Katharina Nocun will zum Piraten-Parteitag Ende November in Bremen nicht wieder als Politische Geschäftsführerin kandidieren. Als Grund nennt sie ihre finanziellen Verhältnisse: "Ich kann mir die Arbeit im Bundesvorstand unter den aktuellen Umständen leider gerade nicht mehr leisten", sagte Nocun der taz.

In der Piratenpartei erhält die Politische Geschäftsführerin kein Gehalt. Der scheidende Bundeschef Bernd Schlömer lebt von seinem Job im Verteidigungsministerium. Nocun appellierte an ihre Partei, die Bundesvorstände künftig für ihre Arbeit zu bezahlen. 

Sie wolle ihre Masterarbeit an der Universität Hamburg schreiben, kündigte die 27-jährige an. Das Thema verriet sie in einer auf ihrem Blog veröffentlichten Erklärung: "Marktregulierung von Monopolen bei Sozialen Netzwerken".  Mit der zeitaufwändigen, ehrenamtlichen Vorstandsarbeit in der Partei lasse sich das nicht kombinieren. 

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Die Parteimitglieder wollen in Bremen turnusgemäß ihren gesamten Vorstand neu wählen. Wer Nocun und Schlömer folgt, ist noch unklar. Auch die frühere Geschäftsführerin Marina Weisband sagte, sie könne sich die Arbeit im Bundesvorstand derzeit nicht leisten. Für den nächsten Bundesvorstand könne sie nur kandidieren, wenn sie eine gut bezahlte Halbtagsstelle finde, zitiert sie die taz. Das sei ihr bisher nicht gelungen: "Es kann immer noch alles passieren, aber es sieht im Moment nicht danach aus."

Der Posten sei auch alles andere als attraktiv: Die Vorstände müssten extrem viel Zeit aufbringen, hätten aber wenig Gestaltungsfreiheit. Außerdem habe man "keine motivierte Partei, die hinter einem steht, sondern eine in sich zerstrittene und mäkelige".

Die Piraten hatten Nocun erst auf dem Parteitag im Mai im fränkischen Neumarkt ins Amt gewählt. Sie folgte Johannes Ponader, einem zuletzt parteiintern umstrittenen Parteimanager, dem sein Umfeld Beratungsresistenz und mangelnde Teamfähigkeit vorwarf.