Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat die Ernennung Aydan Özoğuz' (SPD) als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung als historische Entwicklung bezeichnet. "Wir finden es sehr positiv, dass jemand mit Migrationshintergrund jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik dem Kabinett angehört", sagte der Dachverbandsvorsitzende Kenan Kolat

Noch besser wäre es allerdings gewesen, wenn ein Migrant einen anderen Fachbereich bekommen hätte, sagte Kolat. Denn das Amt der Integrationsbeauftragten berge die Gefahr einer Reduzierung auf die Herkunft.

Gleichzeitig warnte er Özoğuz davor, die eigene Herkunft zu verleugnen. "Wir haben erlebt, dass man versucht, eine Art Distanz zu schaffen zu der Bevölkerungsgruppe, zu der man selbst gehört", sagte Kolat. Er hoffe, Özoğuz werde weiter mit vielen Menschen mit türkischen Hintergrund und entsprechenden Organisationen sprechen.

Zudem warb Kolat dafür, das Amt des Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration besser auszustatten. Bisher sei es ein symbolisches Amt ohne finanziellen Unterbau und Kompetenz zur Mitgestaltung von Gesetzen, sagte Kolat. Er regte an, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – bislang eine Behörde des Innenministeriums – bei der Beauftragten anzugliedern und Fachreferate aufzubauen.

Die Türkische Gemeinde äußerte sich außerdem positiv zum geplanten Wechsel an der Spitze des Innenministeriums, das Thomas de Maizière (CDU) wieder übernehmen soll. Hans-Peter Friedrich (CSU) habe die Arbeit einzig nach sicherheits- und ordnungspolitischen Gesichtspunkten beurteilt, sagte Kolat. Das habe auch die Integrationspolitik beeinflusst. "Wir haben die Hoffnung, dass de Maizière einen Neuanfang schafft und Zuwanderung nicht als Problem, sondern als Chance versteht", sagte Kolat.