Am zweiten Tag des Bundesparteitags wählt die SPD den gesamten Vorstand neu. Generalsekretärin Andrea Nahles stellt sich ebenso zur Wiederwahl wie die Vizevorsitzenden Hannelore Kraft, Aydan Özoguz, Olaf Scholz und Manuela Schwesig. Für Klaus Wowereit, der aus dem Vorstand ausscheidet, tritt Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel an. Neben der engeren Parteiführung werden auch die restlichen Vorstandsposten neu vergeben.

Am Donnerstag war SPD-Chef Sigmar Gabriel im Amt bestätigt worden. Mit 83,6 Prozent hatte er sein bisher schlechtestes Ergebnis in seiner vierjährigen Amtszeit erhalten. Grund dafür ist seiner Meinung nach die "Skepsis gegenüber der Großen Koalition", sagte Gabriel am Abend im ZDF. "Sie wissen, dass in der SPD viele damit hadern – und daran gemessen, finde ich, ist das ein ausgesprochen gutes Ergebnis."

Andrea Nahles sagte, sie denke, das Ergebnis habe ihn nicht wahnsinnig überrascht. "Es herrscht eben eine gedämpfte Stimmung", sagte sie der Leipziger Volkszeitung . Hinzu komme, "dass wir vielleicht einfach doch noch nicht so gut sind, wie wir selber dachten."

Mit nur einer Gegenstimme und wenigen Enthaltungen hatten die Delegierten am Donnerstag einen Leitantrag beschlossen, der ab 2017 erstmals ein rot-rot-grünes Bündnis auf Bundesebene als Option vorsieht. Mitten in den Koalitionsverhandlungen mit der Union hatte dieses Votum für Irritation gesorgt. "Das ist so, als ob ein Partner kurz vor der Hochzeit noch rasch eine Kontaktanzeige aufgibt", sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner der Allgemeinen Zeitung aus Mainz. Die SPD solle lieber gleich sagen, "ob sie die Große Koalition aus taktischen Gründen gar nicht will".

Linke fordert echte Chance für Rot-Rot-Grün

Beschwichtigungen kamen von Seiten der SPD. Parteivize Manuela Schwesig sagte in der Passauer Neuen Presse : "Sollten wir die Große Koalition eingehen, dann stehen wir zu unserem Wort und zwar für vier Jahre."

Die Linke-Politiker Bodo Ramelow, Fraktionschef im Thüringer Landtag, forderte die SPD auf, rot-roten Bündnissen vor allem in Ostdeutschland eine echte Chance zu geben. "Die Lockerungsübungen sind ganz nett", sagte er der Online-Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung aus Halle. "Aber sie sind derzeit irgendwie Papiertiger." Die Verhandlungen mit der Union sollen bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Die etwa 473.000 SPD-Mitglieder sollen dann verbindlich über eine rot-schwarze Koalition abstimmen.