Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, ist grundsätzlich zu einem Gespräch mit deutschen Behörden bereit. In einem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele verbreiteten Schreiben Snowdens heißt es dazu: "Ich freue mich auf ein Gespräch mit Ihnen in Ihrem Land, sobald die Situation geklärt ist." Allerdings will der 30-Jährige, der derzeit in Russland Asyl gewährt bekommt, nicht auf russischem Boden aussagen. "Da hat er bislang erhebliche Vorbehalte, die ich nicht näher erklären darf oder will", sagte Ströbele, der Snowden am Donnerstag überraschend in Moskau getroffen hatte.

Der Amerikaner, so Ströbele weiter, sei aber offen für andere Varianten: "Er kann sich vorstellen, nach Deutschland zu kommen." Dazu müsse allerdings gesichert sein, dass Snowden danach in Deutschland oder in einem vergleichbaren Land bleiben könne und dort in Sicherheit sei.

Eine Möglichkeit wäre, dem Amerikaner von deutscher Seite freies Geleit zu gewähren, sagte Ströbele. "Wenn das geklärt und geregelt ist, wäre er bereit, herzukommen." Die USA haben allerdings vorsorglich ein Ersuchen an Deutschland gestellt, Snowden festzunehmen und auszuliefern.

Snowden habe deutlich gemacht, dass er zur Aufklärung der Spionageaffäre beitragen könne, sagte Ströbele. Er habe darauf verwiesen, dass er bei CIA und NSA nicht nur als Administrator tätig, sondern auch an Operationen beteiligt gewesen sei. Zudem könne er Dokumente erklären und erläutern. "Er ist in hohem Maß interessiert an der Aufklärung der ganzen Geschichte", sagte Ströbele.

Snowden habe außerdem erklärt, am liebsten würde er vor einem Gremium des US-Kongresses aussagen. Das Kernanliegen des Enthüllers sei, Straftaten und Fehlentwicklungen bei den Nachrichtendiensten in den USA zu stoppen und die Rechte der Bürger zu schützen.    

In diesem Anliegen fühlt sich Snowden nach seinen eigenen Angaben in seinem Brief durch die internationale Debatte bestätigt. "Der Nutzen für die Gesellschaft aus diesen gewonnenen Erkenntnissen wird zunehmend klarer; gleichzeitig wurden die in Kauf genommenen Risiken sichtlich vermindert", heißt es in dem Brief. "Diese Spionage-Enthüllungen zogen viele Vorschläge zu neuen Gesetzen und Richtlinien nach sich, die auf den vormals verdeckten Missbrauch des öffentlichen Vertrauens abzielten." Er, Snowden, habe die moralische Pflicht zum Handeln gesehen. Als Folge der Veröffentlichungen sehe er sich aber einer "schwerwiegenden und anhaltenden Hetze ausgesetzt".

Nicht direkt adressiert

Das Schreiben hatte Snowden dem Bundestagsabgeordneten Ströbele bei dessen Besuch in Moskau überreicht. Der Brief war weder direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel noch an andere Personen adressiert, sollte aber sowohl der Bundesregierung als auch dem Bundestagspräsidenten sowie dem Generalbundesanwalt zugestellt werden. Ströbele sagte, er habe das Schreiben inzwischen per Fax an die drei Stellen gesandt.

Der Grünen-Politiker war zuvor mit Snowden in Moskau zu einem dreistündigen Gespräch zusammengekommen. Zu Details des Treffens machte er nur wenige Angaben. So sei das Treffen von seiner Seite monatelang vorbereitet gewesen. Angetroffen habe er einen "jungen Mann, kerngesund und gut drauf". Im Übrigen habe er, Ströbele, ihn gefragt, "ob er in Moskau auch einfach so mal shoppen gehen kann. Da hat er 'Ja' gesagt."

Der Snowden-Brief im Original