Die Piraten haben einen neuen Vorsitzenden gewählt. Auf dem Parteitag in Bremen setzte sich der Frankfurter Software-Entwickler Thorsten Wirth gegen fünf weitere Kandidaten durch. Wirth erhielt eine Zustimmung von 78,1 Prozent. Den zweiten Platz belegte der ehemalige Landesvorsitzende der bayerischen Piraten, Stefan Körner, mit 66,2 Prozent Zustimmung. Zur Stellvertreterin Wirths wurde Caro Mahn-Gauseweg bestimmt. Die Diplom-Ingenieurin aus Sachsen erhielt 532 von 892 gültigen Stimmen.

Als Priorität seiner Arbeit nannte Wirth, die verschiedenen Strömungen in der Partei zusammenführen zu wollen. "Motivation ist das Gebot der Stunde." Wirth kritisierte das geplante Bündnis von Union und SPD im Bund. "Die Große Koalition ist eine Zäsur für unsere Demokratie."

Wirth folgt auf Bernd Schlömer, der nach anderthalb Jahren im Amt und der Niederlage der Piraten bei der Bundestagswahl nicht wieder antrat. Der 45-jährige Wirth ist schon seit Jahren bei der Partei aktiv, er gehörte bereits von 2009 bis 2010 dem Bundesvorstand an und war Mitbegründer des Landesverbands Hessen. Er soll nun die Piraten in die Europawahl im kommenden Jahr führen, bei der die in den Umfragen stark abgesackte Partei auf ein Comeback hofft.

Stundenlang hatte sich die Neuwahl des Vorstands verzögert, weil zunächst langwierige Satzungsdebatten geführt wurden. Die Parteitagsteilnehmer beschlossen eine Umstrukturierung des Vorstands, der künftig auch weniger als neun Mitglieder haben kann.

Der Parteitag einigte sich auch auf eine Reform der Parteispitze. Demnach soll es künftig keine Beisitzer mehr geben, sondern Stellvertreter der wichtigsten Positionen wie Vorsitz, Geschäftsführer, Schatzmeister und Generalsekretär. Dies soll die geforderte Professionalisierung der Parteiarbeit voranbringen.

Ehrenamtliche Arbeit

Zudem stimmten die Mitglieder dafür, dass ihre Vorstände auch künftig weitgehend ehrenamtlich arbeiten müssen: Die anwesenden 900 Mitglieder lehnten Anträge auf eine Honorierung ihrer Parteiführung ab. Nur wer von staatlicher Unterstützung abhängig ist, soll künftig von der Partei bezahlt werden, um auf Sozialhilfe verzichten zu können.

2012 hatte der politische Geschäftsführer Johannes Ponader, ein Hartz-IV-Empfänger, wegen seiner Parteiarbeit Ärger mit den Behörden bekommen. Ponader verzichtete in der Folge auf die Sozialhilfe. Schlömer und die scheidende politische Geschäftsführerin Katharina Nocun hatten ihren Rückzug auch mit der Doppelbelastung durch Erwerbsjob und Parteiarbeit begründet.

Am 22. September hatten die Piraten mit nur 2,2 Prozent der Stimmen den Einzug in den Bundestag klar verfehlt. Die Partei will in Bremen die Europawahlen 2014 vorbereiten, bei der sie mindestens drei Prozent der Stimmen holen muss, um Mandate zu bekommen. Auch finanzielle Probleme plagen die Piraten: Von den rund 30.000 Mitgliedern zahlt nur gut ein Drittel regelmäßig Beiträge.