Polizeibeamte drängen vor dem Kulturzentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel in Hamburg Demonstranten zurück. © Malte Christians/DPA

In Hamburg ist die Großdemonstration für den Erhalt des Kulturzentrums Rote Flora bereits kurz nach Beginn beendet worden. Eine Polizeisprecherin sprach von schweren Angriffen auf Beamte, die Einsatzkräfte seien mit Steinen, Flaschen und illegaler Pyrotechnik beworfen worden. Auch von einer Brücke seien Gegenstände geworfen worden. Zudem seien Baustellenabsperrungen auf die Straße gezogen und ein Drogeriemarkt, in dem sich Kunden befunden hätten, mit Steinen attackiert worden.

Bis 23 Uhr zählte die Polizei 82 verletzte Beamte. 15 von ihnen mussten nach Angaben der Sprecherin ihren Einsatz daraufhin beenden, einige wurden in Krankenhäusern stationär aufgenommen. Ein Polizist aus Niedersachsen wurde durch einen Steinwurf so schwer verletzt, dass er bewusstlos ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Nach Einschätzung der Polizei waren unter den 7.300 Demonstranten rund 4.500 aus dem linksextremistischen Spektrum – viele davon gewaltbereit. Die Veranstalter sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern. Die Polizei hatte mit Ausschreitungen gerechnet und war mit einem Großaufgebot von mehr als 2.000 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Um die Demonstranten zurückzudrängen setzte die Polizei auch Wasserwerfer ein. Angaben über verletzte Demonstranten lagen zunächst nicht vor. 16 Menschen seien wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs vorläufig festgenommen worden, sagte die Polizeisprecherin. In der Kastanienallee nahe der Reeperbahn seien zudem 120 Menschen in Gewahrsam genommen worden.

Nach der Auflösung der Demonstration zogen die Randalierer in Gruppen in Richtung Reeperbahn weiter und lieferten sich weitere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Reeperbahn wurde gesperrt. Unter anderem wurden bei einem SPD-Büro die Scheiben eingeworfen, zwei Polizeiautos wurden beschädigt.

Unser Reporter Kersten Augustin berichtet via Twitter von der Demo:

Christiane Schneider von der Bürgerschaftsfraktion der Linken warf der Polizei eine eskalierende Taktik vor. Sie sprach von einer heftigen Auseinandersetzung, bei der Demonstranten heftig zur Sache gegangen seien. Es habe aber auch eskalierende Polizeieinsätze mit ziemlich brutalen Festnahmen und Schlagstockeinsätzen gegeben.

Auch die Organisatoren kritisierten ihrerseits einen "massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern" und warfen der Polizei vor, den Protestzug von Anfang an bewusst gestoppt zu haben, um die politische Auseinandersetzung um die Rote Flora, die Esso-Häuser und das Bleiberecht von Flüchtlingen unsichtbar zu machen, hieß es in einer Erklärung. 

Polizei hatte Route kurzfristig geändert

Die Situation war schon kurz nach Beginn der Demonstration am Nachmittag eskaliert, als in unmittelbarer Nähe des besetzten Kulturzentrums Rote Flora Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Einsatzkräfte attackierten. Diese stoppten daraufhin den Demonstrationszug und setzten Wasserwerfer ein.

Kurz vor dem Start des Demonstrationszuges hatte die Polizei noch eine Routenänderung bekannt gegeben. Eigentlich sollte der Zug von der Altonaer Straße zur Schanzenstraße und Budapester Straße über die Reeperbahn zur Glacischaussee ziehen. Wegen eines Angriffs auf die Davidwache am Freitag ist die Reeperbahn allerdings für Demonstranten gesperrt worden. Stattdessen sollte der Weg nun direkt von der Budapester in die Glacischaussee führen.

Die gesamte Innenstadt war zum Gefahrengebiet erklärt worden, was es der Polizei erlaubte, ohne konkreten Verdacht Menschen zu durchsuchen, in Gewahrsam zu nehmen und Platzverweise zu erteilen.      


Bereits am Freitag gab es Randale

Der Protest richtete sich gegen eine mögliche Räumung des seit mehr als zwanzig Jahren besetzten Kulturzentrums Rote Flora, mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hatte. Außerdem ging es um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die Esso-Häuser an der Reeperbahn. Die Häuser waren in der Nacht zum Sonntag wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. 

Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Wie an den bisherigen Adventssamstagen wollten auch Unterstützer der Lampedusa-Flüchtlinge demonstrieren.

Am Freitagabend war es zu ersten Ausschreitungen gekommen. Mehr als 300 vermummte Randalierer hatten auf der Hamburger Reeperbahn die Davidwache und davor parkende Polizeiautos mit Steinen beworfen. Dabei waren sieben Streifenwagen so stark beschädigt worden, dass sie abgeschleppt werden mussten, wie die Polizei am Samstagmorgen mitteilte. Die Hintergründe der Ausschreitungen waren zunächst unklar, der Staatsschutz ermittelt.