestand. "Ich will nicht nur von außen zusehen, sondern mitmischen."

Bei Demos steht der Alt-Linke in der ersten Reihe, einfach zu erkennen an seinem etwas wirren Haar und den buschigen Augenbrauen. Er ist inzwischen eine Kreuzberger Institution, obwohl er im Berliner Stadtteil Tiergarten wohnt. Ströbele, der fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs ist, taucht gut sichtbar auf fast allen grünen und linken Veranstaltungen in Berlin auf.

Er ist einer der ältesten Bundestagsabgeordneten und das älteste Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums der Geheimdienste. Er setzt sich für die Wahrung der Menschenrechte ein, kämpft für das Ende des Afghanistan-Krieges und saß im NSU-Untersuchungsausschuss.    

"Ich erinnere mich daran, dass ich durch nichts so aufgewühlt wurde wie Ungerechtigkeiten, die entweder mir selber passiert sind oder anderen", berichtet er aus seiner Kindheit in dem Dokumentarfilm Die Anwälte

Sein Einsatz in der NSA-Affäre war so gesehen ein logischer Schritt.  

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren