54 junge Politiker der CDU haben eine inhaltliche Neuaufstellung ihrer Partei gefordert. In einem Manifest, kritisieren sie eine einseitige Belastung ihrer Generation durch die Verabredungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD. "Unsere Sorge, dass das vereinbarte Rentenpaket inklusive der abschlagsfreien Rente mit 63 die Erfolge der Rentenpolitik der letzten 15 Jahre gefährden könnte, bleibt", heißt es in dem Papier.

Zu den Unterzeichnern des Manifests mit dem Titel "Heute die richtigen Entscheidungen für 2017" gehören der Bundesvorsitzende der Jungen Union Philipp Mißfelder, der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn und der Berliner Sozialsenator Mario Czaja. Hendrik Schmitz, Mitglied im nordrhein-westfälischen Landtag schrieb bei Twitter: "Auch in der Großen Koalition darf Generationengerechtigkeit kein Fremdwort sein!" Die Unterstützer des Appells sind alle jünger als 45 Jahre. Nur vier Frauen haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Die Erklärung, über die zuerst die Welt am Sonntag berichtete, umfasst acht Punkte. Darin wird zunächst der Erfolg der CDU bei der Bundestagswahl gewürdigt. "Der Zeitgeist ist konservativ", heißt es. Die politische Linke sei "meilenweit von einer gesellschaftlichen Mehrheit entfernt". Allerdings sichere der CDU nur eine generationenübergreifende Politik langfristige Mehrheiten.

In einer Agenda 2020 müsse es daher darum gehen, "die Digitalisierung aller Lebensbereiche als Herausforderung, aber auch als wirtschaftliche Chance zu begreifen, Hunderttausenden Menschen in Deutschland ohne Berufsabschluss eine Chance zu geben und Vorsorge für die Alterung der Gesellschaft zu treiben". Für künftige Koalitionen soll der Austausch mit der FDP aufrechterhalten und eine Annäherung zu den Grünen gesucht werden.

Innerparteilich fordern die Politiker einen Wandel der CDU "von der reinen Mitglieder- zur Mitmachpartei". "Starre Parteistrukturen gehören der Vergangenheit an", heißt es. Zudem sollen "junge Köpfe in Partei und Fraktion an verantwortlicher Stelle Profil gewinnen".

Die Kritik kommt kurz vor der geplanten Billigung des Koalitionsvertrags durch die CDU. Die Partei will den Kontrakt am Montag in einem kleinen Parteitag beschließen. Die SPD lässt derzeit darüber die Mitglieder abstimmen. Die SPD-Jugendorganisation Jusos stellte sich am Samstag bereits geschlossen dagegen.